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Todesstarre

von Elvira Willems, Jefferson Bass (Buch)

  • ISBN:3-442-47152-4
  • EAN:9783442471522
  • Veröffentlichungsdatum:Januar 2010
  • Gewicht in g:310
  • Reihe:Goldmanns Taschenbücher
  • Seiten:384
  • Stilrichtung:Thriller

Rezension:

"Höchstpunktzahl! Ein rasanter Roman mit einem tollen Ermittler." Harriet Klausner

Kurzbeschreibung:

Forensik-Thriller vom Gründer der legendären Body-Farm


In Oak Ridge, auch bekannt als»Atomic City«, wird in einem zugefrorenen Swimmingpool die Leiche des Physikers Dr. Leonard Novak gefunden, dessen Arbeit einst zur Entwicklung der Atombombe beigetragen hatte. Erste Untersuchungen ergeben, dass Novak nicht ertrunken ist, sondern durch radioaktive Stoffe vergiftet wurde. Als der Forensiker Dr. Bill Brockton auf der Suche nach Hinweisen in Novaks Vergangenheit eintaucht, stößt er auf ein düsteres Geheimnis ...



Leseprobe:

Eine Stadt wird errichtet auf dem Black Oak Ridge ... Ich sehe gewaltige Maschinen, die große Gräben graben, und das geschäftige Gewimmel tausender von Menschen. Sie werden mancherlei erbauen, und es wird viel Lärm sein und Durcheinander, und die Erde wird beben. Das Bear Creek Valley wird eines Tages voller riesiger Gebäude und Fabriken sein, die helfen werden, den größten Krieg zu gewinnen, den es je geben wird. So habe ich es gesehen. So wird es sein.
John Hendrix Provinzprediger, Tennessee, um 1900


Die bunten Zelte, die sich auf der Lichtung drängten, auf der ich stand, hätten auf einem Rummelplatz oder einem Renaissance-Markt durchaus nicht fehl am Platze gewirkt. Was für eine interessante Ironie: ein Renaissance-Fest, ein Fest der Wiedergeburt - ausgerechnet hier auf dem Gelände der Body Farm der University of Tennessee, dem einzigen Ort der Welt, wo sich alles um das Studium der Toten und ihrer Verwesung drehte.
Die Zelte - weiß, rot, grün, gelb, blau - rangelten um jeden Zentimeter. Den Spitznamen "Body Farm" hatte die anthropologische Forschungseinrichtung vor Jahrzehnten von einem FBI-Beamten bekommen, als er die Leichen gesehen hatte, die auf den drei Morgen Land verstreut lagen. Der Name war hängen geblieben und diente jetzt sogar als Inspiration für die Benennung einer ähnlichen Einrichtung. Eine ehemalige Absolventin der University of Tennessee war soeben dabei, in San Marcos in Texas eine ähnliche Forschungseinrichtung zu gründen. Noch bevor die erste Leiche zu Forschungszwecken auf dem Gelände ankam, hatte die Einrichtung in Texas schon den Namen "Body Ranch" weg.
Mehrere der dicht beieinander stehenden Zelte hatten Stützrahmen aus aufblasbaren Elementen, die übrigen spinnenartige Bögen aus geometrischen Hohlstangen-Nissenhütten im Stil des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Normalerweise standen hier keine Zelte; abgesehen von dem Gras und dem Laub an den Bäumen, war der bunteste Farbfleck normalerweise eine große blaue Plane, die über unserer Materialhütte aus Wellblech und dem kleinen, betonierten Vorplatz gespannt war. Die Zelte - die mit ihren fröhlichen Farben nicht recht in die kahle Winterlandschaft und die bittere Kälte passen wollten - waren gerade mal vor vierundzwanzig Stunden aufgestellt worden und würden in weiteren vierundzwanzig Stunden auch schon wieder verschwunden sein. Trotz ihres Budencharakters wurde in den Zelten das alptraumhafte Szenario eines der denkbar finstersten Ereignisse aufgeführt: eines atomaren Terroranschlags.
Auf einer Fahrtrage in dem größten Zelt lag mit dem Gesicht nach oben eine nackte männliche Leiche, deren runzlige Haut in den drei Wochen im Kühlraum im Leichenschauhaus der Medizinischen Fakultät der University of Tennessee, jenseits des Holzzauns und der kahlen Baumreihe der Body Farm gerade noch zu sehen, grau und schimmelig geworden war. Vierzehn weitere Leichen - im Laufe der vergangenen Monate ausgewählt und gelagert -waren in einem Sattelschlepper eingeschlossen, der außerhalb des Zauns parkte. Die insgesamt fünfzehn Leichen standen für hunderte oder sogar - Gott behüte - tausende von Opfern, die es geben würde, falls es Terroristen eines Tages irgendwo in einer Stadt in den USA gelingen sollte, einen atomaren Terroranschlag zu verüben.
Fünf Menschen standen um die Fahrtrage herum. Schutzbrillen und Atemmasken verbargen ihre Gesichter, und die bauschigen Schutzanzüge, deren weiße Tyvek-Ärmel und Beine mit Klebeband an schwarze Gummihandschuhe und -stiefel geklebt waren, ließen kaum ahnen, ob es Männer oder Frauen waren. Eine der weißgewandeen Gestalten hielt ein kastenartiges beigefarbenes Instrument in einer Hand und in der anderen einen Metallstab, der mit dem Kasten verbunden war. Während sie mit dem Stab in einigen Zentimetern Entfernung über den Kopf, die Brust und den Bauch und dann über die Arme fuhr, stieß der Kasten gelegentlich ein Klicken aus. Als sich der Stab dem linken Knie näherte, wurde das Klicken schneller, dann verschmolz es zu einem anhaltenden Summen. Da meine Kindheit in die Zeit des Kalten Kriegs gefallen war - wie oft hatte ich bei Zivilschutzübungen "ducken und zudecken" geübt, als könnte mein hölzernes Schulpult mich vor einer sowjetischen Wasserstoffbombe schützen -, war mir das aufdringliche Klicken des Geigerzählers wohl vertraut.
Während der Stab verweilte, beugten sich die anderen vier Gestalten vor, um das Knie zu inspizieren. Einer fotografierte, zwei andere machten sich daran, den Körper mit einer seifigen Flüssigkeit einzusprühen und die Haut abzuwaschen, wobei sie dem Knie besondere Aufmerksamkeit schenkten. Während sie schrubbten, entfernte einer eine kleine orangefarbene Scheibe, etwa so groß wie ein Vierteldollar, und reichte sie dem Teamleiter. Ein winziges, in eine Sicherheitskapsel eingeschlossenes Stückchen radioaktives Strontium - genug, um den Geigerzähler Alarm schlagen zu lassen, doch nicht genug, um irgendeine Gefahr darzustellen - simulierte die Kontamination der Leiche. Sobald sie fertig waren mit Abwaschen, überprüfte der Techniker mit dem Geigerzähler das Knie noch einmal. Diesmal zeigte das langsame Ticken des Geräts nur die normale Umgebungsstrahlung an. Auf ein Zeichen des
Leiters hin wurde die Leiche aus dem Zelt gerollt und zu dem Hänger mit den anderen vierzehn Leichen gebracht, die bereits einer ähnlichen Untersuchung und Dekontamierung unterzogen worden waren.
Eine nach der anderen spülten sich die Gestalten in den Tyvek-Anzügen unter der kältesten Dusche der Welt ab: einem Sprühnebel aus Seifenwasser, dem wegen der Frosttemperaturen an diesem Tag in letzter Minute noch Alkohol zugesetzt worden war. Die Kontamination des Teams war, wie die der Leichen, nur simuliert, doch es ging darum, die Übung so realistisch wie möglich zu gestalten, wobei die bittere Kälte die Sache erheblich erschwerte. Erst nach dem Duschen wurden die Schutzbrillen und Atemmasken abgelegt. Einem der weißen Anzüge entstieg meine rotgelockte, sommersprossige Forschungsassistentin Miranda Lovelady, einem anderen kurz darauf Art Bohanan, der ortsansässige Fingerabdruckexperte bei der Polizei von Knoxville. Der Teamleiter war der Strahlenschutzexperte Hank Strickland. Hank arbeitete in einer Einrichtung in Oak Ridge namens REAC/TS - dem Notfall- und Ausbildungszentrum für Strahlungsunfälle -, die medizinische Einsatztruppen in alle Ecken der Welt schickte, um bei Strahlenunfällen zu helfen.
Doch Hank war, genau wie Miranda und Art, heute als freiwilliges Mitglied von DMORT hier, dem Disaster Mortuary Operational Response Team. DMORT war in den 1990er-Jahren gegründet worden, um bei Katastrophen mit einer großen Zahl von Todesopfern wie Flugzeugunglücken oder Wirbelstürmen bei der Identifikation der Opfer zu helfen.

Autorenportrait:

Hinter dem Namen Jefferson Bass verbirgt sich das Autorenduo Dr. Bill Bass und Jon Jefferson.
Dr. Bill Bass ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der forensischen Anthropologie. Er gründete die legendäre "Body Farm" und trug mit seine

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