Kurzbeschreibung:
Die Steuerfahnderin Anna wird auf den steinreichen John Law angesetzt. Sie soll herausfinden, was der rätselhafte Kryptograph, der Erfinder einer sicheren elektronischen Währung, zu verbergen hat. Weil er so mächtig ist, traut ihm niemand über den Weg. Aber Anna fühlt sich von Law angezogen. Sie weiß, dass sie ihn verstehen muss, um ihn überführen zu können. Es ist eine Welt, in der es keine Sicherheit mehr gibt weder für die Liebe noch für das Geld, denn der so sicher gedachte Währungscode des Kryptographen wird geknackt.Tobias Hill erzählt mit enormer Spannung und poetischer Genauigkeit vom Zusammenspiel von Geld und Moral, Vertrauen und Liebe. Eine spannungsgeladene Liebesgeschichte
Die Steuerfahnderin Anna wird auf den steinreichen John Law angesetzt. Sie soll herausfinden, was der rätselhafte Kryptograph, der Erfinder einer sicheren elektronischen Währung, zu verbergen hat. Weil er so mächtig ist, traut ihm niemand über den Weg. Aber Anna fühlt sich von Law angezogen. Sie weiß, dass sie ihn verstehen muss, um ihn überführen zu können. Es ist eine Welt, in der es keine Sicherheit mehr gibt weder für die Liebe noch für das Geld, denn der so sicher gedachte Währungscode des Kryptographen wird geknackt.Tobias Hill erzählt mit enormer Spannung und poetischer Genauigkeit vom Zusammenspiel von Geld und Moral, Vertrauen und Liebe.
Rezension:
"Hill gehört zu den großen Talenten seiner Generation." (Independant on Sunday)
Das Buch zur Finanzkrise: Tobias Hill wirft einen Blick in die Zukunft des virtuellen Geldes- und findet dort nur Verrat und enttäuschte Liebe". (Frankfurter Allgemeine)
Leseprobe:
Winter
Sie hat sich verspätet, und er sitzt allein an seinem Tisch. In dem kurzen Moment, bevor er aufblickt, sieht sie ihn so deutlich wie einen Fremden. Er ist ein alter Mann, Hals und Hände bedeckt mit Altersflecken, so dunkel wie abgehangenes Fleisch, doch seine Augen sind immer noch schön. Sie sind ihm unangenehm: lieber würde er weniger gut aussehen und damit weniger auffallen. Dass es sein Lieblingstisch in seiner Lieblingsbar ist, könnte ein Fremder schon an der Art erkennen, wie er dasitzt. Der Ort, wo er hingehört, wo die Kellnerinnen ihn zum Essen nötigen, kommen Sie, Lawrence, Sie brauchen doch auch eine ordentliche Grundlage, und die Taxifahrer ihn zum Sonderpreis heimfahren.
»Anna«, sagt er, und sie küsst ihn. Nicht wie früher, sondern wie einen Verwandten. »Wie geht es dir?«
»Besser, seit du da bist.« Zwei volle Gläser stehen vor ihm. Kalter, trockener Weißwein. Er rührt seines nicht an, bis sie sich gesetzt und den Mantel ausgezogen hat. Obwohl es warm ist in dem Raum, sieht er verfroren aus. »Du bist spät dran.«
»Entschuldige, ich habe versucht, dich anzurufen. Die Arbeit. Ich konnte nicht früher weg«, sagt Anna und lächelt für ihn, doch er winkt schon mit einer höflich gereizten Handbewegung ab, als ob ihre Entschuldigung so dünn und unappetitlich wäre wie der Rauch vom Nebentisch.
»Die Arbeit, so. Und was macht die Arbeit?«
»Alles wie gehabt.« Sie lehnt sich bequem auf der ledernen Sitzbank zurück. »Du kennst es ja selbst.«
»Grauenvoll, ich weiß. Mein armer Schützling«, sagt Lawrence. »Habe ich dir schon erzählt, dass ich immer noch Alpträume davon habe?«
»Bitte nicht«, sagt sie, doch dann sieht sie, dass er es nicht als Witz gemeint hat. Dass er nur verlegen ist.
»Nicht von der Arbeit. Doch, davon natürlich auch, aber eher von dem ganzen Betrieb. Das Zentralfinanzamt Ihrer königlichen Majestät. Ein Labyrinth, wo sich der Weg dahinwand zwischen blinden Wänden und in gar trügerischen Pfaden sich verlor.«
»Ach, komm. So schlimm ist es auch wieder nicht.«
»Nur weil es zu dir führt. Aber jetzt bist du hier. Und weil du jetzt hier bist, haben wir beide etwas zu feiern. Etwas, worauf wir anstoßen können. Ich muss dir danken.«
»Wofür?«
»Für deinen erstaunlichen neuen Klienten ... Mister John Law. Was sonst?« Er strahlt vor Stolz. »Dachtest du, ich würde es nicht herausbekommen? Bist du überrascht oder beeindruckt?«
»Schwer beeindruckt.«
»Lügnerin. Aber lach nur. Ich trinke auf deinen Klienten, deine Karriere und John Law, den Kryptographen.« »Auf den Kryptographen.«
Sie stoßen an. Überrascht ist sie nicht; nicht so, wie er es meint. Schließlich ist das Sammeln von Fakten Lawrence' Lebensinhalt gewesen oder zumindest der Inhalt seiner Arbeit - Ich bin in der Informationsbranche tätig war immer seine euphemistische Standardantwort auf die Frage Und was machen Sie beruflich? Dass er es weiß, wundert sie daher nicht. Was sie überrascht, ist, wie sehr er sich darüber freut. Offenbar hat er es kaum abwarten können, sie mit seiner Eröffnung zu verblüffen.
Sie sieht zu, wie er trinkt, vorsichtig, nicht mehr als ein Schlückchen. Der Chablis des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Lawrence misst Tag und Nacht in Wein, ein Glas die Stunde, von Mittag bis Mitternacht. Stundengläser.
»Okay, du hast gewonnen. Woher weißt du es?«
»Man hat immer noch seine Quellen. Was hältst du von ihm?«
»Bis jetzt noch gar nichts.« »Also komm.«
»Die Ermittlung ist noch nicht angelaufen. Ich habe ihn noch nicht einmal kennengelernt.«
»Aber du weißt alles über ihn, du hast sämtliche Informationen parat, oder nicht? Doch, doch, natürlich.«
»Wie du es mir beigebracht hast.«
»Ja.« Er lehnt sich zurück. »Vielleicht könnte ich helfen ... keine Bange, ich dränge mich nicht auf. Wenn du Rat brauchst, weißt du, wo du mich findest. Ein bisschen neidisch bin ich ja schon.«
»Ich werde an dich denken.« Sie trinkt ebenfalls.
Ihr Haar ist noch nass von draußen, nass und kalt, so kalt wie der Wein in ihrer Kehle. Ihre Haut dagegen glüht von der Wärme drinnen. Sie spürt es umso deutlicher, weil sie sich beobachtet fühlt. Beobachtet und begehrt. Doch sie kennt Lawrence schon zu lange, um sich zu wundern, sei es über das Gefühl oder über das Begehren.
»Kein alltäglicher Klient, dein Mister Law. Die Ultrareichen sind nicht wie wir anderen. Sagen wir zumindest. Wir anderen. Weiß er es schon?«
»Ich glaube nicht.«
»Dann tut er mir leid.«
»Ach? So, wie du das sagst, klingt es fast grausam«, sagt sie. Und dann wird es ihr bewusst: »Klinge ich grausam.«
An einem Nebentisch wird laut gelacht. Anna lässt den Blick über die vielen Köpfe dort zum Fenster schweifen. Von der Bar aus geht die Aussicht sechzig Stockwerke tief hinab. Der Regen hat nachgelassen. Klar liegt die Luft über der Doppelmetropole London-Westminster, ihrem Silbergrau und Gold.
»Ach, weißt du«, Lawrence' Stimme holt sie zurück, »zu meiner Zeit bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es nur zwei Sorten Steuerfahnder gibt. Den verkrachten Polizisten und den verkrachten Börsenmakler. Beide haben Gründe, grausam zu sein.«
»Zu welcher Sorte gehöre ich?«, fragt sie, ihm zuliebe. Und Lawrence lächelt dankbar, weil er das genau weiß - und auch liebevoll, weil er betrunken ist und sich an die Zeit erinnert, da sie mehr oder weniger waren als Freunde.
»Du?« In seinen Augen leuchtet etwas auf. »Meine liebe Anna. Manchmal würde man dich kaum für eine Steuerfahnderin halten.«
Achtsam einen Fuß vor den anderen setzend geht er zum Taxi, winkt noch einmal, als ob er gerade Gold gewonnen hätte, und ist fort. Anna fährt nach Hause, den Geschmack von gutem Wein auf der Zunge. Sie spürt kaum, dass sie getrunken hat; es ist wie ein Kräuseln im Blut, mehr nicht. Aber so ist es jedes Mal. Wie eine Erinnerung an ihn, an das, was er ist. Mit ein Grund dafür, dass sie sich das antut.
Mitternacht ist vorbei. Der Regen hat die Straßen rein gespült. Ermüdet, aber noch nicht zufrieden, scharen sich die Menschen unter Neonschildern. Nachts kann man sich dem Reiz Londons kaum entziehen, denkt Anna: wenn seine besten Seiten leuchten und die schlimmsten von der Dunkelheit geschönt werden. Die Hauptstadt des Geldes, so nennen es die Leute, als ob es nicht von eben diesen Leuten bewohnt würde, sondern von anderen Dingen. Von Kunststoffen, Metallen, Terminwaren.
Erst in der Vorstadt kommt sie schneller voran, bis knapp unterhalb des Tempolimits. Ihre jetzige Wachheit kann nur allzu leicht in Schlaf übergehen, das weiß sie. Sie schaltet das Radio ein. Das Signal treibt sie weiter, Wellenrauschen und Sendersalat.
Sie bedauert, dass sie Lawrence heute Abend nicht mehr erzählen konnte. Es hat einmal eine Zeit gegeben, da hätte sie sich mit Freuden bei ihm Rat geholt, schnurstracks wäre sie zu ihm gelaufen. Doch inzwischen sagt ihr der Instinkt der Steuerfahnderin, dass er kein Mann ist, dem man Geheimnisse anvertraut.
Mister Law steckt voller Geheimnisse. Der Kryptograph, wie er genannt wird, der Codeschreiber. Er hat auch noch andere Namen, Ausdrücke des Misstrauens und der schlecht verhohlenen Bewunderung.
Beschreibung:
Eine spannungsgeladene Liebesgeschichte
Die Steuerfahnderin Anna wird auf den steinreichen John Law angesetzt. Sie soll herausfinden, was der rätselhafte Kryptograph, der Erfinder einer sicheren elektronischen Währung, zu verbergen hat. Weil er so mächtig ist, traut ihm niemand über den Weg. Aber Anna fühlt sich von Law angezogen. Sie weiß, dass sie ihn verstehen muss, um ihn überführen zu können. Es ist eine Welt, in der es keine Sicherheit mehr gibt – weder für die Liebe noch für das Geld, denn der so sicher gedachte Währungscode des Kryptographen wird geknackt.
Tobias Hill erzählt mit enormer Spannung und poetischer Genauigkeit vom Zusammenspiel von Geld und Moral, Vertrauen und Liebe.
Autorenportrait:
Tobias Hill, geboren 1970 in London, veröffentlichte Gedichtbände, Erzählungen und drei Romane und wurde von Times Literary Supplement zu einem der besten jungen britischen Autoren erklärt. Nach »Der Kryptograph« (C. Bertelsmann, 2009) erscheint nun sein zweiter Roman "Sparta" auf Deutsch.