Beschreibung:
Träumer, Erfinder, Abenteurer ? Himmelsstürmer erobern die Welt Nach dem fulminanten Erfolg seines Romans ?Eine Frage der Zeit? zeichnet Alex Capus die Lebensspuren von zwölf Himmelsstürmern nach ? kleine Leute aus einem kleinen Land, die in der großen Welt ihr Glück suchten und ungewöhnliche Taten vollbrachten. Capus? Helden waren uneheliche Kinder gefallener Dienstmädchen, litten an bösen Stiefmüttern, fixen Ideen und körperlichen Gebrechen, sie mussten Hungersnöte, Kriege und Revolutionen überstehen. Trotzdem ? oder gerade deshalb ? zogen sie aus, die Welt zu erobern. Das Berner Dienstmädchen Marie Grosholtz erlangte als Madame Tussaud Weltruhm. Der Neuenburger Jean-Paul Marat zettelte mit Danton und Robespierre die Französische Revolution an. Der Aarauer Uhrmachersohn Ferdinand Hassler vergrößerte die USA auf Kosten Kanadas. Ein Berner namens Pauli baute das erste lenkbare Luftschiff der Welt. Ein falscher Arzt namens Meyer befreite Griechenland vom Joch der Türken, und ein Glarner namens Zwicky schoss das erste von Menschenhand geformte Objekt in den Weltraum. Wie immer erzählt Alex Capus spannend und amüsant von Menschen, die zäh, geschickt und unbeirrbar zuversichtlich an ihre Fähigkeiten und Träume glauben, die Zeitläufe nutzen und sich durch Niederlagen und Fehlschläge nicht entmutigen lassen. "Alex Capus hat sich etwas ganz Seltenes bewahrt. Sanftmut, Freundlichkeit, Nachsicht, Toleranz. Und wenn einer dann auch noch so schwebend leicht, liebevoll und genau erzählen kann wie er, dann sind wir Leser glücklich." Elke Heidenreich "Die Biografien, die Capus ausgesucht hat, sind schön zu lesen. Sie sind kurz, amüsant und voller verrückter Geschichten." Das Handelsblatt über "Patriarchen"
Kurzbeschreibung:
Träumer, Erfinder, Abenteurer - Himmelsstürmer erobern die Welt
Nach dem fulminanten Erfolg seines Romans "Eine Frage der Zeit" zeichnet Alex Capus die Lebensspuren von zwölf Himmelsstürmern nach - kleine Leute aus einem kleinen Land, die in der großen Welt ihr Glück suchten und ungewöhnliche Taten vollbrachten.
Capus' Helden waren uneheliche Kinder gefallener Dienstmädchen, litten an bösen Stiefmüttern, fixen Ideen und körperlichen Gebrechen, sie mussten Hungersnöte, Kriege und Revolutionen überstehen. Trotzdem - oder gerade deshalb - zogen sie aus, die Welt zu erobern. Das Berner Dienstmädchen Marie Grosholtz erlangte als Madame Tussaud Weltruhm. Der Neuenburger Jean-Paul Marat zettelte mit Danton und Robespierre die Französische Revolution an. Der Aarauer Uhrmachersohn Ferdinand Hassler vergrößerte die USA auf Kosten Kanadas. Ein Berner namens Pauli baute das erste lenkbare Luftschiff der Welt. Ein falscher Arzt namens Meyer befreite Griechenland vom Joch der Türken, und ein Glarner namens Zwicky schoss das erste von Menschenhand geformte Objekt in den Weltraum. Wie immer erzählt Alex Capus spannend und amüsant von Menschen, die zäh, geschickt und unbeirrbar zuversichtlich an ihre Fähigkeiten und Träume glauben, die Zeitläufe nutzen und sich durch Niederlagen und Fehlschläge nicht entmutigen lassen.
Leseprobe:
Ich will nicht behaupten, dass Christoph Kolumbus Schweizer gewesen sei - aber ziemlich sicher bin ich schon. Denn zur gleichen Zeit, da dessen Stammvater aus dem Nichts in Genua auftauchte, hatten am Genfer See die Ritter von Colombey ihre Besitztümer verkauft und waren mit unbekanntem Ziel verschwunden, verdrängt vom ungleich mächtigeren Herzog von Savoyen - und wenig später ließ sich vor den Toren Genuas ein gewisser Giacomo Colombo nieder. Daraus zu schließen, dass es ausgerechnet ein Schweizer gewesen sei, der Amerika entdeckte, ist ein wenig kühn und auf den ersten Blick nicht sonderlich bedeutsam. Hauptsache, Kolumbus hat Amerika entdeckt und uns Zugang zur Tomate, zur Glühbirne und zum Geist der Unabhängigkeitserklärung verschafft. Aber wenn jemand es unternähme, die DNA des Entdeckers, dessen Nachfahren im Dunstkreis der reichen Herzogin von Alba in Madrid leben, mit dem Erbgut der Einwohner Colombeys am Genfer See zu vergleichen, würde ich den Resultaten mit größtem Interesse entgegensehen.
Die Ritter von Colombey lebten vom transalpinen Handel: Seide und Gewürze aus Genua wurden in die Städte des Nordens gebracht, in entgegengesetzter Richtung transportierte man Wolle, Käse, Leder und Eisenwaren. Das Städtchen Olten, in dem ich lebe, liegt an jenem Handelsweg, und die Terrasse des Restaurants "Stadtbad" bietet einen schönen Ausblick auf die Aare, über die viele Jahrhunderte lang die Kähne der Kaufleute hinunter zum Rhein und weiter nach Köln und Amsterdam fuhren. Mag also sein, dass Kolumbus' Ahnen hier in Olten Station gemacht haben und sich im städtischen Bad - also im "Stadtbad", der ältesten Gaststube der Stadt - den Reisestaub vom Leib wuschen.
Wenn diese Terrasse ein Gefährt für Zeitreisen wäre, könnte ich hier allerhand schöne Beobachtungen machen. Ich könnte Bertolt Brecht über den Aareweg gehen sehen, der im Hotel Bornhof eine Nacht verbrachte und über Olten schrieb: "Ein trostloser Ort." Im Herbst 1916 würde ich Lenin sehen, der im Hotel Aarhof die zwei russischen Zahnarztgehilfen des Doktor Siegrist traf, die laut Einwohnerregister gleich neben meinem Haus an der Elsastraße 11 wohnten, vielleicht auch Rosa Luxemburg, die vor der Lastwagenfabrik Berna die Arbeiter aufgestachelt haben soll, und am 20. Juni 1878 Friedrich Nietzsche, der auf der Oltner Froburg das Alpenpanorama betrachtete und sich hernach ins Gästebuch eintrug. Ich sähe die Auswandererkähne auf ihrem Weg nach Le Havre und Amsterdam, dann ein Berner Dienstmädchen namens Marie Grosholtz unterwegs nach London, das als Madame Tussaud weltberühmt werden sollte, oder den zehnjährigen Mozart, der hier im Frühjahr 1766 ein kleines Stück flussaufwärts vorbeikam, und das amerikanische Kampfflugzeug, das im Wald zerschellte, und das Luftschiff Eduard Spelterinis, das hinter dem Engelberg verschwand. Ich sähe napoleonische Soldaten und römische Legionäre, Kreuzritter und Kelten, Langobarden und die weiß bemalten UN-Panzer, die nachts auf Tiefladern der Deutschen Bahn nach Jugoslawien transportiert wurden.
Ich sitze gern hier und schaue hinunter auf den Fluss, und ich liebe mein Städtchen sehr. Aber ich bilde mir nicht ein, dass es sich in irgendeiner Weise auszeichne vor den anderen fünftausend großen und kleinen Städten Europas. Fast jede Stadt liegt an einem Fluss, über den einst Wikinger, Träumer und Himmelsstürmer zogen, und überall hat es uneheliche Kinder gefallener Dienstmädchen gegeben, die an bösen Stiefmüttern, fixen Ideen und körperlichen Gebrechen litten, und zahllos sind die bettelarmen Burschen und Mädchen, die während Hungersnöten, Kriegen und Seuchen ausgezogen sind, die Welt zu erobern. Vielleicht war Kolumbus ja gar nicht Schweizer, sondern Korse, Ostfriese oder Bosnier, das will ich gar nicht ausschließen - jedenfalls nicht, bis die DNA-Analysen vom Genfer See vorliegen.
Wenn ich das Treiben auf meinem Fluss betrachte, kommt es mir vor, als ob hier jeder, den es je gegeben hat, irgendwann vorbeigekommen sei und jeder mit jedem bekannt war oder zumindest jeder einen kannte, der einen kannte, der mit dem anderen zu tun hatte; kommt hinzu, dass wir alle die Enkel unserer Ahnen und die Großeltern unserer Nachfahren sind. Jedenfalls glaube ich fest daran, dass alle Menschen Brüder sind - das ergibt sich allein schon aus der gentechnisch belegten Tatsache, dass sechzehn Millionen heute lebende Männer direkte Nachfahren Dschingis Khans sind, oder dem unleugbaren Umstand, dass meine Tante Nayid - also die Ehefrau des zweitältesten Bruders meines Vaters - eine Urgroßnichte des vorvorletzten Schahs von Persien war; oder aus dem historisch nachweisbaren Faktum, dass ich selbst einmal im Vortrieb des neuen Lötschberg-Eisenbahntunnels mit Prinz Charles ein Schwätzchen gehalten habe. (Er sagte: "It is rather noisy, isn't it?" Und ich antwortete: "It is indeed, Your Royal Highness.") Wir sind alle Brüder und Schwestern, und alles hängt mit allem zusammen, und deshalb ist alles von Bedeutung - die kleinste unserer Taten, die geringste unserer Unterlassungen. Daran glaube ich, und das ist mir ein steter Trost und ein großes Vergnügen.
Olten, auf der Sonnenterrasse des "Stadtbad",
im Februar 2008 Madame Tussaud
Um 1765 konnte man, falls uns niemand angelogen hat, in den Gassen der alten und mächtigen Stadt Bern ein vierjähriges Mädchen namens Marie sehen, das Wäsche zur Aare trug, Brot beim Bäcker besorgte und Brennholz die Treppe hochschleppte. Sie unterschied sich in nichts von den anderen Kindern, die zu Hunderten durch die Kramgasse, die Gerechtigkeitsgasse und die Judengasse wuselten und von denen die meisten bald an Cholera, Tuberkulose, Diphtherie oder schlechter Ernährung sterben würden. Marie aber überstand ihre Kindheit dank Glück, robuster Gesundheit und zärtlicher Fürsorge und lebte ein märchenhaft langes Leben. Sie zog in die Welt hinaus und ging in den prächtigsten Schlössern der Welt ein und aus, schmachtete im finstersten Verlies und entkam, nachdem ihr der Henker schon den Kopf geschoren hatte, nur knapp der Guillotine. Und als sie schließlich hochbetagt starb, war sie weltberühmt als die geschäftstüchtigste Künstlerin aller Zeiten.
Dabei hatte alles ganz schlecht angefangen. Ihre Mutter hieß Anna Walder, war Dienstmädchen in Straßburg und erst siebzehn Jahre alt, als sie ungewollt schwanger wurde, angeblich von einem achtundzwanzig Jahre älteren Frankfurter Söldner namens Joseph Grosholtz, der aber kurz vor der Geburt des Kindes seinen Kriegsverletzungen erlegen sein soll.
Autorenportrait:
Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und arbeitete während und nach seinem Studium als Journalist und Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und bei der Schweizer Depeschenagentur. 1994 verö
Rezension:
"Alex Capus hat einen Sinn für sichere Pointen und zaubert wie ein Impresario der Historie Bilderbögen von Abenteuern und Moritaten. Gutgelaunt macht er Vorschläge zu spannenden Geschichten zwischen Olten und Amerika. In jeder einzelnen aber steckt ein ausgesparter, psychologisch rätselhafter Lebensroman." (NZZ am Sonntag, Literaturbeilage)