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Die Kunst zu siegen

Meine Erfolgsgeschichten von acht Siegen bei der Tour de France. Vorwort von Lance Armstrong
  • ISBN:3-941297-01-5
  • EAN:9783941297012
  • Veröffentlichungsdatum:Juni 2009
  • Gewicht in g:464
  • Seiten:256

EUR 18,95

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Kurzbeschreibung von: Die Kunst zu siegen

Pünktlich zum Start der diesjährigen Tour de France erscheint Ende Juni das brandneue Buch von Astana-Teammanager Johan Bruyneel in deutscher Erstausgabe: "Die Kunst zu siegen" ist eine lockere Sammlung seiner Erinnerungen - sowohl an die eigene Karriere als Radprofi als auch an seine bislang acht Siege bei der Tour de France mit Lance Armstrong und Alberto Contador.

Auf 224 Seiten gibt Bruyneel mit Coautor Bill Strickland teils äußerst intime Einblicke in sein Seelenleben: wie der Tod des Vaters vor der Tour de France 1993 fast zum Verzicht auf den Start geführt hätte, ihn dann jedoch zum generalstabsmäßig geplanten Sieg auf der 6. Etappe führte; wie Lance Armstrong in ähnlicher Weise mit einem Husarenritt auf den Tod seines Teamkollegen Fabio Casartelli reagierte; wie Bruyneel und Armstrong gemeinsam immer wieder unkonventionelle Trainingsmethoden einführten und sich selbst in Frage stellten; wie eine glasklare Zielsetzung zu Saisonbeginn mit exaktem Rennplan die Grundlage für ihre Erfolgsserie bildete; wie Bruyneel mit immer neuen taktischen Geniestreichen die Konkurrenz in die Schranken verwies; und wie ihn die schmerzhafte Saison 2006 erst recht die Kunst zu siegen gelehrt hat.

Dieser Blick hinter die Kulissen des Jobs eines Teamchefs ist ebenso spannend wie kurzweilig zu lesen - ein Muss für jeden Fan des Radsports.

Leseprobe von: Die Kunst zu siegen

Kapitel 3
Blech- und andere Begleitschäden
Wo gehobelt wird, da fallen Späne.
MAN SAGT MIR OFT, dass eine Fahrt in einem von mir gesteuerten Teamfahrzeug zu den nervenaufreibendsten Dingen in unserem Sport gehört. Das behaupten zumindest all jene, die mit meist unnatürlich weit geöffneten Augen und zitternden Beinen offenbar froh sind, mein Auto verlassen zu dürfen und endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben – also die Mehrzahl meiner Mitfahrer. Selbst Teammechaniker, die regelmäßig in anderen Teamfahrzeugen mitfahren oder Reporter, die schon bei vielen Mannschaften Beifahrer waren, haben bei meinem Fahrstil weiche Knie bekommen. Sogar Lance, der eigentlich dafür bekannt ist, dass er selbst beim größten Risiko cool bleibt, hielt sich krampfhaft an der Armstütze fest, als er mich nach Abschluss seiner Profikarriere ein paar Mal im Teamwagen begleitete.
Wenn man auf dem Weg zu acht Siegen bei der Tour de France ein paar andere Fahrzeuge von der Straße stößt, hat man so seinen Ruf weg.
Dazu muss man allerdings auch verstehen, dass auf der Straße grundsätzlich mehr Dinge passieren als sich die Meisten vorstellen können. Zunächst einmal gilt es zu bedenken, dass man als Teamchef auf oftmals schmalen Straßen immer nur einer unter vielen anderen Akteuren ist. Im Durchschnitt nehmen zwanzig Mannschaften an einem Rennen teil, von denen jede zwei Teamfahrzeuge hat. Hinzu kommen die omnipräsenten Autos der Rennleitung, die mit den unterschiedlichsten Aufgaben betraut sind: vom traditionellen Anführen des Rennens als Führungsfahrzeug bis hin zum genauen Beobachten von Regelverstößen (beispielsweise, wenn ein Fahrer im Windschatten eines Teamfahrzeugs Schutz sucht). Manchmal lassen sie sich auch für ein paar Minuten dicht hinter das Hauptfeld zurückfallen, um als Fans ganz einfach einen guten Blick auf ihre Lieblingsfahrer zu erhaschen. Außerdem gibt es die Fahrzeuge der Sponsoren, deren Insassen den Fans hupend und winkend Süßigkeiten zuwerfen, um möglichst viel Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zu ziehen (und ein paar VIPs einen aufregenden Blick auf den Sport zu ermöglichen, für den sie ihr Geld ausgeben). Darüber hinaus gibt es die so genannten neutralen Materialwagen, die unterschiedliche Räder aller Größen auf dem Dach transportieren und mit Ersatzlaufrädern, Ersatzteilen sowie Mechanikern vollgestopft sind. Diese springen im Falle eines Defekts aus dem Auto, noch bevor dieses vollständig angehalten hat. So sind sie in der Lage, einen Fahrer mit einem kaputten Fahrrad innerhalb von Sekunden wieder ins Rennen zu bringen. Hinzu kommen diverse Medienfahrzeuge, die nahe am Feld fahren, so dass die Berichterstatter für Zeitungen und Radio sowie Internetblogger und alle anderen vorstellbaren Medienvertreter einen möglichst guten Blick auf das Geschehen haben. Außerdem trifft man unterwegs auf verschiedene Autos mit Freunden und Familienangehörigen von allerlei Promis, Politiker vom Start- oder Zielort, die Siegerin eines lokalen Schönheitswettbewerbs oder einen Bankeigentümer, der gerne Radrennen anschaut. Und schließlich wird dies alles noch durch Horden von Motorrädern gekrönt, die wie wild gewordene Wespen um die Autos herumschwirren. Sie transportieren Fotografen, Reporter, VIPs und jeden anderen, der glücklich oder töricht genug ist einen Platz abzubekommen. Das bedeutet, dass sich gleichzeitig ungefähr 150 Autos und Motorräder mit einem Feld von mindestens hundert Radfahrern die engen Straßen teilen.
Wo man sich in diesem Gedränge befindet, hängt davon ab, wie gut die eigenen Fahrer in dem jeweiligen Rennen platziert sind. Wenn man einen der Topfahrer in seinen Reihen hat, erhält man einen der begehrten Plätze ganz dicht hinter dem Feld. Und falls einer der eigenen Fahrer während des Rennens eine Attacke lanciert und das Feld ein gutes Stück distanzieren kann, darf man mit dem Teamwagen ebenfalls dicht hinter ihm herfahren. Dabei hält man sich zwischen dem Ausreißer und dem Hauptfeld auf. Wenn der Vorsprung einen bestimmten Abstand unterschreitet, wird man von der Rennleitung angewiesen sich wieder hinter das Hauptfeld zurückfallen zu lassen.
Aber dieses Chaos aus Motorrädern, Autos und Rennfahrern ist noch längst nicht alles. Auf den Bürgersteigen und am Rand der manchmal unglaublich engen Straßen stehen Unmengen schreiender Fans in drei bis vier Reihen hintereinander und strecken ihre Köpfe dabei weit heraus, um sehen zu können, was weiter unten auf der Straße passiert. Dabei gestikulieren sie wie wild mit den Händen und halten ihre Kameras weit nach vorne über die Straße, um blind Bilder zu schießen. Sie schwenken Fahnen aller Herren Länder. Sie läuten Kuhglocken. Sie schreien: „Allez allez!“ „Venga venga!“ „Andiamo!“ „Vollebak!“ Viele von ihnen geraten dabei in einen regelrechten Rausch. Und zwischendurch springt auch schon mal ein kleines Kind oder ein verrückter Fan auf die Straße, um sich eine weggeworfene Trinkflasche als Souvenir zu sichern.
Bei voller Aufmerksamkeit und Konzentration wäre das sichere Absolvieren eines solchen Spießrutenlaufs bereits äußerst nervenaufreibend und nur mit Glück unfallfrei zu meistern. Stellen Sie sich jetzt zusätzlich eine Tätigkeit vor, bei der Sie sich besonders konzentrieren müssen – ganz egal, ob es sich dabei um die Leitung einer Mitarbeiterversammlung, das Lernen auf eine Prüfung oder das Bändigen einer Horde aufgedrehter Kinder handelt. Diese an und für sich bereits anspruchsvolle Tätigkeit sollen Sie nun durchführen, während Sie ein Auto über besagte Straßen steuern: Genau so fühlt es sich an Teamchef zu sein.
Und das ist immer noch nicht alles.
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