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Das Geld der Medici

von Susanne Höbel, Tim Parks (Buch)

  • ISBN:3-442-15526-6
  • EAN:9783442155262
  • Veröffentlichungsdatum:März 2009
  • Gewicht in g:234
  • Reihe:Goldmanns Taschenbücher
  • Seiten:288

Kurzbeschreibung:

Die Geschichte des Aufstiegs der berühmten Medici-Familie und das Geheimnis ihres Reichtums


Die Medici umgibt bis heute der Mythos, eine Dynastie unermesslich reicher und kunstsinniger Herrscher gewesen zu sein, die das moderne Bankwesen erfanden und ihre Heimatstadt Florenz mit den schönsten Werken der Renaissance schmückten. Aber wer waren die Medici wirklich, und was war das Geheimnis ihres Erfolges? Der in Italien lebende britische Romancier Tim Parks entführt den Leser kenntnisreich, lebendig und fesselnd in das Florenz des Mittelalters und lässt ihn teilhaben am legendären Aufstieg dieser einzigartigen Familie und des von ihr eingeführten Bankwesens.



Rezension:

"Eine herausragende, ebenso spannende wie informative Studie über den Aufstieg dieser einzigartigen Familie." Frankfurter Rundschau

Leseprobe:

MIT usura«, so schrieb Ezra Pound,
»hat niemand ein Haus aus gutem Stein jeder Quader glatt geschnitten und wohlgefügt damit ein Muster seine Fläche ziere.«
Mit usura meinte Pound Wucher oder den Verleih von Geld gegen Zinsen. Nicht nur gegen einen exorbitant hohen Zinssatz, wie wir das Wort »Wucher« heute verstehen, sondern gegen Zinsen überhaupt. Er fährt fort:
»mit usura
hat niemand ein gemaltes Paradies an seiner Kirchenwand...
kein Bild gemalt, dass es daure, oder man damit lebe sondern dass es verkauft werde, schnell verkauft mit usura, Sünde wider die Natur.«


In den 1920er Jahren war Pound zu der Überzeugung gelangt, die auch heute noch von vielen geteilt wird, dass das internationale Bankwesen eine Quelle großen Übels sei. Er benutzte das italienische Wort usura, weil die Geschichte in Italien begann. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde über Europa ein Kreditnetz gespannt, das im Norden bis nach London reichte, im Osten bis Konstantinopel, im Westen bis Barcelona und im Süden bis Neapel und Zypern. Im Herzen dieses dunklen Gewebes des Zinskredits lag Florenz. Doch in der gleichen Epoche, und vor allem in dem darauf folgenden Jahrhundert, brachte die toskanische Stadt das Beste an Gemälden und Architektur hervor, das die Welt je gesehen hatte. Nie wurden Steinquader glatter geschnitten, nie wurden schönere Paradiesszenen auf Kirchenwände gemalt. Besonders in der Familie der Medici waren die beiden Phänomene — modernes Bankwesen und unübertroffene Kunst — eng verknüpft und befruchteten sich gegenseitig. Offenbar hat Pound sich geirrt. Mit usura, dem verzinsten Kredit, haben wir nichts Geringeres als die Renaissance.
Dieses Buch vermittelt einen kurzen Einblick in die Geschichte der Familie Medici im 15. Jahrhundert; es behandelt ihre Bank, ihre Politik, ihre Ehen, ihre Sklaven und Mätressen, die Verschwörungen, die sie überlebten, die Häuser, die sie erbauten, die Künstler, die sie förderten. Im Verlauf des Buches soll gezeigt werden, wie sehr die Geschichte der Medici uns Aufschluss über unser heutiges Verständnis von der Beziehung zwischen Hochkultur und Kreditkartenwesen geben kann und inwiefern sich unser anhaltendes Misstrauen gegenüber dem internationalen Finanzwesen und dessen Verquickung mit Religion und Politik daraus ableiten lässt.
Die Geschichte ist kompliziert. Es gilt, fünf Generationen zu betrachten. Es ist wichtig, sich von Anfang an die wichtigsten Namen und Daten sowie die allgemeine Zielrichtung der Betrachtung klar zu machen.
Die Bank wird 1397 gegründet und bricht 1494 zusammen. Leider wird es keine Hundertjahrfeier geben. Giovanni di Bicci de'Medici gründet sie. Das heißt: Giovanni, der Sohn des Bicci (unerklärlicher Spitzname für Averardo) aus
Giovanni di Bicci De'Medici. Als Begründer der Bank riet Giovanni seinen Kindern: »Meidet das Auge der Öffentlichkeit«, als ahnte er bereits die Gefahren, die aus einer Verquickung von Politik und Finanzwesen erwachsen konnten.
Giovanni wird 1360 geboren und ist für die anfängliche Expansion der Bank sowie für die Schaffung des speziellen Medici-Stils verantwortlich. Er ist vernünftig und steckt den Kopf tief in die florierenden Geschäftsbücher, bevor er 1429 aus dem Leben scheidet. »Meidet das Auge der Öffentlichkeit«, rät er seinen Kindern auf dem Sterbebett.
Cosimo di Giovanni de'Medici verstößt irgendwann gegen diesen Rat, weswegen er später unter dem Namen Cosimo Pater Patriae, Vater des Vaterlands, bekannt und verehrt wird. Seine Lebensdaten sind 1389 bis 1464; von unseren fünf reichen Männern lebt er also am längsten. Nachdem er eine kurze Zeit erst im Gefängnis, dann in der Verbannung überlebt hat, führt er die Medici-Bank zu ihrer größten Expansion und in ihre beste Gewinnphase und tritt entschlossen ins politische Leben ein, bis es ihm gelingt, die fast uneingeschränkte Führung des Stadtstaats zu übernehmen. Er ist mit Philosophen, Architekten und Malern befreundet, er ist Schutzherr der Künste und Förderer vieler Kunstwerke für die Öffentlichkeit. Bei seinem Tod ist die Bank schon im Niedergang begriffen, von dem sie sich nicht mehr erholen soll.
Piero di Cosimo de'Medici wurde als Piero il Gottoso, Piero der Gichtige, bekannt. Viele der männlichen Mitglieder der Familie Medici litten an der Gicht, einer Erbkrankheit, der Arthritis ähnlich, bei der es zu einer schmerzhaften und letztlich chronischen Entzündung der Gelenke kommt. Wenn der unschöne Spitznamen an Piero hängenblieb, dann nur deshalb, weil er seinen Vater nicht lange genug überlebte, um für andere Dinge bekannt zu werden. Ihm ist es jedoch zu danken, oder auch vorzuwerfen, dass er ein Nachfolgeprinzip einrichtete, wo es keins hätte geben sollen. Als rechtmäßiger Erbe stand Piero der Medici-Bank vor, doch gab es laut
Verfassung keinen Grund, warum er Cosimos Position als Schlüsselfigur im florentinischen Stadtstaat hätte übernehmen sollen. Gebrechlich, bettlägerig und übellaunig, handelte er dennoch entschlossener und effektiver als seine republikanischen Feinde. Er war 1416 geboren und hielt das Zepter gerade mal fünf Jahre in der Hand, von 1464 bis 1469, bevor er das riesige Familienvermögen 1469 mehr oder weniger vollständig seinem ältesten Sohn hinterließ.
Lorenzo sollte als IlMagnifico, der Prächtige, bekannt werden. Von »Meide das Auge der Öffentlichkeit« kann nun keine Rede mehr sein. Als er mit knapp zwanzig Jahren ins Rampenlicht tritt, steckt er sein Vermögen in Bereiche außerhalb von Handel und Finanzen und leitet dadurch den nun unaufhaltsamen Niedergang der Familienbank ein. Wie sein Vater und sein Großvater vor ihm übersteht Lorenzo eine größere Verschwörung unbeschadet und beweist erhebliches Geschick in der politischen Manipulation. Im Unterschied zu seinen Altvordern jedoch strebt er den Sprung in die Aristokratie an, schreibt Gedichte (gute Gedichte) und versucht kaum zu verhehlen, dass er sich zum Diktator berufen fühlt. Im Alter von 43 Jahren ist er wegen der Gicht nicht mehr in der Lage, seiner molligen Mätresse einen Besuch abzustatten, und erliegt schließlich 1492 seinen diversen Krankheiten.
Der Letzte der fünf, Piero di Lorenzo, sollte schon bald als Piero lo Sfortunato, der Glücklose, bekannt werden. Die künstlerischen Leistungen und aristokratischen Ambitionen seines Vaters waren Anlagen, die sich offenbar weniger leicht übertragen ließen als das riesige, inzwischen drastisch reduzierte Geldvermögen seines Urgroßvaters. Piero, 1472 geboren, besaß ein einziges Talent, nämlich eine Begabung für das florentinische Fußballspiel, mit dem Ergebnis, dass seine zwei Jahre als Familienvorstand lediglich eine unglückliche Parodie der weit effektiveren Winkelzüge seines Vaters waren. Er floh, vielleicht ganz ohne Not, aus Florenz, als sich 1494 französische Truppen der Stadt näherten.

Autorenportrait:

Tim Parks wurde 1954 in Manchester geboren, wuchs in London auf und studierte in Cambridge und Harvard. Seine Romane wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem "Somerset Maugham Award". Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist er a

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