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Kinder sind anders. Kinder fordern uns heraus

von Ulrich Weber, Ingeborg Waldschmidt, Helene Helming, Maria Montessori, Percy Eckstein (Buch)

  • ISBN:3-608-94535-0
  • EAN:9783608945355
  • Veröffentlichungsdatum:März 2009
  • Gewicht in g:413
  • Auflage:14. durchges. u. erweiterte Auflage, Nachdruck.
  • Reihe:Kinder fordern uns heraus
  • Seiten:303

Kurzbeschreibung:

In der aktuellen bildungspolitischen Diskussion um die Fortentwicklung des Schulwesens finden die Grundgedanken der Montessori-Pädagogik immer stärkere Beachtung. Montessori hat sowohl moderne Unterrichtsformen als auch didaktisches Arbeitsmaterial entwickelt, die dem kindlichen Entwicklungs- und Forschungsdrang entgegenkamen und selbstbestimmtes Lernen ermöglichten. Sie definierte die Schüler- und Lehrerrolle neu, führte altersund leistungsgemischte Klassen ein. Ihre pädagogischen Prinzipien haben sich weltweit bewährt.

Leseprobe:

"2. Kapitel Der Erwachsene als Angeklagter

Wenn Freud im Zusammenhang mit den tiefsten Ursprüngen der beim Erwachsenen zutage tretenden seelischen Störungen von Unterdrückung spricht, so ist dies an sich bezeichnend genug.

Das Kind kann sich nicht so frei entwickeln, wie es für ein im Wachstum begriffenes Lebewesen erforderlich wäre, und zwar deshalb, weil der Erwachsene es unterdrückt. Das Kind steht isoliert in der menschlichen Gesellschaft da. Wer auf das Kind Einfluss ausübt, ist für dieses nicht im abstrakten Sinne ein Vertreter der Welt des Erwachsenen, sondern verkörpert sich sogleich in derjenigen Person, die ihm am nächsten steht. An erster Stelle ist dies die Mutter, dann folgt der Vater, schließlich jeder andere Lehrer und Erzieher.

Die Aufgabe, die diesen Erwachsenen von der Gesellschaft zugeteilt wurde, ist gerade das Gegenteil von Unterdrückung: Sie sollen das Kind erziehen und weiterbilden. So erwächst aus der seelischen Tiefenforschung eine Anklage gegen jene, die bisher für die Behüter und Wohltäter des Menschengeschlechtes galten. Sie alle werden plötzlich zu Angeklagten, und da so ziemlich alle Menschen Väter und Mütter sind und die Zahl der Lehrer und Erzieher groß ist, erweitert sich diese Anklage auf den Erwachsenen schlechthin, auf die menschliche Gesellschaft, die für die Kinder verantwortlich ist. Es ist etwas Apokalyptisches an dieser überraschenden Anklage, so als riefe die geheimnisvolle und schreckliche Stimme des Jüngsten Gerichtes: "Was habt ihr mit den euch anvertrauten Kindern getan?"Man ist geneigt, sich zu verteidigen, zu protestieren: "Wir haben unser Möglichstes getan! Wir lieben die Kinder, wir haben für ihre Pflege jedes Opfer gebracht!" In Wirklichkeit

aber stehen zwei einander widersprechende Auffassungen da, von denen die

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