Aus der Glitzerwelt der Bankentürme in die Einsamkeit der Berggipfel<br />
<br />März 2007. Die internationalen Finanzmärkte sind in glänzender Verfassung. Rudolf Wötzel, Deutschlandchef der Sektion Mergers & Acquisitions bei der globalen Investmentbank Lehman Brothers, nimmt aus freien Stücken seinen Hut. Sein Grund: Sinnkrise, Burnout, Zweifel am System. Seine Absicht: die Hochgebirgs-Kämme der Alpen zu Fuß zu überqueren, von Salzburg bis Nizza. <br />Ein Mensch, der das durchhält, ist ein Leistungsjunkie. Aber auch einer, der auf der Suche nach sich selbst ist. Ein Bergpilger. Ein Mensch, der in unendlich vielen Stunden der Einsamkeit seine persönlichen Prägungen und seine schillernde Vergangenheit verarbeitet. Der durch intensive Begegnung mit der wilden Natur und mit den Menschen der Berge endlich zu sich selbst findet.<br />Die packende Geschichte einer radikalen Neuorientierung - vom Abenteuer, alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen.<br />
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Was treibt einen Topmanager dazu, von heute auf morgen seinen Beruf an den Nagel zu hängen, den Rucksack zu packen und in Salzburg loszulaufen, um viele Monate später und um intensive Erfahrungen reicher das Mittelmeer zu erreichen? In diesem packenden Buch erzählt jemand von Sinnsuche, innerer Wandlung und dem Abenteuer, alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen.
Von Salzburg zum Großglockner§1. bis 10. Etappe,§22. Mai bis 5. Juni 2007§Herr W. stand am Fenster seines Frankfurter Büros an der Fressgasse und blickte auf die Passanten unter ihm in der Fußgängerzone. Leichter Nieselregen fiel, die Menschen hatten es eilig. Herrn W., Managing Director und Chef des Bereichs Mergers & Acquisitions einer global agierenden Investmentbank, bereitete es Mühe, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Denn etwas Störendes hatte sich in seinem Kopf eingenistet. Erst war es nur ein flüchtiger Gedanke gewesen, der vor einigen Wochen aus dem Nichts auftauchte und zunächst wieder verschwunden war. Doch der Gedanke kehrte zurück, zaghaft zunächst, dann wieder und wieder, in immer kürzeren Abständen. Er forderte, weitergedacht, präzisiert zu werden. Er übernahm unaufhaltsam eine Hauptrolle im inneren Dialog W.'s. Inzwischen war der Gedanke zur Idee, war die Idee zur Vision geworden, ein permanenter, überaus hartnäckiger Begleiter. Ein Virus, das allmählich alle Fasern des Bewusstseins befallen hatte. W. nahm seinen Regenschirm, verließ das Büro und ging hinüber in die große Buchhandlung. Er kaufte eine Landkarte, die erste von vielen. Region Salzburger Land. Die Inkubationszeit war vorbei. Das Virus war ausgebrochen.§Die Reifen knirschen im Kies, als das Taxi auf den Parkplatz vor den Toren Salzburgs rollt. Der Wagen hält unter dem schattigen Blätterdach einer alten Kastanie. Ich zahle und steige aus. Die ersten Eindrücke meines neuen Lebens sind elementare sinnliche Erfahrungen, wie die schüchternen Atemzüge eines Neugeborenen: vorsichtig prüfende Schritte, das Abrollen der weichen Gummisohle meiner brandneuen Wanderschuhe, das geschwätzige Mahlen der Steinchen unter meinen Füßen im Ohr. Ich schnuppere das frische Grün des Laubwaldes. Es ist Frühling, fast Sommer schon, im beschaulichen Salzburger Land. Eindrücke, die sich in meinem Gedächtnis einprägen wie Fußabdrücke im frischen Ton. Ich atme die Erwartung des kommenden halben Jahres ein: Unbeschwertheit und Freiheit, Fülle an Zeit. Die Ahnung von Gefahr und Abenteuer. Ich habe ein komisches Gefühl im Bauch. Drehe mich um und blicke noch einmal zurück. Das Taxi ist weggefahren.§So fühlt sich das also an. Der Beginn meiner langen Wanderung zu mir selbst. Mit dem Taxi ist das letzte sichtbare Verbindungsglied zur alten Welt verschwunden. Es muss ein eingespielter Reflex gewesen sein, dass ich mich heute in ein Taxi setzte, um an diesen Punkt zu gelangen.§Oder habe ich es getan, um jetzt den ersten Schritt ins Unbekannte noch abrupter zu setzen, um ihn auf möglichst klare Weise unumkehrbar zu gestalten? Früher wäre ich direkt aus dem Taxi womöglich in die Vorstandsetage eines DAX-Konzerns gehetzt - nervös, unausgeschlafen und verschwitzt, mit Präsentationen unter dem Arm. Um einen hochwichtigen Termin mit einem hochwichtigen Vorstand wahrzunehmen. Oder ich hätte mich an einem Fünf-Sterne-Hotel vorfahren lassen. Hätte der Rezeptionistin eingeschärft, eingehende Faxe umgehend auf mein Zimmer bringen zu lassen. Vielleicht hätte ich eine halbe Minute routiniert mit ihr geflirtet, während der Boy mein Gepäck versorgte. Alles gewesen, alles vorbei. Das alte Leben endet lakonisch mit dem Zuschlagen einer Autotür.§Glücklich hatte mich dieses Leben schon lange nicht mehr gemacht, doch es war vertraut, alles lief glatt. Und ich wusste ja nicht so recht, was ich sonst machen sollte. Nun stehe ich hier, am Saum eines Waldes, der bereit ist, mich in sich aufzunehmen mit seiner Kühle. Alles, was ich in den nächsten Monaten zu meiner Verfügung haben werde, trage ich in einem Rucksack auf dem Rücken. Um mich herum ist nur noch Natur. Und Stille. Mein Herz klopft.§Belissen, wie zur Ablenkung, nestle ich an den Riemen, um mir das ungewohnte Gewicht auf den Schultern etwas angenehmer zu machen. Klar, ich habe mein neues Leben bis ins letzte Detail durchgeplant, aber eben nur vom Schreibtisch aus. Nun ist es
Rudolf Wötzel wurde 1963 in München geboren und startete nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und einem Master of Business Administration am renommierten INSEAD eine erfolgreiche Karriere in der Finanzwelt: Er arbeitete als Senior-Unternehmensberater und Investmentbanker für das Topmanagement internationaler Konzerne. Heute lebt er als freier Schriftsteller und Gründer einer Wohltätigkeitsorganisation in Pfäffikon bei Zürich und in Klosters in den Schweizer Bergen, wo er ein Restaurant betreibt. Sein Ziel ist es, den Menschen die Schönheiten der Natur als Quelle der Inspiration und Energie nahezubringen.
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