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Von der Weisheit der Märchen

von Susanne Stöcklin-Meier, Anita Kreituse (Buch)

  • ISBN:3-466-30802-X
  • EAN:9783466308026
  • Veröffentlichungsdatum:April 2010
  • Gewicht in g:750
  • Seiten:256

Kurzbeschreibung:

Die Weisheit der Märchen für Kinder von heute: Werte erleben mit Märchen und Geschichten


Märchen sind Seelennahrung. Unabhängig von Ort und Zeit, in der sie entstanden sind, transportieren sie eine zentrale Weisheit: Es lohnt sich, anderen zu helfen und sich für das Gute einzusetzen. Märchen eignen sich daher ideal, um Kindern Werte näherzubringen.
Susanne Stöcklin-Meier, die bekannte Pädagogin, Bestseller-Autorin und Expertin für Werte-Erziehung, hat wunderschöne Märchen aller Kulturkreise zusammengetragen. Mit den alltagsnahen Spiel- und Gesprächsideen zu jeder Geschichte können Kinder Werte konkret erfahren und erleben.



Leseprobe:

Mit Märchen und Geschichten Werte entdecken


Kinder brauchen Regeln und Werte: Sie geben ihnen Klarheit, Schutz und Sicherheit. Sie ermöglichen ein Zusammenleben in einer Gesellschaft, in der alle gut miteinander auskommen können. Kinder, die in einem sozialen Umfeld mit überschaubaren Grenzen aufwachsen, haben erwiesenermaßen weniger Angst. Sie entwickeln mehr Vertrauen in sich und ihre Umwelt. Sie werden durch die täglichen Auseinandersetzungen mit den Familien-, Kindergarten- und Schulregeln auf eine gute Weise konfliktfähig. Aus den in der Kleinkindzeit erworbenen Wertvorstellungen entsteht das Fundament ihres späteren Weltbildes, ihrer Wertewelt schlechthin. Das funktioniert jedoch nur, wenn Eltern und Erziehende sich dieser Herausforderung einer sinnvollen Wertevermittlung stellen. Wegen der heutigen Vielfalt an möglichen Wertorientierungen ist es besonders wichtig, dass Sie sich selbst darüber klar werden, welche Werte Ihnen wichtig sind. Auch dafür ist das Vorlesen und Erzählen dieser Sammlung eine gute Gelegenheit: Welche Werte der Geschichten haben für Sie hohe Priorität, welche vielleicht eine weniger hohe?
Wir sollten uns auch darüber im Klaren sein, dass Kinder Werte weniger darüber lernen, was wir sagen, sondern vor allem darüber, wie wir, die Erwachsenen, uns verhalten. Und wenn wir ehrlich sind, klafft zwischen unserem Reden und unserem Tun manchmal eine ziemliche Lücke. Wir schimpfen z.B. die Kinder, wenn sie streiten, und sind dabei oft genau so unfreundlich und laut, wie wir es den Kindern vorwerfen. Doch einen respektvollen Umgang miteinander lernen Kinder nicht, indem wir sie ermahnen, respektvoll zu sein, sondern indem wir ihnen Respekt vorleben. Das ist sicher immer wieder ein weites Übungsfeld für uns alle.
Damit Werteerziehung nicht bei gut gemeinten Appellen stehen bleibt, muss sie also konkret, praktisch und lebensnah werden. Märchen und Geschichten eignen sich gut dafür, weil die Kinder dort anhand der Märchenfiguren die Konsequenzen erleben können, wenn man sich auf eine bestimmte Weise verhält. Auf uns Erwachsene mögen viele der klassischen Märchen manchmal holzschnittartig wirken: Das herzensgute, fleißige Mädchen ist am hübschesten und darf am Schluss den Prinzen heiraten, die faule Stiefschwester ist hässlich und wird bestraft. Aus unserer Lebenserfahrung wissen wir, dass die Welt oft komplexer ist. Kinder sind jedoch gerade erst dabei, bestimmte Zusammenhänge zu erkennen. Die häufig schwarz-weiß aufgebaute Welt der Märchen hilft ihnen, sich zu orientieren.


Erzählen unter dem Wertebaum


In meinem Buch Was im Leben wirklich zählt — Mit Kindern Werte entdecken stellte ich mir die Grundwerte »Wahrheit«, »Rechtes Handeln«, »Frieden«, »Liebe« und »Gewaltlosigkeit« als großen Baum vor. Diese fünf Werte bilden die Wurzeln, den Stamm und die Äste. Die Blätter des Baumes entwickelten sich in meiner Vorstellung aus den Teilaspekten der Werte. Wahrheit ist vielleicht zu beobachten als Realitätssinn, Mut, Ehrlichkeit und Authentizität. Rechtes Handeln lernt man nur durch Unterscheidungsvermögen, indem wir in uns hineinhören und die Frage beantworten: Was ist richtig oder falsch? Frieden im Alltag erfahren wir etwa als sich versöhnen, innere Stille, Geduld, Zufriedenheit, Verständnis oder Toleranz. Liebe zeigt sich manchmal auch als Herzenswärme, Geborgenheit, Zärtlichkeit, Zuneigung, Mitgefühl oder Freundschaft. Gewaltlosigkeit erleben wir als Ehrfurcht vor dem Leben.
Damit dieser Wertebaum für Kinder lebendig und spielerisch erfahrbar wird, habe ich damals versucht, möglichst viele praktische Anregungen für den Alltag und das Zusammenleben in der Familie, im Kindergarten und in der Grundschule aufzuzeigen. Diese fünf menschlichen Werte sind ethische Grundbedürfnisse, die für Kinder und Erwachsene wichtig sind: Sie bilden eine gute Basis für das Zusammenleben, privat und im sozialen Miteinander. Leserinnen und Leser haben Was im Leben wirklich zählt — Mit Kindern Werte entdecken gut aufgenommen. Der praktische Werteratgeber erwies sich als echte Hilfe für den Kinderalltag. Er hat in kurzer Zeit zehn Auflagen erreicht, wurde über fünfzigtausend Mal im deutschsprachigen Raum verkauft und in mehrere Sprachen übersetzt.
Ich stellte mir damals beim Schreiben vor: Je öfter ich mich - symbolisch gesprochen - unter den Wertebaum setze und in seinem Schatten Schutz suche, den Wind in den Blättern beobachte, den zwitschernden Vögeln zuhöre, desto mehr Kraft spendet er mir. Ich kann hier zur Ruhe kommen, in mich hineinhören und versuchen herauszufinden, wer ich bin, woher ich komme und was ich will. Unter dem Wertebaum treffe ich mich mit der Familie, mit Freunden, Nachbarn, mit der Kindergartengruppe, Schulkameradinnen und -kameraden, zum Geschichten erzählen, zuhören, Musik machen, singen, tanzen und spielen.
Dieses Wertebaum-Bild hat mich zu der vorliegenden Sammlung angeregt. Hier hängen die Blätter nicht als Teilaspekte und Spielanregungen am Baum, sondern als Geschichten. Meine Erfahrung ist, dass gut gewählte Geschichten oft mehr zum Denken anregen als ein direkter Tipp oder Rat. Wenn der Wind in den Blättern des Wertebaumes spielt, hören wir ein Murmeln, das uns in die »Anderswelt« trägt mit den Worten:


»Es war einmal ...«
»In alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat ...« »Als die Erde noch jung war und die Berge noch wanderten ...« »Und sie lebten lange glücklich und zufrieden ...« »Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.«


Die Wurzeln des Geschichtenbaums gründen in den Traditionen der verschiedenen Familien, sie kommen von vielen Völkern, Erdteilen, Sprachen, Wertvorstellungen und Religionen. Der Stamm ist der lebendige Erzählstrom vieler Eltern, Großeltern, Erziehenden, MärchenerzählerInnen und natürlich aller Märchen-, Geschichten- und Bilderbücher dieser Erde. Die Äste symbolisieren die fünf Grundwerte: Wahrheit, Rechtes Handeln, Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit.
In der vorliegenden Sammlung habe ich alte und neue Geschichten zusammengetragen, die diese Werte oder Aspekte klar übermitteln. Sie treten uns hier in folgenden Formen zum Erzählen entgegen:


Volksmärchen Märchen aus aller Welt
Kunstmärchen
Fabeln
Biblische Geschichten
Alltagsgeschichten
Schülergeschichten
Kinderaussagen
Sprichwörter


Märchen und Geschichten leben von der Erzählsituation. Diese zeichnet sich besonders dadurch aus, dass zwischen Erzähler und Zuhörer ein Kontakt entsteht, der Gemeinschaftsgefühl und Geborgenheit vermittelt und darüber hinaus eine harmonische Atmosphäre schafft, der gerade im Zusammenleben mit Kindern große Bedeutung zukommt. Diese verschiedenen Erzählformen eignen sich hervorragend, um für Kinder Wertvorstellungen nachhaltig zu transportieren. Die Erzählungen werden von den kleinen Zuhörern mit allen Sinnen aufgenommen, spielerisch erlebt und in den Alltag integriert. Solange die Erzähltradition lebendig bleibt, bewahrheitet sich das Sprichwort:


Märchen werden so lange leben, solange es noch Erzähler gibt, die Zuhörer finden.


VOLKSMÄRCHEN
In Volksmärchen sind weises Wissen und allgemeingültige menschliche Werte verborgen. Sie laufen wie ein goldener Faden durch alle Kulturen und Zeiten. Diese Geschichten sind sehr alt und wurden über Generationen hinweg mündlich überliefert. Sie stammen von keinem eindeutig feststellbaren »Autor«. Im deutschsprachigen Raum wurden die meisten Volksmärchen im 19. Jahrhundert gesammelt und aufgeschrieben, von Ludwig Bechstein etwa oder von Jacob und Wilhelm Grimm. Die Sammlung der Brüder Grimm hat sich schnell verbreitet, wurde viel gelesen und weitererzählt. Zum Glück haben die beiden Märchensammler diese wunderbaren Geschichten aufgeschrieben, bevor sie in Vergessenheit gerieten. Ihre Märchensammlung wurde weltberühmt. Sie erfreut bis heute viele Kinder und Erwachsene. Ihre geheimnisvollen Geschichten berühren die Seele und lassen die Herzen höher schlagen. Die Sammlung entstand zwischen 1812 und 1815 und trägt den Titel »Kinder- und Hausmärchen«.

Autorenportrait:

Susanne Stöcklin-Meier ist eine der bekanntesten Pädagoginnen im deutschsprachigen Raum mit über einer Million verkauften Büchern. Sie lebt in Diegten bei Basel.

19,95* EUR