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SPQR XIII. Die Feinde des Imperators

von Velten Arnold, John Maddox Roberts (Buch)

  • ISBN:3-442-45686-X
  • EAN:9783442456864
  • Veröffentlichungsdatum:Dezember 2008
  • Gewicht in g:287
  • Reihe:Goldmanns Taschenbücher
  • Seiten:352

Beschreibung:

Der neue historische Kriminalroman aus der beliebten SPQR-Serie Gaius Julius Caesar hat einen monumentalen Plan: Er möchte den Kalender im ganzen Imperium reformieren und hat dafür Wissenschaftler aus der gesamten bekannten Welt in Rom versammelt. Mit Feuereifer machen sich die Astronomen an die Arbeit ? bis einer von ihnen stranguliert aufgefunden wird. Als weitere Mordopfer folgen, bangen die verbleibenden Wissenschaftler um ihr Leben. Decius Caecilius Metellus muss mit viel Fingerspitzengefühl ermitteln ? denn die Spuren, denen er folgt, sind delikat ? "Wenn jemals ein Detektiv in der alten Welt der Figur des Sherlock Holmes gleichkommt, dann dieser Römer!" Marion Zimmer Bradley "Eine zu Recht gerühmte Krimiserie." Publishers Weekly "Der junge Decius Caecilius Metellus hat eine Nase für die erstaunlichen kriminellen Energien, die damals Geschichte machten." Süddeutsche Zeitung

Kurzbeschreibung:

Der neue historische Kriminalroman aus der beliebten SPQR-Serie


Gaius Julius Caesar hat einen monumentalen Plan: Er möchte den Kalender im ganzen Imperium reformieren und hat dafür Wissenschaftler aus der gesamten bekannten Welt in Rom versammelt. Mit Feuereifer machen sich die Astronomen an die Arbeit - bis einer von ihnen stranguliert aufgefunden wird. Als weitere Mordopfer folgen, bangen die verbleibenden Wissenschaftler um ihr Leben. Decius Caecilius Metellus muss mit viel Fingerspitzengefühl ermitteln - denn die Spuren, denen er folgt, sind delikat ...



Leseprobe:

An unserem Kalender war nichts auszusetzen. Das sah ich so, und das römische Volk sah es auch so. Aber Caius Julius Caesar war anderer Meinung, und er war Diktator, und damit war die Sache erledigt. Er war außerdem Pontifex maximus und somit für den römischen Kalender zuständig, und genau dies war eines seiner Lieblingsprojekte. Als Diktator kann man sich nach Lust und Laune seinen Lieblingsprojekten, Hobbys und so weiter hingeben, und wenn irgendjemand einem das Recht bestreitet, dies zu tun, kann man ihn töten lassen. Nicht dass Caesar wegen so einer unbedeutenden Sache irgendjemanden hätte töten lassen. Ganz im Gegenteil. Er begnadigte Menschen, die es unbedingt verdient hatten, hingerichtet zu werden, und er hätte noch etliche Jahre länger gelebt, wenn er einfach nur ein paar Männer hätte töten lassen, die zu töten oder ins Exil zu schicken ich höchstselbst ihm geraten habe. Doch er hat es nicht getan. Dieser Mangel an Weitsicht hat ihn das Leben gekostet.
So war Caesar. Jederzeit freudig bereit, zur Mehrung des Ruhmes Roms oder, besser gesagt, zur Mehrung seines eigenen Ruhms ganze Reiche von Barbaren auszulöschen, doch immer sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, römische Bürger hinrichten zu lassen, selbst solche, die sich unzweifelhaft als seine Feinde erwiesen hatten.
Stattdessen begnadigte er jene, die die Waffen gegen ihn erhoben hatten, ließ Exilierte heimkehren und hätte sogar Cato wieder in Amt und Würden gesetzt, wenn dieser nur bereit gewesen wäre, Caesars Vorrangstellung anzuerkennen.
Aber zurück zum Kalender. Caesar war der Herr der Welt, doch eines der Probleme, die damit einhergehen, wenn man die Welt erobert, besteht darin, dass die Eroberung der Welt einen von anderen Aufgaben ablenkt. Als Pontifex maximus gehörte es zu Caesars Aufgaben, unseren Kalender in Ordnung zu halten. Zu jener Zeit, als er Diktator war und nur noch eine sehr kurze Zeit zu leben hatte (auch wenn er es nicht wusste), war der Kalender in eine furchtbare Unordnung geraten und stimmte überhaupt nicht mehr mit den natürlichen Jahreszeiten überein. Es war, als ob wir drei Monate verloren hätten. Wir begingen die rituellen Feiern zur Wintersonnenwende im späten Herbst. Wir opferten das Oktoberpferd mitten im Sommer. Jahreszeiten und rituelle Feiern und Opfer schienen einfach nicht mehr miteinander im Einklang zu stehen, und das brachte uns vor den Göttern in Misskredit.
Caesar griff in der für ihn typischen Weise zu einem drastischen Mittel, um in dieser Situation Abhilfe zu schaffen. Er hatte die Absicht, uns einen komplett neuen Kalender zu verpassen. Und nicht nur das, sondern zudem auch noch einen, der von Ausländern entworfen werden sollte. Es war vor allem jener letztere Umstand, der dem römischen Volk zu schaffen machte. Die Römer waren es gewohnt, von unseren Priestern und Magistraten Anweisungen entgegenzunehmen. Von einem Haufen Chaldäern und Ägyptern erzählt zu bekommen, wie sie ihren Verpflichtungen gegenüber den Göttern nachzukommen hatten, war unerträglich.
Doch wie ich bald feststellen musste, gab es weitaus schlimmere Verwicklungen, die diese längst überfällige Reform mit sich bringen sollte.
»Decius Caecilius!«, rief Caesar. Ich eilte zu ihm, um zu sehen, was er wollte. Es hatte eine Zeit gegeben, in der kein Senator überstürzt losgeeilt war, um zu sehen, was ein anderer Römer wollte. Doch diese Zeit war vorbei. Caesar war - bis auf die formelle Bezeichnung - in jeder Hinsicht ein König. Also stürmte ich zu ihm.
»Caius Julius?«, fragte ich. Wir befanden uns in der Domus publica, jenem Haus auf dem Forum, das aufgrund Caesars Funktion als Pontifex maximus und Aufseher der Vestalinnen sein offizieller Wohnsitz war.
»Decius, ich habe vor, eine bedeutsame Änderung durchzuführen. Und ich möchte dir die Umsetzung dieser Angelegenheit übertragen.«
»Selbstverständlich, Caesar«, erwiderte ich, »vorausgesetzt natürlich, es handelt sich nicht um etwas, das dazu angetan ist, mich das Leben zu kosten.«
»Warum sollte es das?«, wollte er wissen.
»Na ja, Caius Julius, im Laufe der vielen Jahre, die wir uns inzwischen kennen, hast du mich in mehr Situationen hineingezogen, die mich das Leben hätten kosten können, als ich auf die Schnelle zusammenbekomme. Ich könnte mit Gallien anfangen, aber das wäre ein ziemlich willkürlicher Punkt, um mit der Aufzählung zu beginnen ...«
»Diesmal geht es um nichts dergleichen«, versicherte er mir. »Es geht nur um eine unbedeutende Angelegenheit, die den Kalender betrifft.«
»Caius Julius«, entgegnete ich, »bei deiner ersten Erwähnung der Angelegenheit hast du das Wort>bedeutsamunbedeutend»Damit wollte ich nur sagen, dass meine Kalenderreform zwar von großer Tragweite sein wird, deren Auswirkungen bis in alle Zukunft zu spüren sein werden, aber die Einführung des neuen Kalenders ist eine bloße Routineangelegenheit.«
Das hörte sich schon besser an. Ich ziehe es von Natur aus vor, wenn die Dinge so einfach sind wie nur irgend möglich. »Worin genau besteht denn meine Aufgabe?«
»Sosigenes hat die Oberaufsicht über das ganze Vorhaben, und du wirst mit ihm zusammenarbeiten.«
Sosigenes war Kleopatras Hofastronom und genoss allgemein den Ruf, der bedeutendste Sterngucker der ganzen Welt zu sein. Er war Leiter der Schule der Astronomie des Museions von Alexandria. Mit »Sosigenes hat die Oberaufsicht« meinte Caesar vermutlich, dass das Vorhaben von Anfang bis Ende seines sein würde. Das sollte mir nur recht sein. Ich kannte den kleinen Griechen seit vielen Jahren, und wir kamen bestens miteinander aus. Caesar hingegen war ein Mann, mit dem der Umgang immer ziemlich schwierig war.
»Ich kenne ihn gut. Wo finde ich ihn?«
»Ich habe den Astronomen im Tempel des Aesculapius Diensträume einrichten lassen. Ich möchte, dass du dich dorthin begibst. Sosigenes wird dir das Vorhaben erklären, und dann kannst du selber entscheiden, ob du Gehilfen benötigst, die dich unterstützen.«
»Die mich wobei unterstützen?«
Er machte eine wegwerfende Handbewegung. »Bei dem, was auch immer getan werden muss.«
Das klang nicht gut, aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie die Einführung eines neuen Kalenders Anlass für größere Schwierigkeiten sein sollte.
Nun, ich sollte mir sehr bald bewusst werden, wie beschränkt mein Vorstellungsvermögen war.
Der auf der Tiberinsel gelegene Tempel des Aesculapius ist einer der ganz besonderen Orte Roms und das Ziel aller Kranken und Besucher der Stadt. Der Tempel selbst ist wunderschön, und die Insel ist einzigartig wie ein Schiff geformt. Ich habe mich schon immer gefragt, wessen Idee das gewesen sein mochte. Ich traf auf der Insel auf einen Priester und fragte ihn, wo ich die Astronomen finden könne.
»Diese Alexandrier?«, schnaubte er verächtlich. Er trug ein weißes Gewand und ein silbernes Band um die Schläfen. »Der Diktator hat ihnen auf der stromabwärts gelegenen Seite Quartiere zugewiesen.«
»Du scheinst ihre Anwesenheit zu missbilligen«, stellte ich fest.
»Nicht nur ihre Anwesenheit - ihr ganzes Vorhaben. Es kann nichts Gutes dabei herauskommen, unseren überlieferten Kalender zu verändern. Das ist genau jene Art von Anmaßung, die das Missfallen der Götter heraufbeschwört. Und es ist eine Beleidigung unserer Vorfahren, die uns unseren Kalender hinterlassen haben.«
»Ich verstehe auch nicht, was das Ganze soll«, vertraute ich ihm an. »Aber im Gegensatz zu Caesar bin ich nicht Diktator. Und sich mit dem Herrn der Welt anzulegen ist nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich.«
»Da dürftest du wohl recht haben«, murmelte er.
Am stromabwärts gelegenen Ende der Insel stellte ich fest, dass ein Innenhof, der einst als Veranstaltungsort für Vorträge genutzt worden war, in ein kleines Observatorium verwandelt worden war - in eine Miniaturausgabe jenes riesigen Observatoriums, das ich im Museion von Alexandria gesehen hatte.

Autorenportrait:

John Maddox Roberts, 1947 in Ohio geboren, machte sich zunächst als Autor zahlreicher Science-Fiction-Romane einen Namen. Sein erster historischer Kriminalroman "SPQR" wurde 1991 für den Edgar Allan Poe Award nominiert und war der Beginn einer Serie ausge

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