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Der Clayton-Deal

Thriller. Deutsche Erstausgabe
  • ISBN:3-442-37060-4
  • EAN:9783442370603
  • Veröffentlichungsdatum:April 2009
  • Gewicht in g:347
  • Reihe:Blanvalet Taschenbücher
  • Seiten:448
  • Stilrichtung:Thriller

EUR 8,95

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Kurzbeschreibung von: Der Clayton-Deal

Raffiniert, rasend schnell und restlos überzeugend. Ein atemberaubend spannender Thriller um Geldwäsche, internationale Kriminalität und die Drahtzieher. Als Investmentbanker Tom Clayton die Existenz eines Schweizer Bankkontos entdeckt, auf dem sein Großvater einst Geld deponiert hatte, kommt ihm das wie gerufen. 50 Jahre lang verzinst, dürfte die Summe gerade den Betrag decken, den er veruntreut hat. Doch als er in Zürich vorspricht, ist die Summe weitaus größer als erwartet. Clayton bringt das Geld in Sicherheit - und ruft damit einen gefährlichen Gegner auf den Plan ...

Leseprobe von: Der Clayton-Deal

»Fünfhundertsiebenundsechzigtausenddreihundertvierundachtzig Dollar und zweiundzwanzig Cent.«
Er las die Zahl laut und starrte auf das Stück Papier. Auf dem engen Dachboden klang seine Stimme gedämpft. Draußen war der Lärm der Brecher kaum vom Tosen des Windes zu unterscheiden, kein ungewöhnlich starker Wind, nur der graue Klang des Winters an der Küste von Long Island. Sein Vater war tot, und selbst im Alter von vierzig Jahren spürte Tom Clayton die Leere. Er wünschte, er hätte ihn in letzter Zeit öfter gesehen, aber er verdrängte den Gedanken.
Es war alles so plötzlich gekommen: Eben noch war er gesund gewesen und hatte sich nach einem erfüllten Leben auf die verdiente Pensionierung gefreut, und im nächsten Moment lag er tot in seinem Zimmer an der Columbia-Universität, am letzten Dienstag um sieben Uhr abends. Zerebrale Embolie, hieß es.
Um zwei Uhr morgens hatte der Dekan Tom in London angerufen und ihm die traurige Nachricht übermittelt. Jetzt, kaum eine Woche später, war alles vorbei. Caroline und die Kinder waren nach Hause zurückgefahren, aber er war noch geblieben, angeblich, um »ein paar Dinge zu regeln«, aber in Wahrheit, um ein paar Tage mit seinen Gedanken allein zu sein.
Die Beerdigung im Norden des Staates war gut besucht gewesen: ein paar Angehörige, entfernte Cousins aus Boston, Mutters Verwandte aus Ohio, viele Freunde, Studenten und Fakultätsangehörige aus der Columbia-Universität, frühere Kollegen aus Cambridge und ein paar Fremde -Männer in schicken Limousinen und Armani-Anzügen. Toms kleine Schwester Tessa war da gewesen, die einzige nähere Verwandte, die in Amerika geblieben war. Sie war mit Mann und Kindern aus Manhattan gekommen, verweint und deprimiert. Sie hatte ihrem Vater sehr nahegestanden. Tom musste zugeben, dass ihr Schmerz wohl länger anhalten würde als der seine.
Tessa war in dieser Woche dreimal im Haus gewesen, zweimal, um ungebetene Immobilienmakler zu vertreiben, aufdringliche Geschäftemacher, deren Beileidsbezeugungen den gierigen Glanz in ihren Augen nicht verbergen konnten: Schließlich kam nicht alle Tage ein Haus mit Seegrundstück auf Long Island auf den Markt. Und zumindest im Moment hoffte Tom, dass auch dieses nicht zum Verkauf stehen würde. Daher blieb er am Wochenende allein. Früh am Morgen ging er am Strand entlang und schmeckte die Erinnerungen einer fernen Kindheit. Er warf Kiesel ins Meer, lag auf dem Rücken in den Sanddünen und blinzelte in den bewölkten Himmel. Und betete, dass ein Wunder geschah.
Dann befasste er sich damit, das Inventar des Hauses zu erfassen, wobei er versuchte, nicht an den Geldwert zu denken, sondern sich darauf zu konzentrieren, die Familienerbstücke zu erhalten. Vieles davon hatte bereits seinem Großvater gehört. Sein eigener Vater hatte vor allem Bilder und Bücher hinzugefügt - überall waren Bücher, viele davon alte, wertvolle Manuskripte, philosophische Schriften in Altgriechisch und Erinnerungen an seine jährlichen Weltreisen, die er hauptsächlich in den Jahren seit dem Tod von Toms Mutter unternommen hatte.
Solange Tessa nichts dagegen hatte - und sie hatte genug Geld, sowohl ihr eigenes als auch das, das ihr durch ihre Heirat mit Wall-Street-Adel zur Verfügung stand -, hatte Tom stets darauf bestanden, dass sie das Haus auf der Insel behielten, und sei es auch nur aus dem Grund, damit seine stark anglisierten Kinder nicht den Kontakt zu Amerika verloren. Jetzt, wo beide Eltern tot waren, wollte er das Haus mehr denn je. Seit seiner Heirat mit Caroline fühlte Tom sich immer stärker in England verwurzelt: Der Verlust des Hauses auf der Insel hieße, einen Teil seiner nationalen Identität aufzugeben. Jetzt musste er sich mit der Möglichkeit befassen, dass man es ihm wegnehmen könnte.
Tom wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Stück Papier vor ihm zu. Nicht die Zahl selbst war bedeutsam, auch wenn 567.384,22 Dollar für jeden interessant sein sollten, sondern das Datum: 30. Juli 1944.
Der Monat, bevor sein Großvater gestorben war. Eine halbe Million Dollar musste vor einem halben Jahrhundert etwa so viel gewesen sein wie heute fünf Millionen - so viel sagte Tom sein finanzwirtschaftliches Wissen auch ohne Taschenrechner.
Doch am meisten interessierte ihn das Papier, auf dem die Summe eingetragen war. Es war das lose Blatt eines Kontoauszugs der United Credit Bank, Bahnhofstraße, Zürich, Schweiz, das den Kontoinhaber eindeutig als Patrick S. Clayton, 650W 10th St, New York, NY, USA, auswies.
Er hatte es kurz zuvor auf dem Dachboden gefunden, in einer Kiste, die augenscheinlich den Schreibtischinhalt des alten Herrn enthielt, einschließlich eines Tagebuchs von 1944, dessen letzter Eintrag vom 15. Juli datierte. Tom würde es später lesen. Ein Halter voller Visitenkarten mit sehr bekannten Titeln und zum Teil auch Namen: der Bürgermeister von New York City, ein Vizepräsident der Chase Bank, der Präsident der Union Pacific und Mr Clark Gable aus Hollywood, Kalifornien. Da waren alte Scheckabschnitte, Theaterprogramme, Angebote für eine Zentralheizung und ein Ticket für ein Spiel der Giants. Und ein 38er Smith & Wesson, ohne Patronen in der Trommel und mit einem Lauf, der immer noch glänzte, als Tom vorsichtig mit dem Ärmel darüberstrich.
Merkwürdigerweise nahmen ein Frack, ein Bademantel und ein Paar weißer Schuhe mit schwarzen Spitzen den größten Teil des Kisteninhalts ein, und obenauf lag eine wunderschöne, handgearbeitete Tagesmappe, eine von denen mit Klappen und Blattgoldaufdruck und mit einer unscheinbaren Prägung in der rechten unteren Ecke, die deutlich als Tiffany & Co. erkennbar war.
Tom legte sie beiseite - das würde er nach England mitnehmen, um es in Ruhe zu lesen - und fuhr fort, die Kiste zu durchsuchen. Er entschied sich, auch das Tagebuch mitzunehmen, und überlegte kurz, die Waffe einzustecken, doch dann dachte er an die britischen Zollbehörden und verwarf den Gedanken. Er blieb auf dem Dachboden, ließ sich in einem alten Schaukelstuhl nieder und begann, die Tagebucheinträge zu lesen. Dabei fiel sein Blick auf eine Ecke des Kontoauszugs, die unter der Tagesmappe hervorsah, und zog ihn hervor.
Tom Clayton war kein Narr, schon gar nicht, wenn es um Geld ging, die Sache, von der er am meisten verstand. Er war sich durchaus der Tatsache bewusst, dass sein Großvater wohlhabend gewesen war, reich genug, dass sein Vater bequem von seinem Erbe leben konnte, während er seine Energie auf die Verfolgung seiner akademischen Ziele konzentrierte - was ihm ironischerweise so gut gelang, dass ihn die Unterstützung eines guten Verlegers und ausgedehnte Vortragsreisen in seinen späteren Lebensjahren auch so reich gemacht hätten. Doch eine halbe Million Dollar, die während des Krieges in der Schweiz angelegt wurde, musste illegal sein, oder zumindest zweifelhaft genug, dass man darüber Stillschweigen bewahrte.
Wenn das der Fall war und wenn das Geld noch da gewesen war, als der alte Knabe starb, was war dann daraus geworden?

Autorenportrait von: Der Clayton-Deal

Bill Vidal wurde in Argentinien geboren und wuchs in England auf. Sein beruflicher Weg führte ihn über die USA, Südamerika, den Nahen Osten, Südostasien und Europe. Schließlich ließ er sich mit seiner Frau und den gemeinsamen Zwillingen im englischen Kent