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Der Hals lügt nie

von Nora Ephron, Theda Krohm-Linke (Buch)

  • ISBN:3-442-37276-3
  • EAN:9783442372768
  • Veröffentlichungsdatum:April 2009
  • Gewicht in g:155
  • Reihe:Blanvalet Taschenbücher
  • Seiten:192

Kurzbeschreibung:

Es ist nicht schön, alt zu werden, aber ziemlich amüsant!


Wenn frau plötzlich eine Vorliebe für Stehkragen, Schals und Rollkragenpullover entwickelt, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie in die "besten Jahre" gerät. Der Hals beginnt sich in Falten zu legen, und nicht mal die Kosmetikindustrie kann etwas dagegen tun. Entwaffnend offen, sehr persönlich und in ihrem einzigartigen, umwerfend witzigen Stil, schreibt Nora Ephron über das Älterwerden. Über verlegte Lesebrillen, erhöhte Aufwendungen für die "Instandhaltung" und blödsinnige Ratgeber, in denen behauptet wird, wie großartig es sei, alt zu werden ...


Humorvolle Einsichten in das Älterwerden - von einer der erfolgreichsten Frauen Hollywoods ("Harry und Sally").



Rezension:

"Entwaffnend offen und witzig." TV TODAY"In 'Der Hals lügt nie' macht sich die begnadete Drehbuchautorin Nora Ephron mit schwarzem Humor über beknackte Dauerwellen, Faltencremes und all die Misslichkeiten lustig, die das Altern mit sich bringt." Kölner EXPRESS"Es ist nicht schön, alt zu werden, aber ziemlich amüsant." Obermain Tagblatt

Leseprobe:

Der Hals lügt nie


Mein Hals gefällt mir nicht. Echt nicht. Wenn Sie meinen Hals sehen könnten, würde er Ihnen vielleicht auch nicht gefallen, aber Sie wären wahrscheinlich zu höflich, um sich etwas anmerken zu lassen. Und wenn ich dieses Thema Ihnen gegenüber erwähnen würde - so in der Art von »Ich finde meinen Hals schrecklich« -, dann würden Sie zweifellos etwas Nettes darauf erwidern, wie zum Beispiel »Ich weiß nicht, was Sie meinen«. Sie würden natürlich lügen, aber das verzeihe ich Ihnen. Ich gebe ständig solche Lügen von mir - vor allem Freundinnen gegenüber, die mir erzählen, sie seien beunruhigt, weil sie Tränensäcke unter den Augen hätten, Hängebacken, Falten oder Fettröllchen um die Taille, und ob ich fände, sie sollten sich die Augen oder das Gesicht liften lassen? Oder Botox spritzen? Oder Fett absaugen lassen? Meiner Erfahrung nach ist der Satz »Ich weiß nicht, was du meinst« ein Code für »Ich kann sehen, wie du das meinst, aber wenn du glaubst, mir meine ehrliche Meinung entlocken zu können, hast du dich geschnitten«. Es ist einfach zu gefährlich, sich zu solchen Themen aufrichtig zu äußern, und das wissen wir alle. Wenn ich nämlich antworten würde: »Ja, ich kann gut verstehen, wie du das meinst«, geht meine Freundin vielleicht hin und lässt sich zum Beispiel die Augen machen. Dann geht etwas schief, und am Ende gehört sie zu den Leuten, von denen man in den Klatschzeitschriften liest, dass sie ihren Schönheitschirurgen verklagen, weil sie nie wieder die Augen schließen können. Außerdem wäre alles meine Schuld, ein Umstand, auf den ich besonders empfindlich reagiere, da ich zum Beispiel einer meiner Freundinnen nie verziehen habe, dass sie mir 1976 ausgeredet hat, eine ziemlich gute Wohnung an der East Seventy-Fifth Street zu kaufen.
Manchmal gehe ich mit meinen Freundinnen Mittagessen, und wenn ich mich dann am Tisch umschaue, stelle ich fest, dass wir alle Rollkragenpullover tragen. Manchmal haben wir auch alle Schals umgelegt wie Katharine Hepburn in Am Goldenen See. Manchmal tragen wir auch alle Stehkragen und sehen aus wie die weiße Version der chinesischen Damen aus dem Buch Töchter des Himmels. Es ist komisch und traurig zugleich, denn wir gehen alle nicht neurotisch mit unserem
Alter um. Keine von uns macht sich jünger, als sie ist, und wir ziehen uns auch nicht zu jugendlich an. Wir sehen alle gut aus für unser Alter. Abgesehen von unseren Hälsen.
Oh, die Hälse! Es gibt Hühnerhälse. Es gibt Truthahnhälse. Es gibt Elefantenhälse. Es gibt dünne Hälse und dicke Hälse, faltige Hälse und Hälse mit Jahresringen, schwabbelige Hälse und fleckige Hälse. Es gibt Hälse, die eine erstaunliche Kombination aus all dem oben Genannten sind. Laut meiner Hautärztin verabschiedet sich der Hals mit dreiundvierzig, und daran lässt sich nichts ändern. Aufs Gesicht kann man Make-up schmieren und Abdeckstift unter die Augen, und die Haare kann man färben. In die Falten kann man Collagen, Botox und Restylane spritzen, aber abgesehen von einer Operation gibt es nichts, was man gegen einen faltigen Hals unternehmen kann. Den Hals kann man nicht austricksen. Unser Gesicht ist die Lüge, der Hals ist die Wahrheit. Man muss einen Mammutbaum aufschneiden, um zu sehen, wie alt er ist. Das bräuchte man nicht, wenn er einen Hals hätte.
Meine eigene Konfrontation mit meinem Hals begann, kurz bevor ich dreiundvierzig wurde. Ich hatte mich einer Operation unterzogen, die eine schreckliche Narbe direkt über dem Schlüsselbein hinterlassen hatte. Es war vor allem deshalb schockierend, weil ich dadurch lernte, dass noch lange nicht jeder berühmte Arzt seine Schnitte auch wieder gut zunähen kann. Auch wenn Sie sonst nichts aus dieser Story lernen, merken Sie sich eins: Lassen Sie sich nie an irgendeinem Teil Ihres Körpers operieren, ohne einen plastischen Chirurgen zu bitten, während der Operation ein Auge auf das Geschehen zu halten. Denn selbst, wenn Sie wegen etwas Ernstem oder potentiell Lebensbedrohlichem operiert werden, selbst wenn Sie aufrichtig glauben, Ihre Gesundheit sei wichtiger als alle Eitelkeit, selbst wenn Sie nach der Operation aufwachen und über die Maßen begeistert sind, weil es kein Krebs war, selbst, wenn Sie dankbar sind, noch am Leben zu sein und ewige Freude darüber geloben, weiter auf dem Planeten Erde weilen zu dürfen, selbst wenn Sie versprechen, sich nie wieder über etwas zu beklagen - es kommt doch unweigerlich der Tag, und zwar schneller, als Sie sich vorstellen können, an dem Sie in den Spiegel blicken und denken: »Ich finde diese Narbe grauenhaft.«
Vorausgesetzt natürlich, Sie blicken in den Spiegel. Das ist ein weiteres Phänomen, das mir mit zunehmendem Alter aufgefallen ist: Ich versuche, so wenig wie möglich in Spiegel zu blicken. Wenn ich an einem Spiegel vorbeikomme, wende ich den Blick ab. Wenn ich doch einmal hineinblicken muss, blinzele ich, um schnell die Augen schließen zu können, falls ich wirklich schlimm aussehe. Und wenn die Beleuchtung gut ist (wobei ich hoffe, dass es nicht daran liegt), tue ich häufig, was so viele Frauen in meinem Alter tun, wenn sie vor einem Spiegel stehen: Ich ziehe vorsichtig die Haut an meinem Hals zurück und sehe mir wehmütig eine jüngere Ausgabe meiner selbst an. (Mir ist übrigens noch etwas aufgefallen: Wenn Sie wegen Ihres Halses wirklich richtige Depressionen bekommen möchten, dann setzen Sie sich hinten im Auto direkt hinter den Fahrer und betrachten Sie sich im Rückspiegel. Ich weiß zwar nicht warum, aber wenn es um den Hals geht, gibt es keine schlimmeren Spiegel als Rückspiegel. Es ist eins der faszinierenden Rätsel des modernen Lebens, ebenso wie die Tatsache, warum kaltes Wasser im Badezimmer kälter ist als kaltes Wasser in der Küche.)
Aber zurück zu meinem Hals. Ich weiß, was Sie jetzt denken: Warum geht sie denn nicht zu einem plastischen Chirurgen? Ich sage Ihnen, warum nicht. Wenn Sie zu einem plastischen Chirurgen gehen und zu ihm sagen: »Ich möchte, dass Sie nur meinen Hals in Ordnung bringen«, wird er Ihnen antworten, dass er das ohne ein Face-Lifting nicht kann. Und das ist die Wahrheit. Er versucht nicht, Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern es hängt einfach alles zusammen. Wenn Sie die Haut am Hals straffer machen, müssen Sie auch das Gesicht straffen. Ich will mir aber nicht das Gesicht liften lassen. Wenn ich eine Kuh wäre und ein rundes, dickes Gesicht hätte, würde ich in den sauren Apfel beißen, weil Kühe für so etwas die perfekten Kandidaten sind. Aber ich bin leider eine Ziege, und am Ende sähe mein Hals zwar ohne Frage besser aus, aber meine Gesichtshaut wäre zum Zerreißen gespannt. Also betrachte ich mich lieber mit halbgeschlossenen Augen im Spiegel, als einer fremden Person gegenüberzustehen, die verdächtig nach einem zu straff gespannten Trommelfell aussieht.
Gelegentlich lese ich mal ein Buch übers Alter, und die Verfasser schreiben meistens, wie großartig es sei, alt zu sein.

Autorenportrait:

Nora Ephron, Jahrgang 1941, ist eine der erfolgreichsten Frauen der Filmindustrie. Ihrer Arbeit als Drehbuchautorin, Regisseurin und/oder Produzentin haben wir so hinreißende Filme zu verdanken wie „Harry und Sally“, „Schlaflos in Seattle“, „E-Mail für di

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