Kurzbeschreibung:
Vampire können verdammt sexy sein, aber auch verdammt gefährlich ...
Wo Vampire ihr Unwesen treiben, ist Genevieve Taylor nicht weit. Schließlich arbeitet sie für Spellcrackers.com in London und musste schon oft einschreiten, wenn Trolle, verschlagene Feen oder Vampire mit ihren magischen Fähigkeiten wieder einmal Unheil angerichtet haben. Immer stand sie auf der Seite der Opfer, doch nun will Mr. Oktober, einer der heißen Vampirmodels, sie engagieren. Er soll seine Freundin umgebracht haben, und Genny soll den wahren Mörder finden. Dass sie dabei auf einen unwiderstehlichen Blutsauger trifft, könnte zu Komplikationen führen ...
Eine perfekte Mischung aus Spannung, Humor und erotischem Knistern.
Der Beginn einer neuen fesselnden Vampir-Reihe um eine ungewöhnliche Heldin mit Biss.
Leseprobe:
Er sah aus wie ein gefährlich schönes Klischee. Das dichte schwarze Haar des Vampirs war im Nacken geflochten, ein Stil, der seine blassen, kantigen Züge hervorragend betonte. Melancholische graue Augen starrten den Betrachter mit düsterer Verheißung an. Schwarze Seide umspielte markante Brustmuskeln und einen Waschbrettbauch. Die langen, sehnigen Beine steckten in einer schmiegsamen Nappalederhose. Ein knöchellanger Mantel ergoss sich über die Steinstufen, auf denen er lässig thronte, was den Eindruck erweckte, er säße in einem verführerischen Schattenteich.
Im Hintergrund war das London Eye, das Londoner Riesenrad, zu sehen, und am Nachthimmel explodierten Feuerwerkskörper.
Dieses Bild prangte auf der Frontseite jeder nationalen Zeitung: eine besonders reißerische Promistory, mit der faszinierenden Zutatenmischung aus Mord und Vampir. Ich fand das Ganze bestenfalls milde interessant - mich ging es jedenfalls nichts an.
Dachte ich zumindest.
Es war Ende September, und London ächzte unter einer ungewöhnlichen Hitzewelle. Die Sonne brannte unbarmherzig herab und brachte die Pflastersteine zum Glühen. Ich saß an meinem gewohnten Ecktisch im Rosy Lee Café und schaute mir das Bild des attraktiven Vampirs an. Die Touristen, die Covent Garden normalerweise in Scharen heimsuchten, hatten sich alle in den kühlen Schatten der ehrwürdigen St. Paul's Cathedral zurückgezogen, und selbst die Straßen-Entertainer hatten der Hitze weichen müssen, sodass der gepflasterte Platz nun verlassen dalag. Aber im Café war's auch nicht viel besser. Es gab keine Klimaanlage, und obwohl Türen und Fenster weit offen standen, um jede Brise einzufangen, lastete die Hitze wie ein zähes Gewicht auf mir.
Nun, wenigstens war's still und friedlich.
Ich arbeite bei Spellcrackers.com - Wir knacken jeden Zauber! - und hatte den ganzen Vormittag lang Pixies, kleine koboldähnliche Wesen, über den Trafalgar Square gejagt. Die Biester hatten versucht, die riesigen Bronzelöwen mit einem Zauber lebendig zu machen - etwas, das ihre magischen Fähigkeiten bei weitem überstieg. Aber es war schon ihr fünfter Versuch in diesem Monat, und das eine musste man ihnen lassen: Sie waren ganz schön hartnäckig. Die Pixies waren schuld, dass ich mein Mittagessen versäumt hatte. Und nun saß ich hier im Café und wartete auf meinen Imbiss, bevor ich mich mit meinem nächsten Auftrag befasste.
Leider hatte Katie, die Kellnerin, andere Vorstellungen.
Begeistert schob sie mir noch mehr Zeitungen hin. "Hey, Genny, jetzt schau dir die mal an!"
Ich warf einen ergebenen Blick auf die Schlagzeilen.
Promi-Vampir wegen Mordes an seiner Freundin verhaftet, verkündete eine Zeitung in fetten Lettern. Mr. Oktober in Nöten, plärrte eine andere. Und schließlich noch die besonders originelle Schlagzeile: Ein Biss war genug!
Hm. Die würden bestimmt keinen Preis für die Schlagzeile des Jahres gewinnen, höchstens für die Schriftgröße.
Katie deutete mit einem sehnsüchtigen Seufzen auf das Foto des Vampirs. "Hach, das ist alles so tragisch!" Sie streichelte ihren blauen Herzanhänger, den sie nie ablegte. "Findest du ihn nicht auch einfach umwerfend? Dieses Bild von ihm war auch in dem Kalender, weißt du."
"Hm", murmelte ich. Ich konnte Katies Teenager-Schwärmerei für Vampire leider nicht teilen.
"Dieser Kalender mit all den touristischen Sehenswürdigkeiten?" Sie stieß mich mit dem Ellbogen an, um mich aus meiner Lethargie zu reißen. "Und den Vampiren in historischen Kostümen? Zum Beispiel das mit diesem schnuckeligen Ritter, der vor dem Buckingham Palace posierte? Uuuh ja, und dann Mister April, der römische Zenturio, also der war verdammt heiß, aber nicht so heiß, wie ..."
"Apropos heiß", unterbrach ich ihren Wortschwall, "du könntest mir nicht vielleicht meinen Orangensaft bringen? Ich komme um vor Durst."
"Ha, ha, sehr witzig, Genny." Sie erhob sich und tänzelte mit wippendem Minirock in Richtung Küche. Sie hatte es gut: Trägertop und Mini, das konnte ich mir in meinem Beruf nicht leisten.
Ich schloss kurz die Augen. Dann öffnete ich sie wieder und konzentrierte mich auf Katie, das bedeutete, auf den Teil von mir, der Magie sehen kann. Sie war in einen blauen Schimmer gehüllt, etwa so wie ein Mensch in seine Aura. Ich atmete erleichtert auf. Der Schutzzauber, den ich für Katie gekauft und heimlich mit ihrem blauen Herzanhänger verbunden hatte, funktionierte noch immer einwandfrei. Covent Garden ist der Ort, an dem die meisten Hexen anzutreffen sind. Man kann dort jeden Zauber bekommen, den das Herz begehrt: einen Frisurenzauber, wenn der Mopp mal wieder nicht richtig sitzen will, oder einen Knebelzauber gegen den lauten Nachbarn, ja sogar einen Strafzettelabwehrzauber - obwohl so was natürlich verboten ist. In dieser Gegend zu arbeiten hat seine Vorteile, aber man muss natürlich auch auf der Hut sein. Eine verärgerte Hexe begnügt sich meist nicht damit, dich anzuschreien ... Ein Gesicht voller eitriger roter Pickel sieht nie gut aus.
"Was sagst du zu dieser Affenhitze?" Katies Stimme drang aus der Küche, wo sie sich mit Freddie, dem Koch, unterhielt. "Im Fernsehen haben sie gesagt, dass es seit zehn Jahren nicht mehr so heiß war!"
Das war mein Stichwort, und ich fächelte mir mit der Speisekarte Luft zu, vor allem im Nacken, wo die schweißnassen Spitzen meines kurzen Haars klebten. Meine weiße Leinenweste war ja okay, aber die schwarze Leinenhose war ein Missgriff. Das Problem ist, ich bin kein Rocktyp und Shorts wären zu unprofessionell. Ich ließ meinen magischen Blick durchs Café schweifen. Für einen richtig guten Abwehrzauber, der die ganze Gewerbefläche absichert, braucht man ein ganzes Kapitel Hexen - dreizehn an der Zahl -, und das kostet eine schöne Stange Geld. Das konnte Freddie sich nicht leisten. Deshalb machte ich im Austausch für das eine oder andere Gratissandwich hier regelmäßig sauber.
Das Café war magiefrei, aber von meinem Handy ging ein verdächtiger Schein aus. Kacke. Ich nahm es und warf einen Blick auf den daumennagelgroßen Kristall auf der Rückseite. Ein schwarzer, sternenförmiger Riss zerteilte den Kristall, als hätte sich ein Schiefer hineingebohrt.
Verdammte Pixies. Und dabei war ich so vorsichtig gewesen, als ich hinter ihnen aufkehrte. Trotzdem war der Kristall beim Knacken der diversen Pixiezauber zersprungen. Jetzt musste ich mir einen neuen kaufen, wenn ich nicht riskieren wollte, dass das Handy beim nächsten Einsatz gebraten wurde. Und solche Dinger waren nicht gerade billig.
Konnte mein Tag noch schlimmer werden?
Autorenportrait:
Suzanne McLeod hat als Cocktail-Spezialistin, Kellnerin und Managerin einer Künstlergruppe einige Erfahrungen im Londoner Nachtleben gesammelt, bevor sie auf die Idee kam, diese Erfahrungen in ihre ebenso fantastische wie witzige Reihe um die Vampirjägerin Genevieve Taylor und spellcrackers.com einfließen zu lassen. Die Autorin lebt an der Südküste Englands mit ihrem Mann und zwei Hunden und schreibt bereits an ihrem nächsten Roman.