Kurzbeschreibung:
Es ist niemals vorbei: Die FURIE kehrt zurück ...
Zehn Jahre verfolgte Detective Archie Sheridan die bildschöne Serienmörderin Gretchen Lowell. Zehn Tage litt er in ihren Händen. Er brachte sie hinter Gitter, aber nie wieder kam er von ihr frei. Jetzt ist das Unfassbare geschehen. Die eiskalte Psychopatin ist entkommen. Archie kann sie nur auf eine Art stellen: Indem er sich absichtlich in ihre Falle locken lässt. Gretchen glaubt sich am Ziel ihrer Wünsche, doch Archie hat ganz eigene Pläne. Zwischen Jäger und Gejagter entbrennt ein perfider, tödlicher Machtkampf aus Verführung, Obsession, Hass und Rache ...
Man sagt ich sei Grausam, aber auch ein wenig Rücksichtslos, Abartig bin ich angeblich auch noch. Ganz andere halten mich für Zerstörerisch und Intelligent. Ich selber finde mich eher Engelsgleich. GRAZIE
Dr. Hannibal Lecter ist ein Lämmchen gegen Gretchen Lowell.
Rezension:
"Wenn Schönheit tötet - Eine der gefragtesten Thriller-Autorinnen der USA" (Frankfurter Rundschau)
"Das Grauen geht in die zweite Runde: Die blutige Liaison mit der 'Furie' fesselt bis zum überraschenden Schluss!" (TV-Movie)
"Die unerwartete Fortsetzung von Chelsea Cains Psychothriller zieht wieder in den Bann der Serienkillerin Gretchen Lowell." (News)
Leseprobe:
Der Forest Park war hübsch im Sommer. Portlands aschgrauer Himmel verschwand beinahe ganz hinter dem Baldachin aus Espen, Zedern und Ahornbäumen, der das Licht filterte und hellgrün schimmern ließ. Eine leichte Brise kitzelte die Blätter. Winden und Efeu krochen an den moosbewachsenen Baumstämmen empor und schienen die Brombeerbüsche und Farne zu strangulieren, ein Gewirr von Ranken, das hüfthoch zu beiden Seiten des ungeteerten Fußwegs aufragte. Der Bach murmelte und mahlte, Vögel zwitscherten. Wirklich alles sehr hübsch, sehr idyllisch, bis auf die Leiche.
Die Frau war bereits eine Weile tot gewesen. Ihr Schädelknochen lag frei, die Kopfhaut war zurückgezogen, ein roter Haarschopf um mehrere Zentimeter vom eigentlichen Haaransatz getrennt. Tiere hatten ihr Gesicht weggefressen, Augen und Hirn den Kräften der Verwesung ausgesetzt. Die Nase war verschwunden, man sah die dreieckige Aussparung im Knochen darunter; die Augenhöhlen sahen aus wie kleine Schüsseln voll schmierigem, seifenartigem Fett. Die von Blasen und geronnenem Blut bedeckte Haut an Hals und Ohren hatte sich in Streifen abgeschält, um dieses entsetzliche Totenschädelgesicht mit dem offen stehenden Mund zu umrahmen
"Bist du noch da?"
Archie wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Handy zu, das er an sein Ohr hielt. "Ja."
"Soll ich mit dem Abendessen auf dich warten?" Er sah auf die tote Frau hinunter und war in Gedanken bereits mit dem Fall beschäftigt. Sie konnte das Opfer einer Überdosis sein. Oder eines Mordes. Sie konnte aus dem Radschacht eines Jumbo Jets gefallen sein. Letzteres hatte Archie in einer Folge von Law & Order gesehen. "Ich glaube nicht", sagte er ins Handy.
Er hörte die vertraute Sorge in Debbies Stimme. Es war ihm gut gegangen zuletzt. Er hatte die Schmerztabletten eingeschränkt, ein wenig zugenommen. Aber sowohl er als auch Debbie wussten, dass dies alles noch nicht reichte. Hauptsächlich tat er nur so als ob. Er tat, als lebte er, als atmete er, als arbeitete er; er tat, als würde alles wieder gut werden. Es schien den Leuten, die er liebte, zu helfen. Und das war schon etwas. Das wenigstens konnte er für sie tun. "Denk dran, etwas zu essen", sagte sie und seufzte.
"Ich hol mir mit Henry später etwas." Archie klappte das Handy zu und ließ es in seine Tasche gleiten. Seine Finger berührten die Pillendose aus Messing, die sich ebenfalls in der Tasche befand, und verweilten einen Moment bei ihr. Zweieinhalb Jahre waren seit seinem Martyrium vergangen. Er war erst seit einigen Monaten wieder gesundgeschrieben. Lange genug, um seinen zweiten Serienmörder zu fassen. Er überlegte schon, ob er sich eigene Visitenkarten machen lassen sollte: Spezialist für die Ergreifung von Serienmördern. Vielleicht in Prägeschrift. Sein Kopf schmerzte, und er begann reflexartig, den Deckel der Pillendose zu öffnen, doch dann ließ er von ihr ab, zog die Hand aus der Tasche und fuhr sich durchs Haar. Nein. Nicht
jetzt.
Er kauerte sich zu Lorenzo Robbins, der neben der Leiche hockte, die Dreadlocks unter der Kapuze eines weißen
Kunststoffoveralls versteckt. Die glatten Steine des Bachbetts waren glitschig vor Moos. "Ihre Frau?", fragte Robbins.
Archie zog ein Notizbuch und einen Kugelschreiber aus seiner anderen Tasche. Hinter ihnen blitzte es, als ein Fotograf der Spurensicherung ein Bild machte. "Exfrau."
"Sie sind sich noch nahe?"
Archie zeichnete einen Umriss der Frau in sein Notizbuch. Trug die Lage der umgebenden Bäume ein, den Bach unterhalb. "Wir wohnen zusammen."
"Oh."
Das Blitzlicht ging wieder los. "Ist eine lange Geschichte", sagte Archie und rieb sich mit einer Hand über die Augen.
Robbins hob mit einer Pinzette die lose Kopfhaut der Frau an, damit er darunterspähen konnte. Dutzende schwarzer Ameisen krabbelten heraus und liefen über den Schädel zu dem verwesenden Gewebe innerhalb der Nasenöffnung. "Da waren Hunde dran."
"Wilde?", fragte Archie und schaute in den umliegenden Wald. Der Forest Park war zwanzig Quadratkilometer groß, der größte Stadtwald in den Vereinigten Staaten. Teile davon waren sehr abgelegen, andere überlaufen. Das Gebiet, in dem man die Leiche gefunden hatte, lag im tiefer gelegenen Teil des Parks, der von einem steten Strom von Joggern, Wanderern und Mountainbikern frequentiert wurde. Oben am Hang waren sogar mehrere Häuser zu sehen.
"Nein, wahrscheinlich Haushunde", sagte Robbins. Er drehte sich um und stieß den Daumen im Latexhandschuh in Richtung Hang. "So wie die Leiche hinter den Büschen liegt, sieht man sie vom Weg aus nicht. Leute kommen mit Hunden vorbei, die nicht angeleint sind. Fiffy klettert hier runter und reißt ein Stück Wange aus der Leiche." Er sah auf die Tote hinunter und zuckte die Achseln. "Der Besitzer glaubt, er hat einen toten Vogel oder so etwas gefunden. Er lässt ihn eine Weile herumschnüffeln. Dann laufen sie weiter."
"Sie meinen, sie wurde von Möpsen gefressen?" "Allmählich. Über einige Wochen hinweg." Archie schüttelte den Kopf. "Nett." Robbins runzelte die Stirn und blickte zum Weg empor. "Komisch, dass niemand etwas gerochen hat."
"Es gab ein Leck in einem Abwasserkanal", sagte Archie. "Bei einem der Häuser oben am Hang."
Das Stirnrunzeln verstärkte sich. "Zwei Wochen lang?" Archie trug den Wanderweg in seine Skizze ein. Der nächstgelegene Punkt des Wegs befand sich vielleicht zwölf, dreizehn Meter oberhalb von ihnen. Dann machte er eine Kurve und verlief noch weiter hinauf, tiefer in den Wald hinein. "Die Leute erklären sich's halt." "Glauben Sie, sie war eine Prostituierte?" "Wegen der Schuhe?" Einen trug sie immer noch - einen bernsteinfarbenen Pumps. Den anderen hatte man ein paar Meter entfernt im Moos unter einem Farn gefunden. "Vielleicht. Vielleicht war sie auch eine modebewusste Dreizehnjährige. Schwer zu sagen." Archie blickte auf den entstellten Mund, die Zähne hoben sich weiß und ebenmäßig von all dem Blut und Knorpel ab. "Sie hatte schöne Zähne."
"Ja", stimmte Robbins leise zu. "Sie hatte schöne Zähne."
Wenig später beobachtete Archie, wie sein Partner Henry Sobol langsam und zögerlich den Hang herunterkam. Er trug eine schwarze Jeans, ein schwarzes T-Shirt und trotz der Hitze eine schwarze Lederjacke. Henry hielt den Blick gesenkt, die Lippen vor Konzentration geschürzt, die Arme seitlich ausgestreckt, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Mit den ausgestreckten Armen und dem kahl rasierten Schädel sah er aus wie ein Kraftmensch im Zirkus.
Autorenportrait:
Chelsea Cain, geboren 1972, ist Journalistin und Schriftstellerin. Sie hat die Bücher Dharma Girl (1996) und The Hippie Handbook (2000) verfasst und die Anthologie Wild Child herausgegeben. Nach ihrer Tätigkeit für eine Reihe von Zeitschriften arbeitete sie als Kolumnistin für die Zeitung The Oregonian. Mit Furie, dem ersten von drei Romanen um den Polizisten Archie Sheridan, in denen die schillernde Serienmörderin Gretchen Lowell sich als die eigentliche Hauptperson erweist, und der Fortsetzung Grazie hat sie einen fulminanten Erfolg beim deutschsprachigen Publikum erzielt und ist seitdem eine der erfolgreichsten internationalen Thriller-Autorinnen. Chelsea Cain lebt in Portland, Oregon.