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Energie und Kraft durch Mandalas

von Werner Tiki Küstenmacher (Buch)

  • ISBN:3-8094-2368-8
  • EAN:9783809423683
  • Veröffentlichungsdatum:Juli 2008
  • Gewicht in g:762
  • Seiten:204

Kurzbeschreibung:

Inspirierende Ornamente aus 6 Jahrtausenden


Mandalas haben eine lange Tradition und sind in fast allen alten Kulturen gefunden worden. Diese einmalige Sammlung prähistorischer, afrikanischer, keltischer, indianischer, byzantinischer und japanischer Mandalas erklärt den historischen Hintergrund der einzelnen Mandalas und bietet dazu einfühlsame, nachdenklich stimmende und anregende Texte der Weltliteratur. Alle Vorlagen sind zum Ausmalen für jede Altersstufe und jedes Malbedürfnis geeignet. Das Ausmalen der einzelnen Bilder gibt Kraft und inspiriert durch den meditativen Aspekt immer wieder aufs Neue.



Leseprobe:

Was ist ein Mandala?


"Mandala" ist ein Wort aus der klassischen indischen Kultursprache Sanskrit und bedeutet einfach "Kreis". Bei dieser Einfachheit sollte man es belassen. Das fremdartige Wort kommt aus einem fernen Land, der damit gemeinte Begriff aber findet sich in allen Religionen und Kulturen als Kreis, Rad, Kranz, Rotation, Umlauf, Reigen oder Tanz.


Kreis und Mittelpunkt
Die mathematische Definition des Kreises ist einfach: die Menge aller Punkte, die von einem Mittelpunkt den gleichen Abstand haben. Der Kreis wird
definiert durch seine Mitte, er lebt von ihr - aber diese Mitte muss gar nicht sichtbar sein, so wie ein mathematischer Punkt streng genommen auch keine Ausdehnung hat. Jede kreisrunde Form, jeder Teller, jedes Geldstück hat einen Mittelpunkt, der in den seltensten Fällen angezeichnet und direkt zu sehen ist. Und doch spüren wir ihn, können ihn uns denken und vor dem geistigen Auge sichtbar machen.
So wird der Kreis zu einem entscheidenden religiösen Symbol. Der Mittelpunkt entspricht Gott, dem Einen, dem Ursprung, dem Geheimen, dem Metaphysischen, dem Zentrum hinter aller sichtbaren Natur. Unsere Welt aber findet statt auf dem Kreis, sie ist definiert durch den Abstand vom Ursprung. Unser Leben gewinnt seine innere Form durch den Mittelpunkt, um den es sich bewegt.


Versöhnung der Extreme
Ein Kreis ist dynamisch. "Die Menge aller Punkte" lässt sich eigentlich nur in der Bewegung denken, so wie der Zirkel über das Papier fährt oder wie der Lichtstrahl eines Leuchtturms auf Land und Meer seine verlöschende Linie schreibt. Der vitale Schwung des Kreises ist zugleich nur möglich durch die stabile Beständigkeit seines Mittelpunkts. So brauchen sich beide: der Punkt und der Kreis, die Stille und der Tanz, der Inhalt und die Form, Gott und Welt, der Eine und die Vielen, der Samen und die Früchte. Der Kreis wird so zum Spiegelbild des Allumfassenden. Er ist das tiefste Symbol für das Geheimnis des Lebens, das stets zwischen den Extremen hin und her gerissen ist: auf der einen Seite die völlige Diesseitigkeit, das Sichverlieren in Materialismus und Form, und auf der anderen Seite die Flucht aus der Welt, der idealistische Weg in Versenkung und Ekstase.


Die eigene Mitte suchen


Der Kreis in den Religionen
Jede Religion hat versucht, Formeln zu finden für die Versöhnung dieser Gegensätze, Bilder für die Zusammengehörigkeit von Zentrum und Umkreis, von Gott und Welt. Der christliche Mystiker Meister Eckhart zeichnet gleichsam das Gleichnis des Kreises nach, wenn er sagt: "Gott ist drinnen, wir sind draußen." "Bete und arbeite" heißt der Rat zur Zentrierung der Lebensenergie in der Regel des Ordensgründers Benedikt von Nursia. Der Sufimeister Ibn Arabi formuliert es so: "Würde Gott für die Dauer eines Augenzwinkerns von der Welt getrennt werden, würde die Welt in diesem Augenblick verschwinden. Allerdings ist das Licht, das von seiner Erscheinung ausgeht, so gewaltig, dass es unser Wahrnehmungsvermögen übersteigt und wir nur seine Schöpfung erkennen können, die ihn zugleich verhüllt."
Das innere Ziel unseres Lebens ist es, den Mittelpunkt zu finden. Nicht dass wir ihn je erreichen und "haben" könnten, aber die Form unseres Lebens wird das Zentrum erahnen lassen. Wenn nicht, verliert unser Leben seine Form. Dann fühlt man sich uneins mit sich selbst, zerrissen, gestresst, sich selbst fremd. Von Hermann Hesse stammt der Ausruf: "Heimat in sich haben! Wie wäre das Leben anders! Es hätte eine Mitte, und von der Mitte aus würden alle Kräfte schwingen. So aber hat mein Leben keine Mitte, sondern schwebt zuckend zwischen vielen Reihen und Polen und Gegenpolen."


Der geschlossene Garten
So ist jede Form von Suche nach dem Lebensschwerpunkt, nach dem wirklichen Ziel im Leben eine Suche nach der eigenen Mitte. Sie ist immer in


uns da, unverlierbar und untrennbar mit dem Göttlichen verbunden, aber eben auch verhüllt, vergessen oder zeitweise verfehlt. Das Geheimnis, das ich bin, und das Geheimnis, das Gott ist, sind letztlich eins. Diesem Geheimnis näher zu kommen ist ein Urtrieb des Menschen. Es ist die Suche nach dem verlorenen Paradies, dem geschlossenen, alles bergenden Garten, in dem ich wunschlos glücklich bin, in dem alle meine Bedürfnisse gestillt sind. Ein wichtiges Merkmal jedes Mandala ist die äußere Umrandung, gleichsam die Mauer um den geschlossenen Garten.
Unser Leben leidet oft an unklaren Grenzen. Mit wie vielen Aufgaben müssen wir uns noch befassen? Eine ständig wachsende Zahl von Medien und Kommunikationsmitteln bringt uns jeden Tag in immer intensiverer Form die unlösbaren Fragen
und Nöte der ganzen Welt ins Haus. Früher durften sich Kinder auf ihre kleine kindliche Welt beschränken, heute wissen auch sie immer mehr, werden in bester Absicht mit den großen Zusammenhängen einer immer stärker vernetzten Gesellschaft konfrontiert.
Das Mandala schafft eine heilsame Beschränkung. Es ist eine abgegrenzte Fläche. Die Aufgabe, sie mit Farben zu füllen, ist überschaubar. Die Figur des Mandala ist auf einen Mittelpunkt konzentriert. Der kleine Garten lädt ein, in ihm zu verweilen und sich ihn in tätiger Betrachtung zu erschließen.


Der Kreis - Beginn der Kultur
Die Entdeckung des Kreises markiert den Beginn menschlicher Kultur. Zu den ältesten erhaltenen Bauwerken der Menschheit zählen kreisförmige Strukturen: der geheimnisvolle Steinkreis von Stonehenge oder die riesigen neolithischen Rundburgen in Irland. Mit Rad und Töpferscheibe beginnen Technik und Wissenschaft. Mit der Erforschung der zyklischen Wiederholungen von Jahreszeiten und Fruchtbarkeitsperioden beginnt der systematisch betriebene Ackerbau.
Eines der ältesten Mandalas ist die Sonnenscheibe, das Urbild aller Kreisfiguren, Spenderin allen Lebens. Oft ist sie von geschwungenen Linien durchzogen, gleichsam in Bewegung versetzt, und von Strahlen oder kleinen Dreiecken begrenzt. Der Sonnenkreis, Symbol für Schwung und Strömung, ist selber unterwegs, er geht auf, zieht über den Himmel und versinkt wieder.
Das Erleben des Wiederkehrenden, des regelmäßigen Wechsels von Sonnenlicht und Finsternis, von Tag und Nacht, von Ebbe und Flut, der Folge von Mondphasen - all das markiert eine wichtige frühe Stufe in der Entwicklung der Menschheit.


Zeit und Unendlichkeit


Mandala und Kreuz
Bei aller Faszination für das Symbol des dynamischen Kreises dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass es noch andere wichtige Erkenntnisse im fortschreitenden Reifungsprozess des menschlichen Geistes gegeben hat.

Autorenportrait:

Marion Küstenmacher, geb. 1956, evangelische Theologin und Germanistin, langjährige Arbeit als Verlagslektorin und Redakteurin, jetzt freiberuflich tätig als Coach für spirituelle Persönlichkeitsentwicklung mit den Schwerpunkten Enneagramm, Symbolarbeit, Wertimagination und Mystik. Autorin von rund 20 Büchern. Sie lebt mit ihrem Mann in Gröbenzell bei München.
Werner Tiki Küstenmacher ist 1953 in München geboren. Sein Interesse an den Weltreligionen wurde ihm quasi in die Wiege gelegt: Seine Mutter gab ihm den Namen des polynesischen Sonnengottes »Tiki«. Er studierte evangelische Theologie und machte eine Zusatzausbildung zum Journalisten. Werner Tiki Küstenmacher ist international bekannter Karikaturist und erfolgreicher Bestsellerautor (»Simplify your Life«).

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