Kurzbeschreibung:
Die fulminante Fortsetzung von "Der letzte Elf"
Yorsch, der letzte Elf der Welt, ist erwachsen geworden. Zusammen mit seiner großen Liebe Robi und der gemeinsamen Tochter Erbrow lebt er in einem kleinen Ort am Meer. Dort, fernab von allen Auseinandersetzungen, kann die kleine Erbrow ihre Elfenfähigkeiten entfalten, ohne Angst vor der Verfolgung durch die Menschen haben zu müssen. Als allerdings die gefürchteten Orks die größte Stadt der Gegend, Daligar, angreifen, holen die Bewohner Yorsch zu Hilfe. Nun müssen er und seine Familie sich einer Welt voller Vorurteile stellen, der sie eigentlich entfliehen wollten. Wird es ihnen und ihren Freunden gelingen, die verfeindeten Gruppen der Orks, Menschen und Elfen zu versöhnen und allen ein Leben voller Liebe, Hoffnung und Zuversicht zu ermöglichen?
Eine Geschichte, die verzaubert: weise, warmherzig und wunderschön erzählt.
Leseprobe:
"He, Hauptmann", sagte Lisentrail, "weißt du, nur bei denen, die nix anpacken,
geht nie was kaputt und bleibt immer alles gleich. Auch Er, Der das Universum erschaffen hat, wird bei diesem Unternehmen schon mal einen Zahn oder einen Finger eingebüßt haben."
Während er an der Spitze des Söldnerheers von Daligar die Verfolgung des Verfluchten Elfen anführte, versuchte Hauptmann Rankstrail, genannt der Bär, sich zu erinnern, seit wie vielen Jahren er ihn nun schon verfolgte, den Elfen.
Genau genommen versuchte er, sich zu erinnern, wann er zum ersten Mal von ihm gehört hatte, denn es musste doch eine Zeit in seinem Leben gegeben haben, da er den Unheilsbringer noch nicht einmal dem Namen nach kannte.
Nach einiger Zeit fiel es ihm endlich ein. Damals war er noch ein Kind gewesen, im Äußeren Bezirk der Stadt Varil. Am Tag, an dem seine Schwester Fiamma geboren wurde, hatte Donna Guzzaria von den Elfen erzählt, dass sie Urheber allen Unglücks auf Erden seien und auch Schwänze hätten, und dann hatte sie von dem da gesprochen, von dem Verfluchten, dem Erzfeind der Menschen und Vernichter ihrer Hühner.
Zum zweiten Mal hatte er an dem Tag von ihm gehört, als er sich die Schleuder gemacht hatte und seine glorreiche Laufbahn als Wilddieb begann. Er hatte einem der vielen Bettler, die dicht bei der Stadtmauer hausten und den hinkenden Gang derer hatten, denen der Henker die Füße verkrüppelt hat, etwas Honig geschenkt. Der Mann war ihm fast nachgelaufen, mit seinen kleinen Stolperschritten, in dem dringenden Bedürfnis, ihm zu danken, aber dem noch dringenderen, ihm von dem da zu erzählen, dem Verfolgten, dem mächtigsten aller Elfenkrieger, dem von einer alten Prophezeiung Angekündigten, dem Einzigen, der das Vergangene wiederbringen und damit die Zukunft retten würde.
Hauptmann Rankstrail, genannt der Bär, Kommandant der Leichten Kavallerie von Daligar, schwor sich, dass er ihn diesmal fangen würde, den Verfluchten Elfen, ihn fangen und dem noch verfluchteren Verwaltungsrichter ausliefern würde. Dann würde man sie wenigstens in Ruhe lassen, ihn und seine Leute. Sie wären frei, nach Hause zu gehen und zu versuchen, das Heer der Orks abzuwehren, es fernzuhalten von den Bauernhöfen, von den Hügeln, wo Kinder das Vieh hüteten und Frauen Wasser schöpften an Brunnen, die weit abgelegen waren von ihren Leuten und ihrem mühselig bestellten Grund und Boden.
In diesem Augenblick sprengten sie alle, der Elf voran und sie hinterdrein, aus der Enge der Dogonschlucht. Die Stadt Varil tauchte vor ihnen auf, hoch oben gelegen und wunderschön im dreifachen Gürtel ihrer Mauern, spiegelte sie sich zusammen mit einem riesigen Mond in den Wassern der Reisfelder.
Der Äußere Bezirk stand in Flammen. Die Stadt war belagert von Heerscharen von Orks, jeden Augenblick würden sie die Leichte Kavallerie von Daligar bemerken, die im Galopp auf sie zugeritten kam.
Hauptmann Rankstrail dachte, dass er anhalten sollte, so würde er seine Männer vielleicht noch retten können. Nicht mehr lang; nicht nur ein paar Wachposten, sondern das ganze Heer der Orks würde sie sehen. Und sie waren nur eine Einheit Reiter, schlecht bewaffnet obendrein.
Hauptmann Rankstrail dachte, wenn er nicht im nächsten Augenblick haltmachte, würde er ihre Kriegshörner erschallen hören und wissen, dass die Falle des Elfen zugeschnappt war, dass er hineingetappt war und dass seine Männer deswegen sterben würden.
Dann dachte er aber auch, dass anzuhalten schrecklich wäre, statt seiner in Flammen stehenden Stadt zu Hilfe zu eilen oder wenigstens mit ihr zugrunde zu gehen.
Der Elf machte derweil nicht halt und wurde auch nicht langsamer. Er zückte sein Schwert, das in der Dunkelheit leuchtete wie eine Fackel, er preschte voran und, verfolgt von der Leichten Kavallerie von Daligar, im Licht des Mondes, der sich riesengroß im Wasser der Reisfelder spiegelte, ritt er auf die umzingelte Stadt zu, die in Flammen stand, und auf das Heer der Orks, die entschlossen waren, sie zu vernichten.
Hauptmann Rankstrail, genannt der Bär, Kommandant der Leichten Kavallerie von Daligar, war wie gut die Hälfte der Söldnersoldaten im Gebiet nahe der Grenze zwischen Bekannter und Unbekannter Welt geboren.
Früher hatte es dort befestigte Grenzen gegeben und bewaffnete Männer, die sie schützten und bewachten. Doch die Endlosen Regenfälle, die vor nicht langer Zeit die Welt verwüsteten, hatten auch die Grenzen hinweggeschwemmt und mit ihnen die Schilderhäuser und Wachtürme, die in regelmäßigen Abständen ihren Verlauf markierten. Die kleinen Holz- und Reisigbündel, die dort bereitlagen, um angezündet zu werden, falls der Feind in Sicht kam, waren davongeschwommen wie winzige und unnütze Flöße, und nun war da nichts mehr, womit man die Menschen hätte warnen können.
Man hatte die Truppen abgezogen, die Festungen waren verfallen und Frösche hatten sich darin angesiedelt, der Kohl war im Schlamm verfault und es war kein Getreide mehr gewachsen.
Elend hatte sich in der Welt ausgebreitet und mit dem Elend waren, getrieben vom eigenen Hunger und angelockt durch die
Nachlässigkeit der Menschen, Banden und Horden von Orks eingefallen und das einzige Hindernis auf ihrem Vormarsch waren Frösche gewesen.
Ganze Familien waren geflohen vor den Überfällen, vor der Grausamkeit und dem Wahnsinn derer, für die Zerstörung die einzige Lust und Freude ist, und nach ihrer Flucht waren sie herumgeirrt, bis sie, wie Schiffbrüchige an einem Felsenstrand, im Äußeren Bezirk der Stadt Varil landeten.
Hauptmann Rankstrail konnte sich an das erste Mal, da er Varil gesehen hatte, nicht erinnern: Er war erst ein paar Tage alt, als seine Familie von den Grenzen der Bekannten Welt aufbrach. Er lebte in einem sehr beschränkten Universum, bestehend aus dem Geschmack von Milch, dem Geruch seiner Mutter, dem Rücken, auf dem er getragen wurde, in einem Sack, der aus einem alten Stück Kleiderstoff gemacht war und mit einem langen, geflochtenen Lederriemen verschnürt wurde. Manchmal war es der Rücken seiner Mutter, öfter aber der seines Vaters: Er unterschied sie nach dem Rhythmus der Schritte, die ihn wiegten, dem Klang der Stimme, die ihn während der nicht enden wollenden Tage der Wanderung in den Schlaf sang.
Seine Familie war eine der vielen, die vor den Orks flüchteten, ihre Geschichte glich denen vieler anderer, es waren Geschichten von Schreien in der Nacht, mit der Axt eingeschlagenen Türen, Hühnern, die in brennenden Hühnerställen schmorten, ohne jeden Bratengeruch oder Duft nach Rosmarin.
Seine Familie war nach Varil gekommen, an einem hellen Nachmittag im ersten Frühling, kurz bevor die Sonne hinter dem Hügel mit den blühenden Mandelbäumen unterging, über dem sich mächtig die Stadtmauern aus weißem Marmor erhoben.
Autorenportrait:
Silvana De Mari lebt mit ihrer Familie und einem riesigen Hund in der Nähe von Turin. Sie arbeitete als Ärztin in Italien und Afrika, bevor sie sich zur Psychotherapeutin ausbilden ließ. Nachdem sie schon kürzere Texte in Zeitschriften veröffentlicht hatt
Rezension:
"Eine weise und warmherzige Geschichte." Kirkus Review