Sonntag, 8. März§7:30 Ostküsten-Standardzeit Vor der Küste von New Jersey§Wo Meer und Land sich treffen, schoss eine gelbe Flamme in die Luft. Kurz darauf stieg eine blauschwarze Wolke um den inzwischen orangeroten Feuerball auf. Die Wolke wurde immer größer und nahm schließlich eine flache Form an, die hoch über dem Wasser schwebte.§"Atlantic City, Atlantic City", sagte die Pilotin ruhig in ihr am Kinn befestigtes Mikrofon. "Küstenwache Einundvierzig-Zehn. Haben eine mutmaßliche Gaspipeline-Explosion auf Position zehn Uhr geortet; etwa zwanzig Kilometer voraus. Geschätzte Position des Feuers: Pine Harbor. Over."§Von der Pilotenkanzel der USCG 4110 - eines alten zweimotorigen Patrouillenflugzeugs vom Typ Casa 212, das die Küste von New Jersey überwachte - aus betrachtet, hob sich die Rauchsäule deutlich vom an diesem Sonntag stumpfgrauen Morgenhimmel ab. "Roger, Einundvierzig-Zehn. Fliegen Sie weiter nach Pine Harbor, um sich selbst ein Bild zu machen, und erstatten Sie anschließend Bericht", drang eine knisternde Stimme aus dem Funkgerät. "Wir nehmen mit der Einsatzleitung in der Zentrale Verbindung auf und fragen nach, ob die dort mehr wissen."§Lieutenant Anne Brucelli hatte vor fünf Jahren ihren Abschluss an der Militärakademie gemacht und liebte es, am Steuer eines Flugzeugs zu sitzen. Außerdem war sie stolz darauf, der Küstenwache und dem Heimatschutz anzugehören. Obwohl sie sich schon auf ihren künftigen Job als Pilotin einer Bell-Boeing Osprey - eines hochmodernen Kipprotorflugzeugs - freute, war sie auch mit dieser alten Casa zufrieden. Die Maschine beförderte sie zumindest in die Luft und über das Meer, und sie konnte so die Welt aus einer Perspektive betrachten, die den meisten Menschen verwehrt blieb. Heute war ihr Kopilot ein ehemaliger Kommilitone von der Akademie, Lieutenant Chuck Appleton. Anne klappte ihr Visier herunter und schaltete auf Teleskopfunktion.§"Hey, Anne, dort drüben, auf zwei Uhr, ist noch eine Feuersäule!", rief Appleton plötzlich. "Das muss ungefähr bei Banning Beach sein." Dank ihrer Flughöhe von etwa tausendfünfhundert Metern konnten sie über hundertzwanzig Kilometer weit blicken. Die zweite Flamme schien irgendwo im Westen von Long Island aufzusteigen.§Noch ehe sie Gelegenheit hatten, Meldung zu machen, knisterte das Funkgerät erneut: "Küstenwache für Einundvierzig-Zehn, hier spricht Atlantic City, brechen Sie ab und fliegen Sie stattdessen nach Miller's Hook im Süden. Dort gehen Sie so tief wie möglich runter und sehen sich das weiße Blockhaus am Ende der Landzunge an. Verstanden? Diese Anweisung kommt von der Einsatzleitung des Heimatschutzes."§Brucelli ließ die orangefarbene Maschine eine enge Kurve fliegen, änderte den Kurs und hatte vier Minuten später die Küste vor Miller's Hook erreicht. Wieder warf Appleton einen Blick durch das Visier, um sich die Bilder anzusehen, welche von der am Bug der Maschine befestigten Kamera eingefangen wurden. Dann zoomte er das Ende der Landzunge näher heran. "Ich kann ein kleines weißes Gebäude erkennen. Keine Fenster. Ringsherum ein Zaun. Daneben ein weißer Pick-up." Langsam drehte er den Kopf nach rechts und richtete den Blick auf die Straße. "Zwei Motorradfahrer, die ziemlich schnell ins Landesinnere fahren. Sonst ist dort keine Menschenseele." Das Flugzeug setzte den raschen Sinkflug in Richtung der schmalen Landzunge fort.§Währenddessen machte die Pilotin über Funk Meldung: "Atlantic City, Küstenwache Einundvierzig ... Heiliger Strohsack! Moment mal, Chuck." Sie flog eine steile Linkskurve, als eine gelblich rote Feuerzunge vor der Frontscheibe des Cockpits emporloderte. Darauf ertönte eine schrille Alarmsirene, und eine monotone Frauenstimme vom Band verkündete: "Brand im linken Triebwerk, Brand im linken Triebwerk. Maßnahmen einleiten."§Brucelli bemühte sich, die bockende Maschine unter Kontrolle zu bekommen, und drückte gleichzeitig den großen roten Löschknopf über ihrem Kopf. Im s
Clarke ist der einzige Autor [von Politthrillern], der wirklich dabei war und weiß, wovon er schreibt." The New York Times Book Review
Amerika abgeschnitten vom Rest der Welt, die Wirtschaft schwer getroffen, US-Militäreinheiten im Ausland kaum noch zu steuern: Die Bombenanschläge auf Internet-Relaisstationen an der Ostküste beschwören eine politische und ökonomische Katastrophe herauf. Eine Drohgebärde Chinas, damit die USA ihrem Bündnispartner Taiwan bei den Unabhängigkeitsbestrebungen die Unterstützung entziehen? Oder die Tat von militanten Transhumanismus-Gegnern, die verhindern wollen, dass Gen- und Nanotechnik die gottgegebene Ausstattung des Menschen verändern? Während Susan Connor und ihre Geheimdienstkollegen unter Hochdruck in alle Richtungen ermitteln, spitzt sich die politische Situation unerwartet und dramatisch zu.
Richard A. Clarke, geboren 1951 in Pennsylvania, war mehr als drei Jahrzehnte lang im Weißen Haus, im State Department und im Pentagon als Berater für vier US-Präsidenten tätig. In den Stunden nach den Terroranschlägen des 11. September leitete Clarke den Krisenstab des Weißen Hauses. Im März 2003 schied er nach eigenem Wunsch aus der Bush-Regierung aus und veröffentlichte 2004 den Aufsehen erregenden Bestseller "Against All Enemies". Der Antiterrorismus-Experte gilt als einer der schärfsten Kritiker der Politik des amtierenden US-Präsidenten George W. Bush. Richard A. Clarke lebt in Arlington, Virginia.
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