Willkommen bei buch.de !

 

  

Deutsche Eiche, Made in China

   von Klaus Brill

buch.de-Verkaufsrang:
21569
ISBN-10:
3-89667-374-2
ISBN-13:
978-3-89667-374-9
Erschienen:
09.2009
Sofort lieferbar
Einband:
gebunden
Sonstiges:
22 cm
Seitenzahl:
348
Gewicht:
520 g
Erschienen bei:
Karl Blessing Verlag

Kurzbeschreibung

Ein beispielhaftes Dorf unter Tausenden - gewachsene Sozialstruktur gegen eine Welt im Wandel<br />
<br />Die Globalisierung lässt sich im kleinen Maßstab am besten verstehen: lebensnah, konkret, menschlich. Am Beispiel eines typischen deutschen Dorfes zeigt Klaus Brill, langjähriger Auslandskorrespondent der »Süddeutschen Zeitung«, die »Globalisierung im Kleinen«.<br />
<br />Denn mit den wachsenden weltweiten Informations- und Warenströmen greift ein neues Nomadentum um sich, und der Unterschied zwischen Stadt und Land verringert sich. Geschäfte, Gasthäuser, Schulen und sogar Kirchen schließen, die Vereinskultur schläft mangels Mitgliedern ein - wodurch regionale Eigenheiten und Identitäten bedroht sind. Ein Phänomen, das sich weltweit beobachten lässt. Dabei könnte das lebendige Dorf für viele typische Probleme der Globalisierung beispielhafte Lösungsansätze bieten: Bürgerinitiativen und ehrenamtliches Engagement sind im Dorf selbstverständlich; ein Geflecht von Gegenseitigkeit und persönlichen Kontakten ermöglicht bessere Integration; die aktive Vereinskultur verhindert Vereinzelung und bietet Jugendlichen ein soziales Umfeld.<br />
<br />Klaus Brill nimmt beispielhaft ein Dorf im seit Jahrhunderten europäisch vernetzten Saarland unter die Lupe, setzt das Lokale in Bezug zum Internationalen und zeigt, dass dem Dorf, das schon lange keine isolierte Provinz mehr ist, auch heute noch eine zivilisatorische Stärke innewohnt, von der die ganze Gesellschaft profitieren kann.<br />
<br />Der unbeachtete Kontinent auf dem vernetzten Globus: die Welt der Dörfer, Keimzelle der Zivilisation.<br />
<br />

Leseprobe

Eines Tages, nach langen Vorarbeiten und Erwägungen, ging ich durch den Ort. Schon im Morgengrauen, als ich auf die Türschwelle meines Elternhauses trat und hinauf zum Schaumberg schaute, lag in der Luft das dumpfe Singen, das die Rotation von Autoreifen auf Asphalt erzeugt. Ein paar Vögel fingen an zu tschilpen, ein paar Fenster waren schon erleuchtet. Aus Kaminen stieg steil der Rauch, und hell hing noch der halbe Mond im Novemberfirmament. Bald darauf war im Tal ein einsamer, verdrückter Hahnenschrei zu hören, der keine Antwort erhielt und sich nur wenige Male wiederholte. Wann hat hier im Dorf zuletzt der Tag mit jenem auftrumpfenden, lärmenden Wechselgesang der Hähne begonnen, den ich drei Jahre zuvor im Urlaub auf einer Estancia in Uruguay zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gehört hatte?§Raureif lag auf den Gräsern am Pfädchen zur Birkenstraße, droben stand eine Frau und wartete darauf, abgeholt zu werden. Stumm lag zur Seite der Birkenhof, früher eine Gaststätte, später wohnten deutschstämmige Aussiedler aus der früheren Sowjetunion darin, jetzt waren es Wohnungen. Gegenüber stand das unscheinbare Haus der Telekom, eine Schaltstation für die Telefonverbindungen in alle Welt.§Auf der Hauptstraße keuchte bremsend ein Lastwagen den Berg von Tholey herab, hinter ihm staute sich eine Pkw-Schlange. Außer mir ging niemand zu Fuß, aber vor dem Autohaus, das als ein blauer Klotz am früheren Standort der alten Schule liegt, ließ Heinz, der Seniorchef, der den Betrieb aus dem Nichts aufgebaut hatte, schon kurz nach sieben Uhr rollend das Garagentor herab und fuhr in einem Kleinwagen davon.§Ich verließ die Hauptstraße und ging ins Tal hinunter zum Heggeborre, früher einer der Dorfbrunnen. Hier schäkerten vor Zeiten die jungen Männer, wenn sie am Bach die Kühe und die Pferde tränkten, mit den jungen Frauen, die hier das Wasser holten. Inzwischen hatte man dem Heckenborn einen neuen Trog gemauert, aber jetzt, im Herbst, lag Laub darin, kein Wasser rann, die Sitzbank war mit schwarzem Filzstift beschmiert.§Es war morgenfeucht und novembergrau, aber noch nicht kalt. Kein besonderer Tag, dieser Freitag, er sollte es nach meiner Vorstellung auch ganz und gar nicht sein. Willkürlich hatte ich ihn ausgesucht, frei von aller Absicht, nur nach anderen Verpflichtungen im Terminkalender kalkulierend. Ich wollte mich dem Zufall überlassen, der Momentaufnahme und der beiläufigen Begegnung. Einfach einen Tag lang kreuz und quer durch die Straßen und die Fluren laufen und versuchen, das Dorf mit frischen Augen zu sehen.§Das Dorf als Prinzip und als weltgeschichtliche Idee - das faszinierte mich. Immerhin lebte trotz rasch fortschreitender Verstädterung immer noch die Hälfte der Menschheit im Dorf, bis zum Jahr 2006 war es noch die Mehrheit gewesen. In Deutschland gibt es rund 30 000 Dörfer, in der EU mehr als 140 000. Für die ganze Welt wird ihre Zahl auf 1,5 bis drei Millionen geschätzt, davon je ein Drittel in China sowie in Indien-Pakistan-Bangladesch. Exakte Zahlen sind nicht aufzutreiben, auch nicht in Deutschland, und schon das belegt, dass diese Lebensform seit Langem zu den missachteten gehört.§Als Reporter war ich durch viele Dörfer und Städte gelaufen. In Deutschland, in Skandinavien, Italien, Frankreich, Tschechien, auf dem Balkan, in den USA und anderen Ländern hatte ich etwas vom Leben ihrer Bewohner zu erfassen versucht. An der Donau in Rumänien hatte ich erst vor Kurzem bei einer Überschwemmung Dörfer gesehen, deren Einwohner sich noch aus den Erträgen von Ackerbau und Viehzucht rundum selbst versorgten und mit ihren Tieren eng in einer winzigen Hofstelle lebten, wie die Menschen in Alsweiler vor 100 Jahren. Und den Broadway, die 33 Kilometer lange Hauptstraße von New York City, hatte ich als eine Aneinanderreihung Hunderter von Dorfstraßen empfunden, wenngleich mir klar war, was unverwechselbar auch Stadt war an dieser Agglomeration. Und dass die Stadt als Organisationsmo

Beschreibung

Ein beispielhaftes Dorf unter Tausenden gewachsene Sozialstruktur gegen eine Welt im Wandel§Die Globalisierung lässt sich im kleinen Maßstab am besten verstehen: lebensnah, konkret, menschlich. Am Beispiel eines typischen deutschen Dorfes zeigt Klaus Brill, langjähriger Auslandskorrespondent der "Süddeutschen Zeitung", die "Globalisierung im Kleinen".§Denn mit den wachsenden weltweiten Informations- und Warenströmen greift ein neues Nomadentum um sich, und der Unterschied zwischen Stadt und Land verringert sich. Geschäfte, Gasthäuser, Schulen und sogar Kirchen schließen, die Vereinskultur schläft mangels Mitgliedern ein wodurch regionale Eigenheiten und Identitäten bedroht sind. Ein Phänomen, das sich weltweit beobachten lässt. Dabei könnte das lebendige Dorf für viele typische Probleme der Globalisierung beispielhafte Lösungsansätze bieten: Bürgerinitiativen und ehrenamtliches Engagement sind im Dorf selbstverständlich; ein Geflecht von Gegenseitigkeit und persönlichen Kontakten ermöglicht bessere Integration; die aktive Vereinskultur verhindert Vereinzelung und bietet Jugendlichen ein soziales Umfeld.§Klaus Brill nimmt beispielhaft ein Dorf im seit Jahrhunderten europäisch vernetzten Saarland unter die Lupe, setzt das Lokale in Bezug zum Internationalen und zeigt, dass dem Dorf, das schon lange keine isolierte Provinz mehr ist, auch heute noch eine zivilisatorische Stärke innewohnt, von der die ganze Gesellschaft profitieren kann.§Der unbeachtete Kontinent auf dem vernetzten Globus: die Welt der Dörfer, Keimzelle der Zivilisation.§

Portrait

Klaus Brill, geb. 1949 in Alsweiler/Saarland. Nach dem Studium der Germanistik und Romanistik journalistische Lehr- und Wanderjahre in Augsburg, Bonn, Luxemburg, London, danach Korrespondent der 'Süddeutschen Zeitung', zunächst in Frankfurt und Hamburg, seit 1992 in Rom.



Mehr über...
  • Mehr über:  Globalisierung, Kommunalpolitik, Dorf, Saar / Saarland
  • Mehr von: 
  • Mehr von:  Klaus Brill, Karl Blessing Verlag


  •  


    Bei Videoaufzeichnungen sind Widerruf und Rückgabe gemäß § 8 unserer AGB nicht möglich, wenn die gelieferten Datenträger vom Kunden entsiegelt worden sind.