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Beckenbodenturnen

von Carolin Müller, James Briggs (Buch)

  • ISBN:3-453-40680-X
  • EAN:9783453406803
  • Veröffentlichungsdatum:August 2009
  • Gewicht in g:375
  • Reihe:Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
  • Seiten:464
  • Stilrichtung:Roman

Kurzbeschreibung:

Die längsten neun Monate im Leben eines Mannes


Die Freundin - schwanger? Klingt ja erstmal ganz schön, doch wehe, es wird konkret. Für den Helden in James Briggs' Debütroman ist es jedenfalls ein echter Grund zur Panik, hat er doch weder eine geregelte Arbeit noch einen guten Draht zu den französischen Schwiegereltern. Wer James Briggs auf seiner neunmonatigen Odyssee begleitet, staunt, lacht, heult und ist letztendlich überzeugt: Nick Hornby hat einen würdigen Nachfolger gefunden. Viel zu lange mussten Mann und auch Frau auf ein so entwaffnend ehrliches und rasend komisches Buch übers Vaterwerden warten. Eine britische Komödie, wie gemacht für Hugh Grant.


. James Briggs liefert haarsträubende Einblicke in die wahre Psyche des modernen Mannes
. Unwiderstehlich frech und urkomisch



Leseprobe:

Ein Kaff irgendwo in England, 19. Mai


AUSGERECHNET HEUTE musste sie die Bombe platzen lassen.
"Kann sein, dass ich schwanger bin", sagte sie, als ich mich gerade ungeschickt damit abmühte, zu harte Butter auf einem zu weichen Toast zu verteilen. Nur sechs einfache Worte. Kein Grund zur Panik. Kann sein, dass sie schwanger ist. Nichts weiter. Nicht, dass sie sich dessen sicher wäre. Das war das Erste, was mir in den Sinn kam, nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte. Die Küchenfliesen unter meinen nackten Füßen fühlten sich plötzlich eiskalt an.
"Was soll das heißen - schwanger?", fragte ich empört. Ich weiß, eine total bescheuerte Frage, aber was hätte ich denn bitte schön sagen sollen? Weil sie Französin ist und ich Engländer bin, traf mich jetzt ein vernichtender Blick, in dem sich die jahrhundertealte Feindschaft spiegelte, die zwischen unseren Heimatländern herrscht.
Eigentlich habe ich überhaupt keinen Grund, so perplex zu sein. Ich könnte auch nicht gerade behaupten, die Schwangerschaft sei ein Unfall gewesen. Es muss vor gut sechs Monaten gewesen sein, da fragte sie mich zum ersten Mal, ob es für uns nicht langsam an der Zeit wäre, eine Familie zu gründen. Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht mehr so ganz genau erinnern, was ich dazu gesagt habe, aber anscheinend kam aus meinem Mund voll mit Frühstücksflocken irgendetwas, das sich wie eine Zustimmung anhörte. Möglicherweise ließ ich mich sogar dazu hinreißen, zu behaupten, es gäbe ja überhaupt gar keinen Grund, der gegen ein Baby spräche. Damals hielt ich das noch für eine ziemlich clevere Strategie. Aber eines ist sicher, nur die wenigsten Frauen (und sicher keine davon Französin) können bei diesem Thema zwischen den Zeilen lesen. Gut, ich habe mich wohl zu allem Überfluss auch noch damit einverstanden erklärt, die Kondome wegzuschmeißen, aber jetzt fühle ich mich doch irgendwie überrumpelt. Ich meine ja nur, sie hätte mich doch verdammt nochmal nicht gleich beim Wort nehmen müssen.
Was habe ich mir bloß dabei gedacht? Wahrscheinlich rechnete ich insgeheim damit, impotent zu sein, oder glaubte einfach, dass schon nichts passieren würde. Schuld an diesem ganzen Schlamassel sind sowieso unsere Brüder - zuallererst meiner und dann ihrer. Die beiden haben den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht, als sie anfingen mit diesen rosaroten, verschrumpelten Winzlingen herumzustolzieren, die pausenlos plärrten, sei es nach dem Fläschchen oder nach uneingeschränkter Aufmerksamkeit. Bedauerlicherweise haben sie damit auch gleich das Interesse meiner Freundin geweckt.
"Il est trop mignon!", jauchzte sie und kitzelte der formlosen Heulboje zärtlich das Bäuchlein. Ich bin selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie sich damit auf deren Ähnlichkeit mit einem erstklassigen Stück Rindfleisch bezog. Aber es stellte sich heraus, dass "Ach, ist der aber süß!" die treffendere Übersetzung für ihren begeisterten Ausruf war. Wie es aussieht, war das nicht das letzte Mal, dass ich Schwärmereien dieser Art ertragen musste.
Und jetzt haben wir den Salat und müssen uns zusammen mit einem Schwangerschaftstest, den wir heimlich in unseren Einkaufskorb bei Asda geschmuggelt haben, in dem Badezimmer meiner Mutter verschanzen. Zu allem Überfluss habe ich auch noch einen höllischen Kater. Wir starren angespannt auf das billige Plastikgerät, damit uns auch ja nicht die geringste Veränderung einer Farbnuance entgeht. Sieht aus wie ein pinkfarbener Kreis oder Strich oder so, aber wirklich schlau werden wir daraus nicht.
Aber wenn ich in ihre Augen schaue, dann ist sowieso schon alles klar. Irgendwie sieht man ihr an, dass sie schwanger ist. Keine Ahnung warum - ihre Augen haben genau dieselbe Form und Farbe wie gestern -, aber irgendetwas an ihnen ist neu. Vielleicht ist es auch nur dieser Ausdruck von Angst und Verletzlichkeit, der plötzlich in ihrem Blick liegt. Wahrscheinlich sollte ich besser gleich aufhören, mir etwas vorzumachen, denn was jetzt kommt, wird mein gesamtes Leben auf den Kopf stellen.
Ich überlasse ihr die Entzifferung des Plastikdings und flüchte nach unten. Dort versuche ich meine Nerven zu beruhigen, indem ich meine Mutter in eine Unterhaltung über das Wetter, die Katze und den Kirchenchor verwickle. Jetzt bloß nicht durchdrehen. Noch ist nichts verloren. Das heißt ja alles noch gar nichts. Warten wir besser erst einmal ab, bis wir zurück in Paris sind und einen richtigen Bluttest machen lassen können.
London, Waterloo Station, 20. Mai


DIENSTAG MORGEN. Eigentlich hatte ich geplant, noch ein paar Tage länger in London zu bleiben und sie schon mal alleine mit dem Eurostar zurückfahren zu lassen. Ich wollte noch einen alten Freund besuchen und mit ihm über das Leben und all die Möglichkeiten, die es noch für uns bereithielt, plaudern. Aber das hat sich jetzt wohl erledigt, und ich nehme zusammen mit meiner Freundin den Zug zurück nach Paris.
Es ist schon eigenartig, dass ich bis jetzt noch nicht ihren Namen erwähnt habe. Irgendwie schockt mich das selbst. Aber ich bin einfach total sauer auf sie. Sauer? Jetzt mach mal halblang..., wird sich manch einer denken. Habe ich nicht gerade noch zugegeben, dass ich mit ihrem Pillenstopp einverstanden war? Nun, das streite ich ja auch gar nicht ab -eigentlich habe ich auch kein Recht, sauer zu sein. Absolut gar keines. Ich weiß schon, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe, aber damals erschien mir die Idee, ein Baby zu haben, noch völlig abstrakt und ihre Umsetzung in ferner Zukunft. Es war fast so, als ginge es gar nicht wirklich um mich. Aber jetzt holt mich die Sache ein. Vielleicht rede ich deshalb die ganze Fahrt über nicht mit ihr und schiebe meine schlechte Laune auf die Nachwirkungen des Katers. Das klingt jetzt natürlich alles total gemein und ungerecht, aber so ist es nun mal.


Paris, 21. Mai


KEINE ZWÖLF STUNDEN später stehen wir vor einem dieser laboratoires d'analyses, die es in Paris an jeder Straßenecke gibt. So weit ich weiß, haben wir so etwas in England überhaupt nicht. Dort geht man für so etwas zu einem richtigen Arzt.

Autorenportrait:

James Briggs stammt ursprünglich aus Hertfordshire im Südosten Englands. Seine Tätigkeit als Marketingstratege führte ihn um den halben Globus. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in Lyons. Außer dem Schreiben zählen Filme und die Schausp

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