Kurzbeschreibung:
Der Band »Heimliche Leser in der DDR« behandelt ein Phänomen, das dem geistig regen Bewohner des einstigen »Leselandes« und seinem westlichen Besucher bestens vertraut war: Man versuchte irgendwie an Literatur heranzukommen, die in der DDR ausgegrenzt oder verboten war. Dabei ging es nicht nur um Biermann und Bahro, sondern auch um Bravo und Erotika, um Orwell und den Otto-Katalog. Der Leser erfährt, wie 42 000 Exemplare des Wachtturms in einen VWBuspassen und wie man Bücher am Besten im Eisenbahnklo verstecken konnte. Die Nervenanspannung bei der Zollkontrolle kommt dabei genauso zur Sprache wie die unwiderstehliche Anziehungskraft von Giftschränken in Bibliotheken und das Verlangen nach Westliteratur an den Leipziger Messeständen. Um solche Erfahrungen auszutauschen trafen im Herbst 2007 auf einer Tagung der Leipziger Buchwissenschaft erstmals Bücherschmuggler mit Zollexperten, Theologen mit Rolling-Stones-Importeuren und Postkontrolleure der Stasi mit Orwell-Lesern zusammen. Sie geben in Aktenanalysen und Zeitzeugenberichten Einblicke in eine Welt voller leidenschaftlicher Leser, in eine Welt ohne Kopiergeräte und eigeneDrucker, in der die Texte als besonders kostbar galten.
Autorenportrait:
Siegfried Lokatis
Jahrgang 1956, Studium der Geschichte, Archäologie und
Philosophie in Bochum und Pisa, 1993 – 2001 Mitarbeiter am
Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam und
2006 Professur für Buchwissenschaft an der Universität Leipzig;
zahlreiche Veröffentlichungen zur Verlagsgeschichte im »Dritten
Reich« und in der DDR.
Ingrid Sonntag
Jahrgang 1953, Germanistikstudium in Leipzig, Lektorin im
Mitteldeutschen Verlag Halle und in der Gustav Kiepenheuer
Verlagsgruppe Leipzig, Geschäftsführerin der Freien Akademie
der Künste zu Leipzig, heute freiberufl ich, Lehraufträge an der
Universität Leipzig; zahlreiche Buch-Herausgaben.