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Ich werde nie mehr auseinandergehen

Böse Diät-Geschichten. Originalausgabe
  • ISBN:3-453-35259-9
  • EAN:9783453352599
  • Veröffentlichungsdatum:Januar 2009
  • Gewicht in g:295
  • Reihe:Diana Taschenbücher
  • Seiten:368

EUR 8,95

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Kurzbeschreibung von: Ich werde nie mehr auseinandergehen

Querstreifen machen dick, aber wer isst schon Querstreifen?


Wenn die Spiegel Trauer tragen und es der sprechenden Badezimmerwaage die Sprache verschlägt, dann hat die Stunde der Diät geschlagen! Fast jede(r) hat schon eine hinter sich, gerne auch gleich mehrere - denn die Hoffnung, 30 Kilo über Nacht zu verlieren, stirbt ja bekanntlich zuletzt. Hier schreiben sich 18 Autorinnen und Autoren in ebenso bissigen wie bösen Geschichten lustvoll ihren Diätfrust von der Seele.


. Nach dem Erfolg von »Der Arsch auf dem Sessel« und »Das Schwein vom Dienst« jetzt eine Sammlung bitterböser Geschichten zum Dauerbrennerthema »Diät«
. Originalausgabe mit 18 bisher unveröffentlichten Geschichten von bekannten Autorinnen und Autoren


Für alle Fans von Jürgen Schmieders Kolumne »Mein Bauch gehört mir« in der »Süddeutschen Zeitung«.


Leseprobe von: Ich werde nie mehr auseinandergehen

Von Luft und Liebe zu leben - das wär's! Doch trösten Sie sich - beides ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Mit dem einen werden uns Schwermetalle und Feinstaubpartikel in ständig gesteigerten "Portionen" serviert, und von dem anderen haben sich die Halbwertzeiten arg reduziert. Das eine macht schwerer, das andere dicker. Was am Ende (fast) auf dasselbe hinausläuft. Am besten ignorieren und mit dem weitermachen, was unsere Gesellschaft am besten kann - also her mit der nächsten Diät. Das macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft (das bisschen schlechte Laune werden die anderen schon aushalten) und aus uns allen absolute Experten. Während wir die Tage zählen, bis wir aussehen wie Madonna oder Angelina Jolie (und wegschauen, wenn wir die neuesten Bilder von Liz Taylor sehen), bilden wir uns ganz automatisch in Betriebswirtschaft aus. In Körperbetriebswirtschaft. Darin sind wir unschlagbar, Privatgelehrte sozusagen. Die Erfolge lassen zwar bei den meisten von uns noch auf sich warten, aber das ist in der großen Wirtschaft auch nicht anders. Dort regelt der Markt angeblich alles, man muss nur Vertrauen und Geduld haben. Für Körperbetriebswirtschaftler regelt auch der Markt alles. Der Supermarkt und der Drogeriemarkt. Und lassen Sie sich ja nicht beirren - alles wird gut. Glauben Sie mir. Was Sie sich aber unbedingt gönnen sollten, das ist eine kleine Pause in Ihrer harten Diät-Arbeit. Nur eine Buchlänge lang. Riskieren Sie ruhig einen kleinen Blick über den Rand Ihres leeren Tellers, bevor Sie mit neuer Kraft weitermachen. Da draußen gibt es eine Welt von glücklichen Verlierern und Verliererinnen, die wir Ihnen in diesem Buch zeigen wollen. Einfach mal anschauen. Betrachten Sie die Lektüre der hier versammelten Storys wie einen Besuch im Zoo - als einen Ausflug, der Ihnen Luft verschaffen wird, Ihre Nerven entspannt und endlich mal wieder Ihre Lachmuskeln zum Arbeiten bringt. Was immerhin schon eine zusätzliche Bewegungsübung ist, die Ihnen kein Laufband und kein Trimmgerät der herkömmlichen Art bieten kann.
Stören Sie sich bitte nicht daran, dass die Autorinnen und Autoren der hier versammelten Geschichten oft vom Essen berichten und Gerichte und Rezepte erwähnen, die insgesamt wohl ein paar Millionen Kalorien ausmachen und das wochenlange Überleben eines mittelständischen Betriebs garantieren würden. Für erfahrene Körperbetriebswirtschaftler, sprich Erbsen- ups, Verzeihung, Kalorienzähler wie Sie es sind, kann das gar keine Versuchung sein. Für Sie ist die Tortenvitrine einer Konditorei morgens um neun, in der sich eine Sachertorte, ein Russischer Zupfkuchen, ein Marmorkuchen, eine Schwarzwälder Kirsch-, eine Käse-Sahne- und eine Nuss-Sahne-Torte (alle noch unberührt und ganz) befinden, nichts anderes als eine Rechenaufgabe, die Sie schneller als der schnellste Computer lösen: Es handelt sich um sechs mal zwölf Stücke, die insgesamt einen Brennwert von 133 356 Kilokalorien haben und Ihrem Körper bei absolutem Stillhalten (also ohne jegliche Bewegung, abgesehen von Kauen, Schlucken und genüsslichem Augenschließen) für 88 Tage den "Sprit" sichern.
Zugegeben, die Sache ist am Ende etwas komplizierter, aber rein rechnerisch ist sie astrein. Wie sich die Torten fühlen, wenn Personen auf sie treffen, die nicht nur zählen, so wie Sie, sondern auch essen - auch das ist hier nachzulesen. (Sie finden, Torten können nicht fühlen? Na, Sie sind gut! Haben nicht schon die alten Philosophen davon gesprochen, dass die ganze Welt beseelt sei? Na also!)
Um das eben erwähnte "etwas Kompliziertere" geht es in unseren Geschichten. Sie werden Ihnen nicht nur wertvolle Hinweise darauf geben, wo die Tücken von Diäten stecken können, sondern Ihnen auch eine Warnung sein. Denn absolute Disziplin fördert kriminelle Energien. Natürlich glauben Sie längst nicht mehr an den Weihnachtsmann, aber vielleicht doch ein bisschen an eine gute Fee, die in der Lage ist, Ihre überflüssigen Pfunde einfach wegzuzaubern? Das geht, aber wohin damit? Vielleicht auf die Hüften Ihrer besten Freundin? Während Sie sich über diese Geschichte Gedanken machen, tobt in so manchem Kühlschrank ein Krieg unvorstellbaren Ausmaßes. Allein diese Kriegsberichterstattung macht deutlich, dass wir keine Ahnung haben, wie das Seelenleben einer Selleriestange im Angesicht von Cremetörtchen aussieht. Dass der Welt das Runde nicht ganz ausgetrieben werden darf, weil sonst die vom Export abhängige Wirtschaft Schaden nehmen könnte, wird Sie vielleicht verblüffen, aber die Tatsache, dass man mit kleinen Fettpölsterchen vielleicht keine TV-Karriere machen, aber glückliche Chefin eines Feinkostladens werden kann, liegt mehr als verlockend auf der Hand. Fresssüchtige Schwiegerväter sollten die Künste (und die Rundungen) der Köchin ehren, sonst wird schon einmal so ganz nebenbei ein Küchenkraut verwechselt, was tödliche Folgen haben kann. Auch das ist eine Lehre, die Sie aus der Lektüre dieses Buches ziehen können. Und wie sehr Ayurveda samt bestem Guru den Familienfrieden stören kann. Überhaupt haben unsere Expertinnen und Experten Erkenntnisse gesammelt, für die man als Laie lange recherchieren müsste. Oder wussten Sie, dass es einen erotisch bedingten Futterzwang gibt? Wer die Bekanntschaft eines solchen "Feeders" macht, braucht den Beistand aller Heiligen. Zu denen hat auch schon mancher Schokoladentiger beim Vorstellungsgespräch gebetet - und dabei gar nicht gemerkt, dass auch Werbegötter gelegentlich dem Süßen (und damit dem Natürlichen) verfallen sind. Auch Quoten lassen sich mit der richtigen Auswahl von pfundigen Argumenten durchaus in die Höhe treiben, zumal weibliche Mittelgewichte zuweilen wendiger sind, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Happy End inklusive. Exzellenten, liebenden Köchen mit Internetzugang gegenüber ist hingegen durchaus Misstrauen angebracht. Aber das schwergewichtige Imperium schlägt auch manchmal zurück: Wenn die Gewichts-Kerkermeister in die Pflegeabhängigkeit der Gequälten geraten, dann verschieben sich nicht nur die Machtinstrumente, sondern auch die Zeiger auf der Waage.
Wussten Sie, dass Models gelegentlich Wattebäuschchen essen, damit ihr armer kleiner Magen wenigstens kurzfristig Ruhe gibt und gefüllt ist? Wenn so ein armer Wurm durchdreht, dann muss er schon einmal von der "Schönheits-Polizei" aus einem Burger-Restaurant gerettet werden. Denn dass man zum Mörder werden kann, wenn einem (sogar am 30. Hochzeitstag) die Bissen in den Mund gezählt werden, kann sogar jeder Körperbetriebswirtschaftler - zumindest theoretisch - verstehen, oder? Dass auch Modeschöpfer ungeahnte Sehnsüchte haben und insgeheim für ein Slow-Food-Leben schwärmen, ist leider viel zu wenig verbreitet. Neben einem Hungerhaken aufzuwachen, heißt ja noch lange nicht, dass man(n) nicht davon träumen kann, mit einer Marzipan-Künstlerin ins Bett zu gehen.