Beschreibung:
Ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht zwischen Exotik, Mystik und Alltag ? ebenso faszinierend wie bewegend Mit 43 Jahren ließ Hanne-Lore Heilmann alles hinter sich, um im Dschungel von Borneo einen Schamanen zu heiraten. Als die erfolgreiche Journalistin Hanne-Lore Heilmann 1998 für eine Story nach Borneo reist, ahnt sie nicht, wie sehr diese Reise ihr Leben verändern wird. Sie begegnet Chef de Mulu, einem Dschungelführer und Schamanen von einem Stamm einst gefürchteter Kopfjäger. Sie verliebt sich in ihn, erkundet mit ihm sein Land und entdeckt eine Kultur, die ihr tiefen inneren Frieden schenkt. Doch eine gemeinsame Existenz in Asien scheitert, und die beiden finden erst nach vielen Kämpfen einen Platz für sich und ihre Tochter. Die Autorin erzählt die Geschichte einer großen Liebe und eines Abenteuers zwischen Magie, Fremdheit und Lebenskunst. "Ich habe immer gespürt, dass wir in einer auch geheimnisvollen Welt leben, in der unerklärliche Dinge geschehen. Wenn man sich darauf einlässt, wird das Leben reicher, aber auch schwieriger." Hanne-Lore Heilmann "Eine faszinierende Geschichte." BILD "Spannender Erfahrungsbericht." Fernsehwoche
Kurzbeschreibung:
Ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht zwischen Exotik, Mystik und Alltag - ebenso faszinierend wie bewegend
Mit 43 Jahren ließ Hanne-Lore Heilmann alles hinter sich, um im Dschungel von Borneo einen Schamanen zu heiraten.
Als die erfolgreiche Journalistin Hanne-Lore Heilmann 1998 für eine Story nach Borneo reist, ahnt sie nicht, wie sehr diese Reise ihr Leben verändern wird. Sie begegnet Chef de Mulu, einem Dschungelführer und Schamanen von einem Stamm einst gefürchteter Kopfjäger. Sie verliebt sich in ihn, erkundet mit ihm sein Land und entdeckt eine Kultur, die ihr tiefen inneren Frieden schenkt. Doch eine gemeinsame Existenz in Asien scheitert, und die beiden finden erst nach vielen Kämpfen einen Platz für sich und ihre Tochter.
Die Autorin erzählt die Geschichte einer großen Liebe und eines Abenteuers zwischen Magie, Fremdheit und Lebenskunst.
Leseprobe:
Die Maschine senkte sich zum Anflug. Der süßlich-modrige Duft Südostasiens mischte sich im Flugzeug mit dem Lunch-Geruch von Curry und Huhn in Aluschalen. Die kleinen ovalen Fenster der Boeing gaben den Blick frei auf eine Ebene aus grün-braunen Feldern, verstreuten winzigen Hütten und einzelnen grauen Straßen, dünn wie Bindfäden. Dahinter zeichneten sich die Umrisse von Kuching ab, der Stadt der Katzen und Hauptstadt des malaysischen Staates Sarawak auf Borneo. Begrenzt wurde die Ebene durch sanfte grüne Hügel, auf denen der älteste tropische Regenwald der Welt wächst. Durch das Bild quälte sich wie eine fette braune Schlange der Sarawak River. Alles war in das grelle, fast weiße Licht der Mittagssonne getaucht. Man ahnte die Hitze, ohne eine Vorstellung von ihrer äquatornahen, gnadenlosen Kraft zu haben.
Bei der Landung flimmerte die Luft wie in einem schlechten Abenteuerfilm. Als ich auf die Gangway trat, stockte mir der Atem. Die feuchte Hitze legte sich wie ein Sack auf meine Brust und umschlang mich wie ein hundertarmiger Krake, zwang mir das Ende der Eile auf. Nur noch wenige Schritte, und ich wäre das erste Mal auf Borneo. Wenn ich damals gewusst hätte, wie diese Insel mein Leben verändern würde - hätte ich ihren Boden geküsst oder verflucht? Je nachdem, wann man mir in den nächsten Jahren diese
Frage gestellt hätte, wäre meine Antwort anders ausgefallen. Eines wusste ich damals jedoch mit Sicherheit nicht: Wie nahe Segen und Fluch beieinander liegen und wie weit Liebe und Hass voneinander entfernt sind.
Als ich an jenem Sonntag im Februar 1998 auf Borneo landete, hatte ich fast auf die Minute genau eine vierundzwanzigstündige Reise hinter mir. Ich lebte damals in Berlin und war bei der Tageszeitung Die Welt als stellvertretende Redaktionsleiterin der Berlin-Ausgabe beschäftigt. Der Trip nach Borneo war eine Dienstreise, auch wenn ich dafür Urlaub nehmen musste. Denn bei diesen von Journalisten als »Lustreisen« bezeichneten Recherchen handelte es sich immer um Einladungen, entweder von Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften oder Hotels, häufig auch in Zusammenarbeit der einzelnen Unternehmen. Zu solchen Reisen werden meist sechs bis acht Journalisten gebeten, man präsentiert ihnen das jeweilige Land von seiner besten Seite und erwartet einen schönen Artikel, der sozusagen aus Dankbarkeit für den Gratisaufenthalt der Spitzenklasse bitte recht freundlich auszufallen hat. Die Einladungen werden in den Redaktionen auch an die Mitarbeiter vergeben, die nicht zum Reiseressort gehören, damit jeder mal in den Genuss einer netten Reise kommt.
Diesmal durfte ich mitreisen, und es war nicht meine erste Pressereise. Doch anders als bei den vorherigen hatte ich mich aus Zeitgründen nicht vorbereiten können. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo Borneo überhaupt lag. Ein rascher Blick in den Atlas vermittelte mir wenigstens die groben Koordinaten: Insel im Südchinesischen Meer, inmitten des Indonesischen Archipels, wobei Sarawak, jener Teil von Borneo, wo ich soeben gelandet war, zu
Malaysia gehört. Was ich damals nicht wusste, war, dass Borneo - nach Grönland und Neuguinea - mit 743 122 Quadratkilometern die drittgrößte Insel der Welt ist; dass nur hier und auf der benachbarten Insel Sumatra die letzten, vom Aussterben bedrohten Orang-Utans leben; dass auf Borneo der älteste tropische Regenwald der Welt wächst; dass auf dieser Insel drei verschiedene Länder vereint sind: die zu Malaysia gehörenden Staaten Sarawak und Sabah, das indonesische Kalimantan und das Sultanat Brunei; und dass hier, gleich in der Nähe des Äquators, das für Europäer am schwersten zu verkraftende Klima herrscht, mit Temperaturen von bis zu über 40 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent. Sitzt man in einem Raum ohne Klimaanlage, rinnt einem bereits der Schweiß den Körper runter, ohne dass man auch nur eine Kaffeetasse zum Mund geführt hätte. Selbst wenn man, wie ich später, als Europäer auf Borneo lebt, wird man sich an dieses Klima nie gewöhnen, sondern sich nur damit abfinden können.
Dass ich mich vor Reiseantritt über diesen letzten Punkt so wenig informiert hatte, erschien mir jetzt, als ich aus der Maschine auf die Gangway trat und die Hitze mich wie eine unsichtbare Mauer umschloss, als mein größter Fehler. Ganz selbstverständlich war ich davon ausgegangen, dass dieser Trip eine Art Fortsetzung desjenigen sein würde, den ich drei Monate vorher in Hongkong genossen hatte. Da wohnten wir im sündhaft teuren »Regent Hotel« in Kowloon mit Hafenblick, speisten in den besten Restaurants und wurden in einem klimatisierten Kleinbus umhergefahren. Es herrschten angenehme 22 bis 24 Grad, man konnte abends sogar gut einen leichten Schal um die Schultern vertragen. Den hatte ich jetzt auch im Koffer, zusammen mit so wichtigen Dingen wie hohen Pancaldi-Sandaletten, weißen Tod's, Trussardi-Jeans, Escada-Seidenkleidern und einer grauen Kaschmirjacke, falls es mal ein bisschen kühler werden sollte. Alles Sachen, die man auf Borneo wirklich nicht braucht, wie ich rasch feststellte. Wer dorthin reist, sollte nur das mitnehmen, was er eigentlich schon längst wegschmeißen wollte: ausgeleierte T-Shirts, bei denen es nichts ausmacht, wenn sie nach einer Viertelstunde durchgeschwitzt sind; ausgelatschte flache Sandalen, in denen auch von der Hitze geschwollene Füßen genug Platz finden, und papierdünne, weite Hosen oder Röcke, die nicht wie eine zweite heiße Haut am Körper kleben.
So sehr ich mich heute im Rückblick über meine Ankunft auf Borneo amüsiere, so sehr verblüfft es mich, mit welcher Zwangsläufigkeit in meinem Leben auf diese Reise hingearbeitet wurde. Alle wichtigen Entscheidungen scheinen, während ich sie immer in anderen Zusammenhängen sah, doch nur ein Ziel gehabt zu haben: dass ich an jenem Sonntagmittag in Kuching landete. Heute frage ich mich manchmal, ob das Leben nicht ein ironisches Spiel mit einem treibt und einem den fehlenden Weitblick wie einen Narrenspiegel vorhält. Oder verbirgt uns eine höhere Macht zunächst die Bedeutung der wirklich wichtigen Momente, damit wir nicht aus Angst vor den Folgen das Ruder herumreißen und den bequemeren, aber weniger erkenntnisreichen Weg gehen?
So weit dachte ich bei meiner Ankunft allerdings nicht. Ich stellte eigentlich nur recht nüchtern fest: Es war affenheiß, der Boden schien nach dem langen Flug wie Schiffsplanken bei schwerer See unter meinen Füßen zu schwanken, und ich war todmüde. Meine Wünsche waren jetzt eher bescheidener Natur: eine Tasse Kaffee und ein Bett. Bitte nicht stören - für die nächsten vier Stunden zumindest. Alles an sich kein Problem, wenn nicht Manfred Kurz am Ausgang des Flughafens auf uns gewartet hätte.
Manfred, damals einundvierzig und aus dem oberbayerischen Landsberg am Lech stammend, war der Direktor von Singai-Travel. Zusammen mit Malaysia Airlines, repräsentiert durch meinen alten Bekannten Dieter Jacobs, der als PR-Berater diese Reise organisiert hatte, war er sozusagen unser Gastgeber vor Ort. Dabei passte er auf den ersten Blick zu Asien so wenig wie Konfuzius auf das Oktoberfest. Bei Manfred war alles ein bisschen zu viel: die Länge der Minipli-artigen blonden Locken, die geöffneten Hemdknöpfe, der Bauch über dem zu tiefen Hosenbund und sein lautes Lachen. Er war ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jahrelanges Meditieren und Trinken von grünem Tee die gängigen Voraussetzungen sind, um nach Asien zu übersiedeln. Im Gegenteil: Meist ist es eher so, dass man hier hängen bleibt, ungeplant, aber unentrinnbar. Manchmal aus Liebe, manchmal aus Abenteuerlust, manchmal aus Flucht vor sich selbst oder aus allen drei und tausend anderen Gründen zusammen.
Asien scheint auf solche Typen zu warten, lauernd, gierig und gefährlich wie ein wildes Tier, das sich mit seidiger Sanftheit tarnt, um im richtigen Moment zuzuschnappen, Seelen zu verschlingen, ohne sie jemals wieder auszuscheiden.
Autorenportrait:
Hanne-Lore Heilmann, geboren 1955, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Linguistik. Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie als Journalistin, u.a. für "Die Welt" und die "Welt am Sonntag". Sie hat u.a. das Buch (zusammen mit Gisela Schütte) "St.