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Mein verräterisches Herz

von Anke Koerten, Janet Chapman (Buch)

  • ISBN:3-442-37424-3
  • EAN:9783442374243
  • Veröffentlichungsdatum:Januar 2010
  • Gewicht in g:321
  • Reihe:Blanvalet Taschenbücher
  • Seiten:384
  • Stilrichtung:Roman

Kurzbeschreibung:

Wilde Landschaften, leidenschaftliche Gefühle und prickelnde Erotik!


Der Holzbaron Alex Knight wird irrtümlich für tot erklärt. Gesund kehrt er nach Maine zurück und erfährt, dass er jetzt verheiratet ist - mit einer Frau, die er noch nie gesehen hat. Alex glaubt, dass die verführerische Sarah es nur auf sein Vermögen abgesehen hat. Doch das erklärt nicht das brennende Verlangen, dass sie in ihm weckt ...



Leseprobe:

Alex Knight kämpfte gegen die Müdigkeit an, die auf seinen Lidern lastete, und fuhr sich mit unsicherer Hand durchs Haar - ein matter Versuch, Klarheit in seinen benebelten Kopf zu bringen. Er musste sich auf die Straße konzentrieren. Knapp zehn Meilen vor seinem Haus einem Unfall zum Opfer zu fallen, nachdem es ihm geglückt war, im Dschungel Brasiliens dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, wäre eine unüberbietbare Ironie des Schicksals gewesen. Er ließ das Fenster des Mietwagens herunter und atmete die kühle Novemberluft ein. Der Duft des Nadelwaldes würde ihn erfrischen. Keine drei Tage zuvor hatte er noch geglaubt, faulig-feuchter Dschungelmoder wäre das Letzte, was er je riechen, und das Gekreische der Affen das Letzte, was er je hören würde.
Jetzt aber war er zu Hause, dank einer Riesenportion Glück und seiner Entschlossenheit, nicht im stinkenden Dschungel durch die Hände wahnwitziger Rebellen den Tod zu finden. Nun, Glück allein war es nicht gewesen, dem er seine Heimkehr verdankte, sondern vor allem auch der Gedanke an seinen Vater und an seine Brüder, die ihn brauchten, sowie an seine beiden Kinder, die ihn noch nötiger hatten und die schließlich nicht zu Waisen werden sollten. Als Alex in die private Forststraße der Knights einbog, war er mit einem Mal hellwach. Freudige Erwartung beschleunigte seinen Puls und ließ seinen Fuß schwer auf dem Gaspedal ruhen, als er das Schild passierte, das ihm anzeigte, dass er sich nun auf dem Grundstück von North Woods Timber befand. Noch acht Meilen Schotterstraße, die er wie seine Westentasche kannte, und der Schoß der Familie hatte ihn wieder.
Alex wich gefrorenen Pfützen aus, als er beschleunigte und den Wagen um eine Kurve steuerte, ehe er über die massive Holzbrücke rumpelte, die den Oak Creek überspannte. Vorletzten Sommer hatte er mit Ethan und Paul diese Brücke neu erbaut und konnte sich noch gut an die Debatten mit seinen Brüdern erinnern, als es um die Bauweise gegangen war. Ethan hatte für Stahlträger plädiert, Paul wollte nur eine Fahrspur, und Grady, dem Vater und Patriarchen des kleinen Clans, war es einerlei, wie die Brücke gebaut wurde, solange sie nur fertig wurde, bevor womöglich ein beladener Holztransporter im Bach landete.
Alex runzelte die Stirn, als er den Wagen beschleunigte. Verdammt, wo steckte seine Familie überhaupt? Er hatte vor drei Tagen von der US-Botschaft in Brasilien aus unzählige Male zu Hause angerufen; am Tag zuvor hatte er es von Mexiko aus abermals versucht, und heute Morgen nach der Landung in Maine wieder. Niemand hatte sich gemeldet. Nur eine mechanische Stimme hatte ihm mitgeteilt, dass der Anrufbeantworter voll sei.
Eine schöne Heimkehr. Verdammt, immerhin war er dem Tod von der Schippe gesprungen - und keiner hatte eine Ahnung! Von der Firma, für die er in Brasilien gearbeitet hatte, wusste er, dass man vor elf Tagen zwei Mann nach Oak Grove geschickt hatte. Sie sollten seiner Familie schonend beibringen, dass er getötet worden war und dass der Fluss seinen Leichnam vermutlich mitgerissen hatte, als eine Bande von Aufständischen die Baustelle überfallen hatte, auf der er als Ingenieur tätig war: ein Staudamm. Dies bedeutete, dass eigentlich alle zu Hause sein und ihren Verlust betrauern müssten, anstatt sich irgendwo herumzutreiben. Doch nun sah es ganz danach aus, als würden die fünf Menschen, die er so innig liebte, seine wundersame Auferstehung verpassen.
Alex bremste scharf, als der dichte Wald sich plötzlich lichtete und einen spektakulären Blick auf den See freigab. Er wartete, bis der eisige Dunst sich legte, während er aus dem offenen Fenster starrte. Sein langer und schmerzlicher Seufzer drückte das Gefühl aus, das er empfand, als er die nördlichste Bucht des Frost Lake erblickte, die tief in die dicht bewaldeten Berge hineinreichte. Es war ein Anblick, der nie verfehlte, ihn anzurühren, und heute Morgen empfand er ihn als besonders bewegend.
Mit einem Mal überfiel Alex die Erinnerung an eine andere, bereits zehn Jahre zurückliegende Heimkehr, als er seine Braut nach Hause geführt hatte. Er hatte an ebendieser Stelle angehalten, und sie hatten von ihrer gemeinsamen Zukunft gesprochen - Charlotte von ihren Plänen, die Küche des Blockhauses auf den neuesten Stand zu bringen, und Alex von seiner Hoffnung, seinen Landbesitz in den nächsten zwei Jahren um noch einmal hunderttausend Morgen zu vergrößern.
Er schüttelte den Kopf. Wie naiv er mit zweiundzwanzig Jahren doch gewesen war oder vielmehr: wie geblendet von Charlottes Schönheit - so sehr, dass er die Dollarzeichen in ihren Augen übersehen hatte. Sie hatte ihn und ihre beiden Kinder fünf Jahre darauf verlassen, nachdem sie begriffen hatte, dass Gewinne in den Kauf von Land und Ausrüstungsgegenständen investiert wurden und dass eine neue Einrichtung sich auf die Anschaffung eines Herdes beschränkte. Vier Monate später war Charlotte bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Alex war als Witwer und alleinerziehender Vater von Delaney und Tucker hinterblieben. Seine Tochter Delaney war jetzt zehn, und Tucker war vor drei Monaten sieben geworden.
Ja, seine Ehe war ein Fehler gewesen, den er so rasch nicht zu wiederholen gedachte. Er hatte seine Kinder, seinen Vater und seine Brüder sowie ihren gemeinsamen Holzhandel. Er hatte alles, was ein Mann sich vom Leben erhoffen konnte. Von einem Leben, in dem er eine zweite Chance bekommen hatte und das er nie wieder als Selbstverständlichkeit betrachten würde, wie Alex sich schwor, als er zum Domizil der Knights hinüberblickte, das sich drei Meilen weiter am steinigen Ufer unter eine Gruppe ehrwürdige alte Fichten schmiegte.
Er konnte eben noch den Bootssteg ausmachen, der sich von der Südseite der Halbinsel hinaus ins Wasser erstreckte, und erkannte, dass das Wasserflugzeug nicht da war. Aus dem Schornstein des siebzig Jahre alten Holzhauses stieg jedoch Rauch auf und zeigte ihm an, dass jemand daheim war. Warum hatte dann aber niemand auf seine Anrufe reagiert?
Einen Augenblick, bevor er ihn sah, hörte Alex den Elf-Achser in seine Richtung kommen. Er trat aufs Gas und steuerte seinen Wagen an den Straßenrand. Rasch kurbelte er das Fenster hoch, um der Staubwolke zu entgehen, die ihn zeitgleich mit dem ohrenbetäubenden Geheul des Signalhorns traf, als der mit Baumstämmen beladene Transporter vorbeiratterte.

Autorenportrait:

Seit sie denken kann, hat Janet Chapman sich Geschichten ausgemalt, und daher ist das Schreiben von Romanen — viele davon wurden bereits mit Preisen ausgezeichnet — ihre größte Leidenschaft. Mit ihrer Zeitreise-Saga schrieb sie sich direkt auf die Spitzenplätze der New York Times-Bestsellerliste. Janet Chapman lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Söhnen, drei Katzen und einem Elchbullen, der sie regelmäßig im Garten besucht, in Maine.

7,00* EUR