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Gnadentod

Roman
  • ISBN:3-442-47095-1
  • EAN:9783442470952
  • Veröffentlichungsdatum:April 2009
  • Gewicht in g:385
  • Reihe:Goldmanns Taschenbücher
  • Seiten:480
  • Stilrichtung:Romane

EUR 6,00

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Kurzbeschreibung von: Gnadentod

Packende Krimihandlung und unvergessliche Charaktere


Dr. Mate, besser bekannt als Dr. Death, wurde ermordet. Mate, der auf Sterbehilfe spezialisiert war, galt manchen als Erlöser und vielen als Mörder. Hat er seine Patienten tatsächlich aus reiner Nächstenliebe umgebracht? Vieles deutet darauf hin, dass der Mord an ihm ein Racheakt war, doch es bleiben Zweifel ...


Ein weiterer Thriller mit dem Serienhelden Dr. Alex Delaware!


Rezension von: Gnadentod

"Viele Krimis haben entweder einen teuflisch guten Plot oder glaubwürdige Charaktere. Kellerman bildet eine Ausnahme: Bei ihm kommt beides zusammen. Meisterhaft!" USA Today

Leseprobe von: Gnadentod

Ironie kann ein reichhaltiges Dessert sein. Deshalb ließen es sich einige Leute tüchtig schmecken, als veröffentlicht wurde, was man in dem Lieferwagen gefunden hatte. Diejenigen, die glaubten, Eldon H. Mate sei der Todesengel.
Diejenigen, die ihn für die personifizierte Barmherzigkeit hielten, trauerten.
Ich betrachtete die Geschichte aus einer anderen Perspektive, hatte meine eigenen Sorgen.
Mate wurde in den frühen Morgenstunden eines nebelverhangenen, säuerlich riechenden Montags im September ermordet. Da es bis zum Sonnenuntergang weder Erdbeben noch Kriege gab, war der Todesfall den Abendnachrichten eine Spitzenmeldung wert. Am Dienstag folgten Schlagzeilen in der Times und den Daily News. Aus dem Fernsehen war die Story binnen vierundzwanzig Stunden wieder verschwunden, aber die Zeitungen brachten in ihren Mittwochsausgaben eine kurze Zusammenfassung. Insgesamt vier Tage Berichterstattung, das Maximum in L. A., das für seine kurze Aufmerksamkeitsspanne berüchtigt ist, wenn die Leiche nicht die einer Prinzessin ist oder der Mörder sich Anwälte mit Oscar-Ambitionen leisten kann.
Keine rasche Aufklärung in diesem Fall; kein Durchbruch irgendeiner Art. Milo war zu lange in seinem Job, um mit etwas anderem zu rechnen.
Er hatte einen unbeschwerten Sommer gehabt, der ihm ein Quartett wunderbar dämlicher Totschlagsdelikte in den Monaten Juli und August beschert hatte - ein Fall von häuslicher Gewalt, der vollkommen ausgeartet war, und drei verblödete Säufer, die andere Trinker in irgendwelchen schmutzigen Westside-Bars erschossen hatten. Vier Mörder, die sich lange genug am Tatort aufgehalten hatten, um geschnappt zu werden. Das war gut für seine Aufklärungsquote und machte es ein bisschen - wenn auch nicht viel - leichter, der einzige bekennende schwule Detective im LAPD zu sein.
"Ich wusste, dass ich fällig war", sagte er. Es war der Sonntag nach dem Mord, als er mich zu Hause anrief. Mates Leiche war seit sechs Tagen kalt, und die Presse hatte sich anderen Themen zugewandt.
Das war Milo durchaus recht. Wie jeder Künstler sehnte er sich nach Einsamkeit. Er hatte seinen Teil dazu beigetragen, indem er den Medien nichts Konkretes in die Hand gegeben hatte. Anweisung von oben. In einem Punkt waren er und seine Vorgesetzten einer Meinung: Journalisten waren fast immer der Feind.
Was die Zeitungen gedruckt hatten, war aus Archivmaterial zusammengeklaubt: die unvermeidlichen ethischen Debatten, alte Fotos, alte Zitate. Abgesehen von der Tatsache, dass Mate an seine eigene Tötungsmaschine angeschlossen worden war, hatte man nur die oberflächlichsten Details freigegeben:
Lieferwagen an abgelegenem Teil des Mulholland Drive geparkt, Entdeckung durch Spaziergänger kurz nach Tagesanbruch.
DR. DEATH ERMORDET.
Ich wusste mehr, weil Milo es mir erzählte.
Das Telefon klingelte um acht Uhr, als Robin und ich gerade mit dem Abendessen fertig waren. Ich stand vor der Haustür und hielt die Leine in der Hand, an deren anderem Ende Spike zerrte, unsere kleine Französische Bulldogge. Spike und ich freuten uns beide auf einen Abendspaziergang durch das Tal. Er liebte die Dunkelheit, weil ihm das Vorstehen bei raschelnden Geräuschen gestattete, sich als Jäger von edler Geburt zu gebärden. Ich war gerne draußen, weil ich den ganzen Tag über mit Menschen zu tun hatte und mir die Einsamkeit immer willkommen war.
Robin ging ans Telefon, erwischte mich gerade noch rechtzeitig und übernahm schließlich den Spaziergang mit dem Hund, während ich in mein Arbeitszimmer zurückkehrte.
"Mate ist dein Fall?", fragte ich. Ich war überrascht, weil er es mir nicht schon früher erzählt hatte, und plötzlich nervös, weil meine Woche dadurch erheblich komplizierter werden würde.
"Wer sonst verdient solches Glück?"
Ich lachte leise und fühlte, wie sich meine Schultern verkrampften und die Muskeln rund um meinen Hals zusammenzogen. Ich machte mir Sorgen, seit ich von Mate gehört hatte. Ich hatte lange nachgedacht und schließlich jemanden angerufen, der nicht zurückgerufen hatte, doch dann hatte ich die Angelegenheit auf sich beruhen lassen, weil es keinen Grund gab, dies nicht zu tun. Es war wirklich nicht meine Sache. Doch jetzt, wo Milo involviert war, sah alles ganz anders aus.
Ich behielt meine Sorgen für mich. Sein Anruf hatte nichts mit meinem Problem zu tun. Reiner Zufall - eine dieser hässlichen kleinen Überschneidungen. Oder vielleicht gibt es ja wirklich nur hundert Menschen auf der Welt.
Der Grund, warum er mich angerufen hatte, hing mit der simplen Frage zusammen: Wer hatte es getan? Der Fall hatte so viele psychopathologische Aspekte, dass ich möglicherweise hilfreich sein könnte.
Außerdem war ich sein Freund, einer der wenigen Menschen, denen er vertrauen konnte.
Der pathopsychologische Teil bereitete mir kein Kopfzerbrechen, problematisch fand ich nur die freundschaftliche Komponente. Dinge, die ich wusste, ihm aber nicht sagte. Nicht sagen konnte.
Ich verabredete mich mit ihm für den kommenden Montagmorgen um Viertel vor acht am Tatort. Wenn er im Polizeirevier West L. A. ist, fahren wir normalerweise zusammen, aber da er um Viertel nach sechs bereits einen Termin im Parker Center hatte, kam ich mit meinem eigenen Wagen.
"Gemeinsames Gebet zum Sonnenaufgang?", fragte ich. "Mit Typen in Anzügen Kühe melken?"
"Den Stall ausmisten, während Typen in Anzügen meine Leistung bewerten. Muss einen sauberen Schlips finden."
"Geht's dabei um Mate?"
"Worum sonst? Sie werden wissen wollen, warum ich null Ergebnisse vorzuweisen habe, ich werde häufig nicken,>Sie haben ja so Recht< sagen und mich aus dem Staub machen."


Mate war nicht weit von unserem Haus entfernt abgeschlachtet worden, und ich machte mich um halb acht auf den Weg. Zuerst ging es zehn Minuten lang auf dem Beverly Glen nach Norden; der Seville rauschte dahin, weil in dieser Richtung kaum Verkehr war - die wütenden Gesichter der Pendler, die auf den Fahrspuren nach Süden im Stau standen, ignorierte ich.
Die Erholung der Wirtschaft und der übliche Klüngel hatten zu unablässigen Straßenbauarbeiten in L. A. geführt, was einen mörderischen Verkehr in der Stadt zur Folge hatte. In diesem Monat war das untere Ende des Tals an der Reihe. Selbstgefällige Männer in orangefarbenen Cal-Trans-Westen installierten rechtzeitig vor der nächsten Dürreperiode neue unwettertaugliche Kanalisationsrohre mit der typischen städtischen Arbeitsteilung: Ein Typ arbeitet, fünf stehen herum. Ich fühlte mich wie ein Royalist in der Zeit vor der Bastille, während ich an der Schlange der Porsches und Jaguars vorbeiglitt, die zwischen alten Schrottkisten und Pickups im Leerlauf dahintuckerten.