Willkommen

(Anmelden)

Mein Konto

Merkliste

Hilfe & Kontakt Häufige Servicefragen: Wie lange dauert die Lieferung Was kostet der Versand? Wie kann ich bezahlen? Wie gebe ich meine Ware zurück? Wie löse ich einen Gutschein ein? Weitere Fragen & Antworten im Hilfe-Center Kontaktformular Kundenhotline 0 18 05 / 30 91 80 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; max. 0,42 Euro/ Min. aus Mobilfunknetzen).
Sie erreichen uns:
Montags bis Samstags
von 8 bis 20 Uhr.
Haben Sie Fragen? Eva hilft Ihnen

Detail-Suche

Im Sog der Angst

von Jonathan Kellerman, Jochen Stremmel (Buch)

  • ISBN:3-442-47201-6
  • EAN:9783442472017
  • Veröffentlichungsdatum:August 2009
  • Gewicht in g:466
  • Reihe:Goldmanns Taschenbücher
  • Seiten:576
  • Stilrichtung:Roman

Kurzbeschreibung:

Auf einem abgelegenen Parkplatz wird in einem Auto ein junges Pärchen tot aufgefunden. Detective Milo Sturgis und Psychologe Dr. Alex Delaware sind von der Brutalität der Tat schockiert. Da Gavin Quick, das männliche Opfer, bei der berühmten Psychotherapeutin Dr. Mary Lou Koppel in Behandlung war, erhofft sich Delaware entscheidende Hinweise von seiner Kollegin. Doch Dr. Koppel verweigert jede Aussage. Ein Fehler, denn schon bald wird erneut einer ihrer Patienten bestialisch getötet ...



Rezension:

"Kellerman weiß wirklich, wie man den Leser süchtig macht." The New York Times Book Review

Leseprobe:

Vor einigen Jahren brannte ein Psychopath mein Haus nieder.
In der Nacht, als es geschah, war ich mit der Frau, die das Haus entworfen hatte und mit mir darin lebte, zum Abendessen ausgegangen. Wir fuhren auf dem Beverly Glen nach Norden, als die Sirenen durch die Dunkelheit schnitten und heulten wie Kojoten bei einer Totenklage.
Der Lärm erstarb rasch, was auf eine Katastrophe in der Nähe schließen ließ, aber es gab keinen Grund, das Schlimmste anzunehmen. Falls man nicht ein Pessimist sondergleichen ist, denkt man: "Da hat irgendein armer Teufel Pech gehabt."
In jener Nacht habe ich eine andere Erfahrung gemacht.
Seitdem löst das Horn eines Krankenwagens oder eines Feuerwehrautos etwas in mir aus - meine Schulter verkrampft sich, mein Atem stockt, das pflaumenblaue Ding in meiner Brust gerät ins Stolpern.
Pawlow hatte Recht.
Ich bin als klinischer Psychologe ausgebildet worden und könnte etwas dagegen tun, habe mich aber entschieden, es bleiben zu lassen. Manchmal erinnert mich die Angst daran, dass ich am Leben bin.


Als die Sirenen kreischten, aßen Milo und ich bei einem Italiener oben am Glen zu Abend. Es war halb elf an einem kühlen Juniabend. Das Restaurant schließt um elf, aber wir waren die letzten Gäste, und der Kellner sah müde aus. Die Frau, mit der ich jetzt zusammen war, gab einen Abendkurs in Psychologie des Abnormen an der Uni, und Milos Lebensgefährte Rick Silverman hatte in der Unfallstation des Cedars-Sinai alle Hände voll damit zu tun, das Leben der fünf am schwersten Verletzten einer Massenkarambolage auf dem Santa Monica Freeway zu retten.
Milo hatte gerade die Akte zu einem Überfall auf einen Schnapsladen am Pico Boulevard geschlossen, bei dem mehrere Menschen getötet worden waren. Die Lösung des Falls hatte größere Anforderungen an seine Beharrlichkeit als an seine grauen Zellen gestellt. Er war in der Lage, sich seine Fälle auszusuchen, und es waren noch keine neuen auf seinem Schreibtisch aufgetaucht.
Ich war endlich damit fertig geworden, als Gutachter in einem endlosen Sorgerechtsstreit auszusagen, der von einem berühmten Regisseur und seiner berühmten Schauspielergattin ausgetragen wurde. Zu Beginn der Konsultation war ich einigermaßen optimistisch gewesen. Der Regisseur war mal Schauspieler gewesen, und sowohl er als auch seine Exfrau wussten, wie man einen guten Auftritt hinlegt. Inzwischen waren drei Jahre vergangen, und die Kinder, die anfangs in einer guten Verfassung gewesen waren, lebten nun in Frankreich und waren hoffnungslose Fälle.
Milo und ich vertilgten Focaccia und Salat aus jungen Artischocken, mit Spinat gefüllte Orecchiette und hauchdünn geklopftes Kalbfleisch. Uns war beiden nicht nach Reden zumute, und eine Flasche anständiger Weißwein machte das Schweigen angenehmer. Wir waren beide merkwürdig zufrieden; das Leben war nicht fair, aber wir hatten gute Arbeit geleistet.
Während die Sirenen näher kamen, hielt ich den Blick auf den Teller gerichtet. Milo hörte auf zu essen. Die Serviette, die er in seinen Hemdkragen gesteckt hatte, war voller Spinat- und Olivenölflecken.
"Mach dir keine Sorgen", sagte er. "Das ist kein Feuer."
"Wer macht sich Sorgen?"
Er schob sich die Haare aus der Stirn, nahm Gabel und Messer zur Hand, spießte etwas auf, kaute, schluckte. "Woher weißt du das?", fragte ich.
"Dass es kein Feuerwehrauto ist? Vertrau mir, Alex. Es ist ein Streifenwagen. Ich kenne die Frequenz."
Ein zweiter Streifenwagen fuhr heulend vorbei. Dann ein dritter.
Er zog sein winziges blaues Mobiltelefon aus der Tasche und drückte auf einen Knopf. Eine gespeicherte Nummer wurde gewählt.
Ich zog die Augenbrauen hoch.
"Reine Neugier", erklärte er. Offenbar ging jemand an den Apparat, denn er sagte ins Telefon: "Hier spricht Lieutenant Sturgis. Worum ging es bei dem Notruf in der Gegend des oberen Beverly Glen? Ja, in der Nähe vom Mulholland Drive." Er wartete, seine grünen Augen im spärlichen Licht des Restaurants fast zu einem Braunton verdunkelt. Unter der befleckten Serviette befand sich ein himmelblaues Polohemd, das wirklich nicht gut mit seinem blassen Teint harmonierte. Seine Aknenarben traten deutlich hervor, und seine Hängebacken sahen aus wie frisch gefüllte Weinschläuche. Lange weiße Koteletten rahmten sein großes Gesicht, ein Paar Stinktierstreifen, die künstlich seinem schwarzen Haar zu entsprießen schienen. Er ist ein schwuler Polizist und mein bester Freund.
"Tatsache", sagte er. "Ist schon ein Detective zugeteilt? Okay, hören Sie, ich bin zufällig gerade ganz in der Nähe, kann in zehn Minuten dort sein - sagen wir fünfzehn - nein, besser zwanzig Minuten. Ja, ja, klar."
Er klappte das kleine Telefon zu. "Doppelmord, zwei Leichen in einem Wagen. Da ich so nahe dran bin, dachte ich mir, ich sollte es mir mal ansehen. Der Tatort wird noch abgeriegelt, und die Leute von der Spurensicherung sind noch nicht eingetroffen, also können wir noch einen Nachtisch bestellen. Was hältst du von Cannoli?"


Wir teilten uns die Rechnung, und er bot mir an, mich nach Hause zu begleiten, aber das nahm keiner von uns beiden ernst.
"In dem Fall", sagte er, "nehmen wir den Seville."
Ich fuhr schnell. Der Tatort lag auf der rechten Seite der Kreuzung von Glen und Mulholland, einen schmalen, verfallenen, als PRIVAT gekennzeichneten Granitweg hoch, der einen mit Platanen bewachsenen Hang hinaufführte.
Ein Streifenwagen stand am Beginn des Wegs. An einem wenige Schritte weiter stehenden Baum war ein ZU-VERKAUFEN-Schild angebracht, das das Logo eines Immobilienmaklers aus Westside trug. Milo zeigte dem uniformierten Beamten in dem Wagen sein Abzeichen, und wir fuhren durch.
Am oberen Ende des Wegs lag ein Haus hinter einer hohen, nachtschwarzen Hecke. Zwei weitere Streifenwagen blockierten die letzten zehn Meter zu dem Gebäude. Wir parkten und gingen zu Fuß weiter. Der Himmel war leicht violett, in der Luft hing immer noch der strenge Geruch zweier Buschfeuer, eins bei Camarillo, das andere hinter Tujunga. Beide waren erst vor kurzem gelöscht worden. Eins hatte ein Feuerwehrmann gelegt.
Hinter der Hecke befand sich ein stabiler Holzzaun. Das Tor stand offen. Die Leichen lagen in einem roten Mustang-Kabrio, das auf einer halbkreisförmigen, mit Platten gepflasterten Zufahrt stand. Das Haus hinter der Zufahrt war eine leer stehende Villa, ein großes neospanisches Ding, das vermutlich bei Tageslicht fröhlich pfirsichfarben war. Zu dieser Stunde war es grau wie Fensterkitt.

Autorenportrait:

Jonathan Kellerman ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Kinderpsychologe. Seine Reihe mit dem Psychologen Dr. Alex Delaware ist berühmt für höchst einfühlsam entwickelte Figuren und eine raffinierte Handlung: Hochspannung von der ersten bis zur letzen Seite. Dafür ist er unter anderem mit dem „Edgar-Alan-Poe-Award”, Amerikas bedeutendstem Krimipreis, ausgezeichnet worden.

7,00* EUR