Beschreibung:
Die wunderbare Liebesgeschichte zwischen einer jungen Malerin und dem Freiheitskämpfer Che Guevara ? von ihrer Tochter erzählt Die Malerin Teresa lernt Che Guevara am Tag nach Batistas Fall kennen. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre. In ihr verschmelzen auf außergewöhnliche Weise Politik und Erotik, Kunst und Kampf, das Erhabene und das Profane. So wird diese Liebe zu einem Sinnbild der kubanischen Revolution, und das Schicksal des ganzen Volkes spiegelt sich im Schicksal Teresas. "Geliebter Che ist ein bewegender Roman - wegen der Einblicke, die er in das pulsierende Kuba der Fünfziger Jahre gestattet, und der perfekt ausgemalten Beziehung zwischen Teresa und Che Guevara." Publishers Weekly
Kurzbeschreibung:
Die wunderbare Liebesgeschichte zwischen einer jungen Malerin und dem Freiheitskämpfer Che Guevara - von ihrer Tochter erzählt
Die Malerin Teresa lernt Che Guevara am Tag nach Batistas Fall kennen. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre. In ihr verschmelzen auf außergewöhnliche Weise Politik und Erotik, Kunst und Kampf, das Erhabene und das Profane. So wird diese Liebe zu einem Sinnbild der kubanischen Revolution, und das Schicksal des ganzen Volkes spiegelt sich im Schicksal Teresas.
Rezension:
»Ein bewegender Roman.« (Publishers Weekly)
Leseprobe:
Wenn ich auf Reisen bin, verbringe ich gern den letzten Tag vor dem Rückflug in der Altstadt, um mich dort stundenlang in Trödelläden herumzutreiben, die anscheinend überall auf der Welt gleich sind: voller staubiger Regale, in denen sich alte Zeitschriften und Bücher und vergilbte Fotografien stapeln. Das Fliegen macht mich immer nervös, aber durch das Stöbern in fremden Erinnerungen gelingt es mir, meine Flugangst vor der Abreise zu beschwichtigen. Vor allem die Fotografien von Unbekannten versetzen mich zuverlässig in eine friedliche Stimmung, und im Lauf der Jahre habe ich mir eine ansehnliche Sammlung seriös wirkender und förmlich dreinblickender Gesichter angelegt, Momentaufnahmen von wildfremden Menschen. In vielen dieser alten Porträts ist mir ein ernster Schatten um den Mund aufgefallen, als wehrten sich die Fotografierten bereits gegen die Behauptung, diese Bilder gäben ihr wahres Ich wieder. An manchen Abenden, wenn die blaue Stunde hereinbricht, hole ich das eine oder andere Foto hervor und stelle mir vor, die auf das Papier gebannte Person sei eine fast schon vergessene alte Tante oder eine Urgroßmutter, die ihre Zigaretten mit einer langen silbernen Spitze rauchte. Aber ich weiß natürlich, dass es nur ein
Spiel mit der Geschichte ist. Allen Fantasien zum Trotz bleibt jedes dieser Bilder ein Geheimnis für sich, von den Jahren zwischen uns abgestumpft und für immer zum Schweigen gebracht.
Vor einigen Jahren begann ich mich für die Fotos zu interessieren, die Flüchtlinge aus Kuba ins Exil mitgebracht hatten. Diese Fotos, stellte ich fest, waren häufig gerahmt oder liebevoll in Alben eingeklebt und wurden von Zeit zu Zeit, wenn Freunde zu Besuch waren, wieder hervorgeholt. Ich kam auf die Idee, aus diesen Fotos eine Wanderausstellung zusammenzustellen. Es gelang mir sogar, die nötige Finanzierung für das Projekt aufzutreiben, doch als es zur Sache ging, stieß ich auf allerlei unerwartete Hindernisse. Viele Familien, erfuhr ich zu meiner Bestürzung, wollten sich nicht von ihren Bildern trennen, nicht einmal für ein paar Tage. Und als ich mich - in aller Unschuld -einverstanden erklärte, stattdessen die Fotos von Exilanten zu verwenden, die vor Batista geflohen waren, gerieten meine politischen Motive ins Zwielicht, und das gesamte Projekt zerstob.
Ernüchtert gab ich mein Vorhaben auf und hakte die Vergangenheitsverklärung der Exilkubaner als eine der vielen destruktiven kubanischen Eigenschaften ab. Miami schien mir damals rückwärts gewandt. Die Leute benannten sogar ihre Geschäfte nach den Läden, die sie verloren hatten; auch die fanatischen Radiosender hießen so wie einst die Sender in Kuba, als wären sie die verschrobenen Söhne einer ehemals berühmten Familie. Dieses endlose Schmachten nach der Vergangenheit kam mir wie eine Form von Wahnsinn vor; so als vegetierte jeder in einem Irrenhaus, aus dem Leben vertrieben, und keiner wagte es offen auszusprechen.
Heute frage ich mich, ob der rückwärts gerichtete Blick des Exilanten - des kubanischen vor allem, der so hysterisch und leicht zu karikieren ist - nicht vielleicht ein Gegengift zu einer neuen und noch schrecklicheren Form von Wahnsinn sein könnte. Gleichgültig, unter welchen Umständen er sein Land verlassen hat, wacht der Exilant vielleicht eines Nachts auf, wie ein Reisender in einem fremden Raum, und fragt sich, wohin er seine Füße setzen, in welcher Richtung er die Tür suchen soll, durch die er hereingekommen ist. Vielleicht ist dieses Trennungstrauma - das im Augenblick unserer Geburt beginnt - der normale Lauf der Dinge, und es braucht Jahre geduldigen Lernens, bis man sich losgelöst hat und sich frei in der Welt bewegen kann, ohne sehnsüchtig zurückzublicken; und selbst dann drehen wir uns vielleicht eines Tages um und stellen fest, dass die Jahre eine dunkle Schlucht unter unseren Füßen ausgehöhlt haben.
Über meine Herkunft weiß ich nicht viel. Ich wurde von meinem Großvater in einem kleinen Haus, das sich von den anderen Häusern in der Straße praktisch nicht unterschied, in einem Vorort am westlichen Stadtrand von Miami aufgezogen. Jeden Morgen brachte er mich zu Fuß zur Schule, und jeden Nachmittag kamen wir zusammen wieder nach Hause. Wenn er etwas sagte, dann nur, um mich auf eine besondere Baumart aufmerksam zu machen, die ich kennen sollte, oder um mir den Namen einer Blume zu nennen, die in einem Vorgarten wuchs. Abends saß er auf seinem ungepolsterten gelben Stuhl und las, stundenlang, ohne ein Wort zu sagen. Später, wenn ich schon im Bett war, schaltete mein Großvater das Kurzwellenradio ein, das er im Schrank aufbewahrte, und ich schlief jeden Abend zu den Tönen anschwellender und wieder verklingender Radiosendungen ein, einem eigenartigen Gewinsel, das hin und wieder vom monotonen Gebrumm auf Spanisch verlesener Nachrichten unterbrochen wurde oder von den heiseren Klängen eines danzón, abgespielt über Entfernungen hinweg, die für mich noch unvorstellbar waren.
Im Haus meines Großvaters gab es keinen Fernseher, keine Zeitschriften, keine Fotos, nur Bücher und das wortlose Umblättern der Seiten. Über meine Eltern, wie über das meiste, sprach er wenig. Ich wuchs mit der Gewissheit auf, dass mein Vater im Gefängnis gewesen und dort gestorben war und meine Mutter mich in ihrem Kummer fortgeschickt hatte. Falls ich als Kind meinen Großvater überhaupt je nach meiner Mutter gefragt hatte, so weiß ich nicht mehr viel davon. Vielleicht spürte ich schon damals, dass eine große Enttäuschung mit ihr verbunden war, dass sie zu den vielen Dingen der Vergangenheit gehörte, über die man möglichst nicht sprach. Dazu kommt, dass mein Großvater in den Jahren meiner Kindheit die gesamte Welt verkörperte, die ich kannte. Doch trotz seiner verdrängten
Sorgen hatte er es irgendwie fertig gebracht, mir eine ereignisarme, sogar angenehme Kindheit zu bieten; woran ich mich jetzt am besten erinnere, sind die ganz normalen Bestandteile des Heranwachsens: an das Plantschen in einem Plastikbecken mit den Nachbarskindern, an meine Uniform von der katholischen Schule und das tröstliche Gefühl, zu einer Gruppe zu gehören, die sich in den wesentlichen Fragen des Daseins einig ist. Vielleicht hatte sich mein Großvater im Licht der eigenen Erinnerungen an Aufruhr und Chaos vorgenommen, mir ein langweiliges, gewöhnliches Leben zu ermöglichen; oder vielleicht ist dies das Leben, das einer führt, der es aufgegeben hat, den Ereignissen einen Sinn abzuringen.
Irgendwann jedoch stellte mich das Schweigen meines Großvaters über meine Mutter nicht mehr zufrieden.
Autorenportrait:
Ana Menéndez wurde 1970 als Tochter kubanischer Eltern geboren, die in den Sechzigerjahren in die USA flohen und nie mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten, und wuchs in Miami auf. Die Vereinigten Staaten und Kuba - diese zwei konträren Welten spiegelt