Rezension:
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de: James Rollins - das literarisch donnernde Gegenstück zu den Kinolegenden James Bond, Jason Bourne, Indiana Jones & Co. "Der Judas-Code" ist der bisher beste Actionroman aus Rollins Sigma-Force-Reihe.
Kurzbeschreibung:
Tief Luft holen - dieser Thriller ist atemberaubend!
James Bond war gestern - die Zukunft gehört den charismatischen Wissenschaftlern der SIGMA-Force.
Eine uralte Plage - wiedergeboren, um alles Leben für immer zu zerstören - bedroht das Schicksal der Menschheit: ein Fall für Grayston Pierce und die SIGMA-Force!
Die Gilde - eine Organisation, die illegal mit militärischer Hochtechnologie handelt - sucht ebenfalls nach einem Heilmittel. Denn hält sie dies in den Händen, verfügt sie über eine Biowaffe von ungeahnter Macht. Ein gnadenloser Wettlauf beginnt. Das Ende der Menschheit vor Augen, folgt Grayston Pierce uralten Hinweisen in venezianischen Gräbern, byzantinischen Kathedralen und dem Dschungel Kambodschas. Da wird er gezwungen, mit der Gilde zusammenzuarbeiten - und plötzlich weiß er nicht mehr, wem er noch trauen kann ...
Ein intelligenter, explosiver und unglaublich rasanter Roman.
Leseprobe:
Vorbemerkung zum historischen Hintergrund
Das folgende historische Rätsel ist noch immer ungelöst. Im Jahr 1271 brach der siebzehnjährige Venezianer Marco Polo mit seinem Vater und seinem Onkel zu einer Reise auf, die ihn bis nach China und an den Palast des Kublai Khan führen sollte. Die Reise währte vierundzwanzig Jahre, und ausführliche Berichte legen davon Zeugnis ab: wundervolle Geschichten von unermesslichen Wüsten und Flüssen voller Jade, von wimmelnden Städten und gewaltigen Segelflotten, von brennenden schwarzen Steinen und Papiergeld, von unglaublichen Tieren und bizarren Pflanzen, von Kannibalen und Schamanen.
Nachdem er siebzehn Jahre im Dienste Kublai Khans gestanden hatte, kehrte Marco Polo 1295 nach Venedig zurück, wo seine Erlebnisse von dem französischen Romantiker Rustichello zu Papier gebracht wurden. Der Titel seines Buches lautete Le Divisament du Monde (Die Beschreibung der Welt). Es fand Leser in ganz Europa. Selbst Christoph Kolumbus hatte es dabei, als er zur Neuen Welt aufbrach.
Ein Reiseerlebnis behielt Marco jedoch für sich und beschränkte sich in dem Buch auf einige wenige vage Andeutungen. Bei seinem Aufbruch von China hatte Kublai Khan dem Venezianer vierzehn große Dschunken geschenkt und ihm sechshundert Männer mitgegeben. Nach zwei Jahren auf See erreichten jedoch nur zwei Schiffe und achtzehn Männer die Heimat.
Das Schicksal der übrigen Schiffe und Männer liegt bis zum heutigen Tag im Dunkeln. Liefen sie auf Grund, oder fielen sie Stürmen oder Piraten zum Opfer? Marco Polo schwieg dazu. Als man ihn auf dem Sterbebett aufforderte, entweder nähere Angaben zu seinen Erlebnissen zu machen oder sie zu widerrufen, erwiderte Marco geheimnisvoll: »Ich habe nicht einmal die Hälfte dessen erzählt, was ich erlebt habe.«
Die Pestilenz brach zuerst in der am Schwarzen Meer gelegenen Stadt Kaffa aus. Dort belagerten die mächtigen mongolischen Tartaren die Händler und Kaufleute aus Genua. Die Mongolen bekamen schmerzende Pestbeulen und hatten blutigen Auswurf. Von der Krankheit gezeichnet, schleuderten sie die Toten mit Belagerungskatapulten über die Verteidigungsmauern der Genueser und brachten Tod und Verderben über sie. Im Jahre 1347 nach der Menschwerdung des Herrn setzten die Genueser Segel und flohen mit zwölf Schiffen nach Italien, wo sie im Hafen von Messina anlegten und den Schwarzen Tod an unsere Küste brachten.
Weshalb im Mittelalter in der Wüste Gobi plötzlich die Beulenpest ausbrach und ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung tötete, liegt nach wie vor im Dunkeln. Tatsächlich weiß niemand, weshalb so viele Seuchen und Grippewellen des vorigen Jahrhunderts - darunter auch die Vogelpest SARS - von Asien ihren Ausgang nahmen. Eines aber ist ziemlich sicher: Die nächste größere Pandemie wird wiederum aus Asien kommen.
Mitternacht Insel Sumatra Südostasien
Die Schreie waren endlich verstummt.
Zwölf Feuer brannten draußen auf dem Wasser.
»Il dio, li perdona...«, flüsterte sein Vater, doch Marco wusste, dass Gott ihnen diese Sünde nicht verzeihen würde.
Eine Handvoll Männer wartete neben den beiden am Strand liegenden Langbooten. Sie waren die einzigen Augenzeugen der Scheiterhaufen, welche die dunkle Lagune erhellten. Bei Mondaufgang hatten sie alle zwölf Schiffe, große Holzdschunken, mitsamt den Toten und den wenigen zum Tode verurteilten Lebenden in Brand gesteckt. Wie mahnende Zeigefinger ragten die brennenden Schiffsmasten in den Himmel. Es stank nach verbranntem Fleisch.
»Zwölf Schiffe«, murmelte Masseo, Marcos Onkel, die Faust um ein silbernes Kruzifix gekrampft. »Die gleiche Zahl wie die der Apostel.«
Endlich war das Schmerzgeschrei verstummt. Nur noch das Prasseln und Tosen der Flammen drang an den Strand. Marco hätte sich am liebsten abgewendet, hielt aber stand. Andere waren weniger tapfer als er und knieten mit leichenblassen Gesichtern und dem Rücken zum Wasser im Sand.
Alle waren splitternackt. Sie hatten sich gegenseitig nach Anzeichen der Krankheit abgesucht. Selbst die Prinzessin vom Hofe des Khans, die aus Gründen der Schicklichkeit hinter einem Sichtschutz aus Segeltuch stand, war bis auf ein juwelenbesetztes Diadem unbekleidet. Marco sah ihren schlanken Körper als dunkle Silhouette von den Flammen abgehoben durch das Tuch hindurch
schimmern. Ihre ebenfalls nackten Dienerinnen hatten sich zu ihrer Herrin gesellt. Sie hieß Kokejin, die Blaue Prinzessin, und war siebzehn Jahre alt. Marco war ebenso alt gewesen wie sie, als er von Venedig aufgebrochen war. Der Großkhan hatte die Polos beauftragt, sie wohlbehalten ihrem zukünftigen Bräutigam, dem Schah von Persien und Enkel von Kublai Khans Bruder, zu übergeben.
Das war in einem anderen Leben gewesen. War es wirklich erst vier Monate her, dass die Besatzung des ersten Schiffes erkrankt war und in der Leistengegend und den Achselhöhlen Schwellungen bekommen hatte? Die Krankheit hatte sich ausgebreitet wie brennendes Öl, hatte die Besatzungsmitglieder dahingerafft und dazu geführt, dass sie auf dieser von Kannibalen und fremdartigen Tieren bewohnten Insel hatten ausharren müssen.
Auch jetzt wieder drang das Geräusch von Trommeln aus dem finsteren Dschungel hervor. Allerdings hüteten sich die Wilden davor, sich dem Lager zu nähern, so wie ein Wolf um kranke Schafe einen Bogen macht. Die einzigen Spuren ihrer Anwesenheit waren die Totenschädel, die an durch die Augenhöhlen geführten Schlingpflanzen von Baumästen hingen und die Fremden wohl am weiteren Vordringen hindern sollten.
Die Krankheit hatte die Wilden bislang abgeschreckt. Damit war nun Schluss.
Jetzt, da mit den brennenden Schiffen auch die letzten Krankheitsträger verschwunden waren, gab es nur noch eine Handvoll Überlebende.
Die Männer und Frauen, die keine geröteten Schwellungen aufwiesen.
Vor einer Woche hatten sie sämtliche Kranken in Ketten gelegt, auf die vor Anker liegenden Schiffe geschleppt und ihnen Wasser und Nahrung dagelassen. Die anderen hatten am Ufer auf neue Anzeichen einer Erkrankung gewartet. Währendessen hatten die auf die Schiffe Verbannten gejammert, um Hilfe gerufen, geflucht und geschrien. Am schlimmsten aber war das Gelächter der Wahnsinnigen gewesen.
Besser wäre es gewesen, ihnen allen den Gnadenstoß zu versetzen, doch sie hatten nicht mit dem Blut der Erkrankten in Berührung kommen wollen. Deshalb hatten sie sie auf die Schiffe gebracht und zusammen mit den Toten dort zurückgelassen.
Abends bei Sonnenuntergang hatte das Wasser um die Kiele zweier Boote herum zu leuchten begonnen. Das Leuchten hatte sich auf der glatten, schwarzen Wasserfläche ausgebreitet wie verschüttete Milch. Dieses Phänomen kannten sie von den Teichen und Kanälen am Fuße der Türme der verfluchten Stadt, aus der sie geflohen waren.
Die Krankheit hatte versucht, aus dem hölzernen Gefängnis zu entkommen.
Da war ihnen keine andere Wahl geblieben.
Sie hatten sämtliche Dschunken bis auf die eine, mit der sie selber in See stechen wollten, in Brand gesteckt.
Marcos Onkel Masseo ging zwischen den verbliebenen Männern umher. Er befahl ihnen, ihre Blöße wieder zu bedecken, doch ihre Beschämung vermochten Webstoff und Wolle nicht zu verbergen.
»Was haben wir getan ...«, flüsterte Marco.
»Wir dürfen nicht davon sprechen«, sagte sein Vater und reichte ihm ein Gewand. »Wenn etwas von der Pest ruchbar wird, werden uns alle Länder ächten. Kein Hafen wird uns aufnehmen. Jetzt aber haben wir die letzten Spuren der Krankheit mit einem reinigenden Feuer aus unserer Flotte und aus dem Wasser getilgt. Wir brauchen nur noch heimzusegeln.«
Als Marco sich das Gewand über den Kopf streifte, bemerkte sein Vater die Zeichnung, die Marco mit einem Stock in den Sand gemalt hatte. Er presste die Lippen zusammen, verwischte die Skizze mit der Ferse und blickte seinen Sohn flehentlich an. »Niemals, Marco, niemals .«
Erinnerungen aber ließen sich nicht so leicht ausmerzen. Er hatte dem Großkhan als Gelehrter, Abgesandter und sogar als Kartograf gedient und von den vielen eroberten Königreichen Karten angefertigt.
Marcos Vater ergriff wieder das Wort. »Niemand darf von unserer Entdeckung erfahren ... Sie ist verflucht.«
Autorenportrait:
Neueste Technologiekenntnisse und fundierte wissenschaftliche Fakten, genial verknüpft mit historischen und mythologischen Themen - all das macht die Abenteuer-Thriller von James Rollins zum einzigartigen Leseerlebnis. Mit dem Auftakt zu seiner hochspanne