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200 Gramm Punkrock - Heyne-Bücher Allgemeine Reihe

   von Jan Off

buch.de-Verkaufsrang:
ISBN-10:
3-453-40615-X
ISBN-13:
978-3-453-40615-5
Erschienen:
01.2009
Ist nicht mehr lieferbar.
Aus der Reihe:
«Heyne-Bücher Allgemeine Reihe»
Einband:
kartoniert/broschiert
Sonstiges:
19 cm
Seitenzahl:
224
Gewicht:
209 g
Erschienen bei:
Heyne

Beschreibung

Erwachsenwerden war nie einfach So ein Punk ist ja auch nur ein Mensch. Muss Nieten an die Lederjacke schrauben, die Irokesen-Frisur in Form halten und jede Menge Arzneimittel verkosten. Und dann der Stress mit der Musik. Bloß um bei Eltern, Lehrern und dem Gegenüber in der Straßenbahn echte Empörung auszulösen. Jan Off schickt seinen Helden auf eine Reise durch die schwere See der hormonellen Veränderungen. Eine urkomische Achterbahnfahrt voller Heldentaten und Peinlichkeiten "Pflichtlektüre!" Ox "Jan Off scheut sich nicht, sich ordentlich übers Punktum und dessen Ideale lustig zu machen." ORF "Ein wahrer Meister der Sprache. Jeder Satz ist ein Kaiserschnitt." junge welt

Kurzbeschreibung

Erwachsenwerden war nie einfach<br />
<br />So ein Punk ist ja auch nur ein Mensch. Muss Nieten an die Lederjacke schrauben, die Irokesen-Frisur in Form halten und jede Menge Arzneimittel verkosten. Und dann der Stress mit der Musik. Bloß um bei Eltern, Lehrern und dem Gegenüber in der Straßenbahn echte Empörung auszulösen. Jan Off schickt seinen Helden auf eine Reise durch die schwere See der hormonellen Veränderungen.<br />
<br />Eine urkomische Achterbahnfahrt voller Heldentaten und Peinlichkeiten<br />
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Leseprobe

§Sommer 2001. Ich sitze in der Straßenbahn Richtung Hauptbahnhof und sinniere über den eklatanten Unterschied im Groupieaufkommen zwischen Musikern und Schriftschaffenden, als ein Punk und ein Oi-Skin zusteigen. Dem Punk, der nicht zuletzt dank zahlloser Schwären, Scharten und Eiterbeulen ausgesucht ranzig daherkommt, fehlt ein großer Teil des linken Hosenbeins, dafür ist der entsprechende Unterschenkel mit einer ehemals weißen Binde umwickelt. / »Hier Alter, riech mal!«, fordert der offenkundig Versehrte seinen Begleiter auf, kaum dass die beiden mir gegenüber Platz genommen haben, und hat auch schon damit begonnen, sich die schmutzstarrende Stoffbahn vom bleichen Beinfleisch zu schälen. / »Hoaa, fies!«, kommt es aufrichtig begeistert zurück. / Ein Befund, für den sich der Glatzkopf noch nicht mal nach vorn beugen muss. Der pestilenzartige Gestank hat sich längst im gesamten Wagen verbreitet. / Nachdem die Wunde, in der sich wahrscheinlich schon die ersten Maden tummeln, den Blicken der Öffentlichkeit wieder entzogen ist, wendet sich das Gespräch den zahllosen Tätowierungen zu, die die sichtbaren Körperteile des Punks bedecken. Besonders eine Reihe von Zahlen und/oder Buchstaben, die auf keinen Fall von einem Profi stammen können, hat das Interesse des Oi-Skins geweckt. / »Hähä«, freut sich der stolze Besitzer des Schandmals. »Das is' die Nummer, die mir die Bullen bei meiner letzten Verhaftung gegeben haben. Hab ich mir vor drei Tagen von Kopfschuss stechen lassen.« / Im Hauptbahnhof sehe ich die beiden Anwärter auf einen vorderen Platz bei den Weltfestspielen der Filzlauszüchter noch einmal. Ein lautstarkes »Hier marschiert der asoziale Widerstand!« auf den Lippen, humpeln sie an verstörten DB-Kunden vorbei durch die Vorhalle. / Ein Anblick, der mir den Tag aus gleich zweierlei Gründen verleidet. Zum einen habe ich mir schon vor Jahren, kaum dass ich beschlossen hatte, dass meine Ohren in diesem Leben auch noch etwas anderes zu hören bekommen sollten als ausschließlich Punkrock, nichts sehnlicher gewünscht, als dass die »Punkbewegung« diesen meinen Entschluss zur Kenntnis nehmen und alsbald in die Grube fahren möge. Wenn ich heute Punkrocker sehe oder erfahren muss, dass Bands, deren Platten ich bereits Anfang der / Achtziger erworben habe, immer noch (oder wieder) auf Tour gehen, fühle ich mich allzu sehr an diese bizarren, mit Creepers und Schmalztolle ausstaffierten Gecken erinnert, die sich einstmals Teds nannten. Die nämlich fuhren ebenfalls auf die Musik ihrer Väter ab, was mir bereits mit dreizehn so unanständig vorkam wie eine Mitgliedschaft im CVJM. / Zum anderen hat mir die trostlose Parade durch den Bahnhof einmal mehr vor Augen geführt, dass viele der real existierenden Punkrocker (Obacht! Ich rede hier von Punks, die auch so aussehen, nicht von diesen Kurze-Hose-Holzgewehr-Pennälern, die jedem Fähnleinführer Schreie des Entzückens zu entlocken vermögen), dass also viele derjenigen, die auch heute noch vor Supermärkten und U-Bahn-Eingängen ihr Sprüchlein aufsagen, ein paar der mittlerweile über zwanzig Jahre alten Parolen deutlich zu ernst genommen haben. Die Aufschrift »No Future« auf der Jacke zu tragen bedeutete 1983 nicht zwangsläufig, drogensüchtig zu werden und auf der Straße zu leben. / Heute scheint das anders zu sein, was sicher auch der gesamtgesellschaftlichen Situation geschuldet ist. Wer sich in einem Dorf in der Sächsischen Schweiz oder einem Vorort von Kiel entschließt, seine Haare fürderhin in der Tradition der Ureinwohner ostamerikanischer Waldgebiete zu tragen, bedarf ohne Zweifel einer regelmäßigen, drogensubstituierten Auszeit. / In der goldenen Epoche, die dieses Buch beschreibt, war das (zumindest im nichtsozialistischen Wirtschaftsraum) nicht wirklich vonnöten. Punk zu sein erforderte in einer Zeit, in der Millionen gegen Atomkraft und NATO-Doppelbeschluss auf die Straße gingen, nicht mehr Mut als ein Tritt gegen das

Rezension

"Ein wahrer Meister der Sprache. Jeder Satz ist ein Kaiserschnitt." junge welt

Portrait

Jan Off, geb. 1967 in Nowosibirsk, lebt in Hamburg.



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