Kurzbeschreibung:
Intelligenz, Bewusstsein und Selbst-Bewusstsein sind für Douglas R. Hofstadter die wichtigsten Fragen überhaupt. Bastelte die Natur tatsächlich aus Neuronen das Gehirn? Und wie kam es zum Wunder des Selbstbewusstseins? Menschliches Selbstbewusstsein scheint aus Mustern zu bestehen, die Schleifen bilden. Sie nehmen sich beim Sehen, Sprechen, Gehen ... beim Denken selbst wahr, beobachten sich und verstehen sich selbst und die anderen "Schleifen" immer besser. Der Hirnforscher zum Beispiel, der sein denkendes Gehirn untersucht, der Künstler, der sich selbst porträtiert, und schließlich alle Menschen, die über sich selbst nachdenken.
Jeder Mensch ist so eine seltsame Schleife - diesem merkwürdig- einzigartigen Phänomen hat Douglas R. Hofstadter sein neuestes Buch gewidmet. Voller verblüffender Einfälle stellt Hofstadter einem breiten Publikum seine Gedankenexperimente und intellektuellen Abenteuer vor und verbindet sie mit seiner einzigartigen Lebensgeschichte - zu einer seltsamen Schleife.
Leseprobe:
"Vorwort - Ein Autor und sein Buch
Die körperliche Seite des Bewusstseins
Schon in Kindertagen dachte ich darüber nach, was mein Geist ist und was - analog dazu - Geist bei anderen ist. Ich erinnere mich an meine Versuche, die Art und Weise zu verstehen, wie ich auf meine Sprachspiele kam, auf die mathematischen Ideen, die ich mir ausdachte, die Versprecher, die mir unterliefen, die witzigen Analogien, die mir einfielen, und so weiter. Ich überlegte, wie es wohl wäre, ein Mädchen zu sein, oder wie es wäre, eine andere Muttersprache zu haben, Einstein zu sein, ein Hund, ein Adler, vielleicht sogar eine Mücke. Im Großen und Ganzen war das Leben unbeschwert und heiter.
Als ich zwölf Jahre alt war, fiel ein dunkler Schatten auf unsere Familie. Meine Eltern, meine siebenjährige Schwester Laura und ich wurden mit der grausamen Tatsache konfrontiert, dass mit Molly , dem jüngsten Kind der Familie, die damals erst drei Jahre alt war, etwas überhaupt nicht stimmte. Keiner wusste , was es war, aber Molly war nicht in der Lage, Sprache zu verstehen oder zu sprechen (sie kann es bis heute nicht, und wir haben nie herausgefunden, woran das liegt). Sie bewegte sich leicht durch die Welt, sogar mit Anmut und Grazie, aber Worte benutzte sie nie. Es war sehr traurig.
Über Jahre hinweg erwogen unsere Eltern alle nur denkbaren Mittel - sogar einen chirurgischen Eingriff -, um ihr zu helfen. Ihre Suche nach Heilungsmöglichkeiten oder wenigstens irgendeinem Ansatz von Erklärung wurde immer verzweifelter. Mein eigenes gequältes Nachdenken über Mollys Notlage und die fürchterliche Idee, dass irgendwelche Leute den Kopf meiner kleinen Schwester aufmachen und die mysteriöse Substanz inspizieren sollten, die ihn ausfüllte (auf diese Methode haben wir am Ende doch verzichtet), brachte mich dazu, etliche populärwissenschaftliche Bücher 1 über das menschliche Gehirn zu lesen. Das hatte einen ungeheuren Einfluss auf mein Leben, denn es zwang mich zum ersten Mal, über die körperliche Grundlage des Bewusstseins nachzudenken, die körperliche Grundlage der Tatsache, ein"Ich"zu sein oder zu haben, was ich verwirrend fand, schwindelerregend, und äußerst unheimlich.
Ungefähr in dieser Zeit, gegen Ende meiner High-School-Jahre , stieß ich auf die mysteriösen metamathematischen Offenbarungen des großen öster reichischen Logikers Kurt Gödel ; außerdem lernte ich zu programmieren, und zwar am einzigen Computer der Stanford University , einem Burroughs 220, der im herrlich schummrigen Keller der altehrwürdig-baufälligen Encina Hall stand. Schnell wurde ich süchtig nach diesem"riesigen elektronischen Gehirn", dessen orangene Lichter in seltsamen magischen Mustern blinkten und so die"Gedanken"der Maschine offenbarten; es konnte auch auf mein Geheiß wunderbare abstrakte mathematische Strukturen enthüllen und verdrehte Nonsense-Texte in verschiedenen Fremdsprachen verfassen, die ich damals lernte. Gleichzeitig erfasste mich eine Besessenheit für symbolische Logik, deren rätselhafte Symbole in kuriosen magischen Mustern tanzten und Wahrheiten und Unwahrheiten reflektierten, Hypothesen, Möglichkeiten und Kontrafaktizitäten , was alles - davon war ich überzeugt - tiefe Einblicke in die verborgenen Quellgründe menschlichen Denkens erlaubte. Das Ergebnis dieser unablässigen, aufwühlenden Grübeleien über Symbole und Bedeutungen, Muster und Ideen, Maschinen und Mentalität, neurale Impulse und sterbliche Seelen war ein infernalischer Tumult in meinem jugendlichen Geist/Gehirn."
Rezension:
"... Hofstadter hat das Glück und das Pech, in jungen Jahren einen internationalen Bestseller verfasst zu haben:"Gödel, Escher, Bach", ein Buch, dessen Lektüre zur höheren Allgemeinbildung zählen darf ... Seither müht sich Hofstadter, diese Theorie plausibler zu machen, immer plastischer darzustellen; mit"Ich bin eine seltsame Schleife"ist es ihm jetzt am besten gelungen ... Hofstadters Selbst ... stellt sich in seinem jüngsten Werk auf beinahe jeder Seite dar, aber das geht in Ordnung, denn der Autor, als geistreich bekannt, ist weise geworden ..."Gero von Randow (Die Zeit, 30.04.2008)
"... Ebenso wie sein gepriesener Erstling ist"Ich bin eine seltsame Schleife"ein philosophisches Werk. Und Philosophie, sagt Hofstadter, kann nichts beweisen, nur überzeugen. Deshalb präsentiert er seine Argumente in Form einer"Salatschüssel voller Metaphern und Analogien", wie er sein Buch selber charakterisiert. Das macht die Reise zum nichtvorhandenen Zentrum des Ichs zu einem mit leichter Feder geschriebenen Lesevergnügen ... gehört es mit zum Anregendsten, was zum Themenkreis Leib-Seele bzw. Bewusstsein und Gehirn seit langer Zeit gesagt wurde..."Gerrit Stratmann (Deutschlandradio Kultur, 04.05.2008)
"... So komplex die Materie, so leichtfüßig schreibt Hofstadter, ironisch, witzig, zutiefst persönlich und mal so ins Poetische wechselnd. ... Ein aufregendes und anregendes Buch."Evelyn Beyer (Neue Presse, 31.05.08)
Autorenportrait:
Douglas Hofstadter, geboren am 15. Februar 1945, ist der Sohn des Physik-Nobelpreisträgers Robert Hofstadter. Er verbrachte seine Jugend in Genf und studierte Physik, Informatik und Kognitionswissenschaften u. a. in Stanford und Oregon, wo er 1975 promovierte. Gastprofessuren an der Universität Regensburg und dem MIT.
Für "Gödel, Escher, Bach - ein Endloses Geflochtenes Band" erhielt er 1980 den Pulitzer-Preis sowie den "American Book Award" für das beste Sachbuch. Heute hat er einen Lehrstuhl an der Indiana University in Bloomington inne.