SPQR meets CSI: Band 2 der fesselnden Krimiserie aus dem alten Rom Acht Monate dient Militärarzt Gaius Petreius Ruso nun schon bei der 20. Legion in Britannien, als die Truppe abberufen wird, und Ruso seiner Tilla zuliebe mit in den Norden zieht. In Coria soll der Medicus auf höchste Anweisung den Arzt Thessalus wieder zur Räson bringen. Dieser hatte in geistiger Umnachtung einen Mord gestanden. Die Tat versucht man nun aber einem Einheimischen in die Schuhe zu schieben, der mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf in der Gegend sein Unwesen treibt. Aber Ruso glaubt an beider Unschuld und macht sich daran, den wahren Mörder zu finden ? "Medicus Ruso ist ein Hit, auch wenn er Socken in den Sandalen trägt." The Times "Dieser Krimi aus dem Alten Rom ist unvergleichlich. Gut recherchierte, aber natürlich einfließende historische Details, unvergessliche Figuren und ein origineller Schauplatz machen aus ′Tod einer Sklavin′ einen hervorragenden Krimi. Ein fesselndes Debüt, das eine sehr beliebte Serie zu werden verspricht." Historical Novel Society zu "Tod einer Sklavin" "Eine exzellente Detektivgeschichte mit sehr unterhaltsamen Anspielungen auf unsere heutige Welt. Ich empfehle Medicus Ruso allen Liebhabern guter historischer Romane." BBC zu "Tod einer Sklavin"
SPQR meets CSI: Band 2 der fesselnden Krimiserie aus dem alten Rom
Acht Monate dient Militärarzt Gaius Petreius Ruso nun schon bei der 20. Legion in Britannien, als die Truppe abberufen wird, und Ruso seiner Tilla zuliebe mit in den Norden zieht. In Coria soll der Medicus auf höchste Anweisung den Arzt Thessalus wieder zur Räson bringen. Dieser hatte in geistiger Umnachtung einen Mord gestanden. Die Tat versucht man nun aber einem Einheimischen in die Schuhe zu schieben, der mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf in der Gegend sein Unwesen treibt. Aber Ruso glaubt an beider Unschuld und macht sich daran, den wahren Mörder zu finden ...
Er hatte nicht damit gerechnet, Angst zu haben. Er fastete seit drei Tagen, und die Götter hatten immer noch nicht geantwortet. Er hatte keine Gewissheit erlangt. Aber er hatte einen Schwur geleistet und musste ihn einhalten. Jetzt, da er noch die Kraft dazu hatte.
Er ließ seinen Blick durch das leere Haus schweifen. Um das erst halb geleerte Bierfass war es schade. Ebenso um die Körbe -die Arbeit mehrerer Wochen -, die er jetzt vermutlich niemals mehr auf dem Markt würde verkaufen können.
Ansonsten bereute er nichts. Falls die Götter ihm wohlgesinnt wären, würde er das Bier morgen, wenn seine Ehre wiederhergestellt wäre, zum Frühstück trinken. Vielleicht würde er aber auch seinen Freunden in der nächsten Welt Gesellschaft leisten.
Natürlich würde er dem Soldaten eine Chance geben. Ihn ein letztes Mal auffordern, so zu handeln, wie es das Gesetz verlangte. Danach lägen ihrer beider Schicksale in den Händen der Götter.
Er schloss die Tür seines Hauses hinter sich und band sie zu, vielleicht zum letzten Mal. Dann ging er zum Wassertrog und vergewisserte sich, dass er gefüllt war. Das Pony würde drei Tage lang versorgt sein, vielleicht auch vier. Wahrscheinlich würde es sowieso schon vorher irgendjemand stehlen.
Aus reiner Gewohnheit zog er die Pforte zu, obwohl es nichts gab, das zu entfliehen drohte, und hinter dem Gatter kaum etwas Fressbares für umherstreunende Tiere zu finden war. Dann marschierte er los in Richtung Coria, um diesen ausländischen Mistkerl zu finden und ihm die Bedeutung des Wortes Respekt beizubringen.
Kapitel 1
Viele Meilen südlich von Coria nahm Ruso beide Zügel in die linke Hand, griff hinunter in die Satteltasche und nahm die Pastete heraus, die er sich vom Vorabend aufgespart hatte. Das Geheimnis des Glücks bestand darin, sinnierte er, während er genüsslich die Pastete aß, die einfachen Freuden zu genießen. Ein gutes Essen. Ein warmes, trockenes Ziegenfellzelt, das man sich mit Männern teilte, die weder schnarchten, noch von allzu heftigen Darmwinden geplagt wurden oder davon ausgingen, dass er wach bleiben und sich Witze anhören wollte. Oder die Beschreibung von Krankheitssymptomen. In der vergangenen Nacht hatte er den Schlaf eines glücklichen Mannes geschlafen.
Ruso war jetzt seit acht Monaten in Britannien, und die meisten waren Wintermonate gewesen. Er hatte begriffen, warum der einzige Beitrag dieser Provinz zur Kleidungsmode aus einem dicken Umhang bestand, der dazu bestimmt war, einem den Regen vom Leib zu halten. An sich war Regen natürlich nichts Schlechtes, wie ihn sein Bruder mehr als einmal erinnert hatte. Doch sein Bruder war Bauer, und er sprach von richtigem Regen: die Sorte, die sturzbachartig vom Himmel fällt, um die Erde zu wässern, die Aquädukte zu füllen und die Entwässerungsgräben zu säubern. Britannischer Regen war selten etwas so Simples. Anstatt hinunterzufallen, hing er tagelang in der Luft wie eine sich herumdrückende Ehefrau, die darauf wartet, dass man merkt, dass sie schmollt.
Doch die Einheimischen, die mit einem anerkennenswerten Optimismus gesegnet waren, bereiteten dennoch ihre Feiern anlässlich des in ein paar Tagen beginnenden Sommers vor. Und als ob die Götter schließlich doch ein Einsehen gehabt hätten, glänzten die polierten Panzerplatten der vor ihm die Straße entlangziehenden Kolonne unter einer heiteren Frühlingssonne.
Ruso fragte sich, wie die an der Grenze stationierten Soldaten die Männer der Zwanzigsten Legion empfangen würden: Männer, die besser ausgebildet, besser ausgerüstet und besser bezahlt waren. Ohne jeden Zweifel würden die Offiziere schöne Reden über ihre gemeinsame Mission schwingen, die Briten in Schach zu halten, doch das Austragen der Kämpfe würden sie den niederen Rängen überlassen und Ruso das Zusammenflicken der Verletzten.
Doch fürs Erste würde er nicht viel zu tun haben. Jeder, der nicht in der Lage war, mehrere Tage zu marschieren, war in Deva zurückgelassen worden. Die vor ihm glänzenden Rüstungen schützten einhundertsiebzig gesunde Männer, die sich des Höhepunkts ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit erfreuten. Selbst die verbittertsten einheimischen Steuerzahler würden ihre Waffen und ihre Meinungen beim Anblick einer Streitkraft dieser Größe unter Verschluss halten, und es war schwer vorstellbar, wie ein Soldat sich eine ernstere Verletzung zuziehen sollte als ein paar durch die von der Einhaltung des gleichmäßigen Schritttempos auf einer geraden Straße hervorgerufenen Blasen. Ruso unterdrückte ein Grinsen. Ein paar herrliche Urlaubstage lang genoss er es, ein anonymer Reisender zu sein und kein Militär -
»Doktor!«
Er biss instinktiv noch einmal in seine Pastete, um sich einen letzten Mundvoll zu gönnen.
»Doktor Gaius Petreius Ruso, Herr?«
Da seine andere Hand die Zügel hielt, hob Ruso zum Zeichen der Zurkenntnisnahme die zerbröselnde Pastete hoch und dirigierte das Pferd an den Straßenrand, wo Platz war anzuhalten, ohne den Weitermarsch der Kolonne zu behindern. Einen Augenblick später sah er auf drei Menschen hinab.
Zwischen zwei Legionären stand eine Gestalt, die den ungewöhnlichen und interessanten Eindruck machte, als bestünde sie aus zwei zu unterschiedlichen Personen gehörenden, entlang einer unregelmäßigen vertikalen Linie zusammengefügten Hälften. Der größte Teil der linken Hälfte war, abgesehen von der Hand und dem Unterarm, sauber. Die rechte Hälfte war zum offensichtlichen Missbehagen des Soldaten, der die Gestalt an dieser Seite festhielt, mit dickem Schlamm überzogen. Auf der Wange der sauberen Seite befand sich ein blutiger Kratzer, und über dem sauberen, blond gebliebenen Zopf hing eine Haarsträhne heraus, die den Kopf der Frau schief erscheinen ließ. Trotz dieser Erniedrigungen hatte die junge Frau sich zu voller Größe aufgerichtet und stand mit erhobenem Kopf da. Das Funkeln in ihren Augen, für deren Farbe Ruso nie das passende Wort gefunden hatte - doch wenn er es fände, würde es etwas mit dem Meer zu tun haben -, brachte zum Ausdruck, dass irgendjemand all dies sehr bald bereuen würde.
Die drei sahen zu, wie Ruso seinen Bissen zu Ende kaute und den Rest der Pastete widerwillig einwickelte und erneut in der Satteltasche verstaute. Schließlich sagte er: »Tilla.«
»Ja, ich bin es, mein Herr«, bestätigte die junge Frau.
Ruso sah erst den einen und dann den anderen Soldaten an und registrierte, dass dem jüngeren der beiden die schlammüberzogene Seite überlassen worden war. »Eine Erklärung, bitte!«
»Sie sagt, sie gehöre zu dir, Herr«, erwiderte der Soldat, der die saubere Seite hielt.
»Warum ist sie in diesem Zustand?«
Als der Soldat entgegnete: »Vom Kämpfen, Herr«, drehte sie sich zur Seite und spuckte auf den Boden. Der Soldat riss an ihrem Arm. »Benimm dich!«
»Ihr könnt sie loslassen«, befahl Ruso, bückte sich und band seinen Wasserschlauch los. »Spül dir den Dreck aus dem Mund,
Tilla. Und pass auf, wo du hinspuckst. Darauf habe ich dich bereits mehrfach hingewiesen.«
Während sich Tilla das Gesicht abwischte und einen kräftigen Schluck aus dem Wasserschlauch nahm, erschien eine zweite, wesentlich sauberere Frau, die außer Atem war, weil sie den Hügel hinaufgerannt war.
»Das ist sie!«, schrie die Frau. »Diebin! Wo ist unser Geld?« Ihr Versuch, nach dem blonden Zopf zu greifen, wurde von den Legionären vereitelt.
Ruso sah seine Sklavin an. »Bist du eine Diebin, Tilla?«
»Sie ist eine Diebin, mein Herr«, erwiderte seine Haushälterin. »Frag sie mal, was sie für ein Brot verlangt.«
»Außer dir beklagt sich niemand!«, schrie die andere Frau. »Sieh dich um! Siehst du jemanden, der sich beklagt?« Sie drehte sich um und zeigte mit ausgestrecktem Arm auf den bunten Zug von Eselführern, Taschenträgern, Händlerkarren und Zivilisten, die sich hinter den Soldaten den Hügel hinaufschleppten. »Ich bin eine ehrliche Händlerin, Herr!«, fuhr die Frau an Ruso gewandt fort. »Mein Mann bleibt die halbe Nacht auf und backt.