Willkommen

(Anmelden)

Mein Konto

Merkliste

Hilfe & Kontakt Häufige Servicefragen: Wie lange dauert die Lieferung Was kostet der Versand? Wie kann ich bezahlen? Wie gebe ich meine Ware zurück? Wie löse ich einen Gutschein ein? Weitere Fragen & Antworten im Hilfe-Center Kontaktformular Kundenhotline 0 18 05 / 30 91 80 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; max. 0,42 Euro/ Min. aus Mobilfunknetzen).
Sie erreichen uns:
Montags bis Samstags
von 8 bis 20 Uhr.
Haben Sie Fragen? Eva hilft Ihnen

Detail-Suche

Das Banner der Königin

von Monika Koch, Elizabeth Chadwick (Buch)

  • ISBN:3-442-37235-6
  • EAN:9783442372355
  • Veröffentlichungsdatum:Dezember 2009
  • Gewicht in g:450
  • Reihe:Blanvalet Taschenbücher
  • Seiten:544
  • Stilrichtung:Historischer Roman

Kurzbeschreibung:

Historische Fakten, große Charaktere und ein faszinierender Einblick in den dramatischen Kampf um die englische Krone


Zu Beginn des 12. Jahrhunderts spaltet die Nachfolge König Heinrichs bereits zu dessen Lebzeiten den englischen Hof. Nach seinem plötzlichen Tod entlädt sich der erbitterte Kampf um seinen Thron in einem blutigen Bürgerkrieg. John FitzGilbert, der königstreue ehemalige Hofmarschall, zunächst auf der Seite Stephans, des Neffen des toten Königs, wird schon bald gezwungen, das Lager zu wechseln - zu Mathilde, der Königstocher. Seiner Vaterlandsliebe wird schließlich das teuerste Gut eines Vaters abverlangt: Er soll seinen eigenen Sohn für den Frieden Englands opfern ...



Rezension:

"Ein fesselnder, turbulenter historischer Roman." (Financial Times)

Leseprobe:

Vernon-sur-Seine, Normandie, Herbst 1130


"Warum sind hier in der Abrechnung Zelter aufgeführt, obwohl ich im Stall nur ganz gewöhnliche Gäule vorgefunden habe?", fragte John FitzGilbert in eisigem Ton und bedachte seinen Stellvertreter dabei mit durchdringendem Blick. Seine Augen schimmerten so dunkel wie die Oberfläche eines im Schatten liegenden Wassers.
"Mylord?" Unter dem linken Auge seines Gegenübers zuckte ein winziger Muskel.
Herbstliches Sonnenlicht glitt über die Binsen, die als dicker Teppich den Fußboden der Halle in König Heinrichs Jagdhütte bedeckten, streifte das Eck einer Tischplatte und fiel auf das untere Drittel eines Schriftstücks, das die Hand des geübten Schreibers verriet. Sein goldener Schein wärmte Johns Handrücken und ließ die Tresse schimmern, die den Ärmel seiner Tunika zierte. "Einer lahmt, der andere hat räudiges Fell, und der Braune ist alt genug, um schon Moses auf dem Heimweg aus Ägypten getragen zu haben!" Heftig pochte er mit dem Zeigefinger auf die fragliche Stelle. "Hier steht, dass Walter Picot fünf Zelter übergibt, um seine Schulden beim König zu begleichen. Wenn diese Gäule Reitpferde sind, so pökle ich auf der Stelle meine Stiefel und fresse sie."
"Mylord, ich ..."
"Keine Ausflüchte, Ralph. Schickt die Klepper umgehend zurück und sorgt dafür, dass Picot entsprechend den Vorgaben Ersatz leistet. Falls er sich weigert, werde ich ihn mir vorknöpfen. Ich bin nicht gewillt, den Abfall anderer Leute unter dem Dach des Königs zu horten." Mit diesen Worten lehnte er sich zurück und legte die Hand in gebieterischer Pose auf den Knauf seines Schwerts. Als Marshal des Königs war John FitzGilbert für die Ordnung am Hof verantwortlich, daher war das Schwert für ihn ein unabdingbarer Teil der Ausrüstung und wurde nicht, wie von den anderen Höflingen, nur bei Zeremonien oder im Kampf angelegt. "Sollte sich jedoch herausstellen", fuhr er fort und strich dabei nachdenklich mit dem Daumen über die weiche Rundung des Knaufs, "dass Walter tatsächlich fünf gute Zelter geliefert und einer meine Abwesenheit vom Hof ausgenutzt hat, um den eigenen Beutel zu mästen und Picots Tiere gegen diese Klepper zu vertauschen ..." Den Rest des Satzes ließ er unausgesprochen in der Luft hängen.
Ralph fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. "Ich bin sicher, dass Eure Befürchtung unbegründet ist, Mylord."
Fragend zog John eine Braue in die Höhe. Dann beugte er sich vor und legte die Hand auf das Pergament, sodass sich seine schlanken Finger über den Zeilen bogen. "Von meinen Untergebenen erwarte ich uneingeschränkte Loyalität und Tüchtigkeit, wofür ich sie auch großzügig belohne. Doch wer mich hintergeht oder betrügt, wird seines Lebens nicht mehr froh werden, wenn ich ihm erst auf die Schliche komme - falls er die Sache überhaupt überlebt. Haben wir uns verstanden?" John FitzGilbert war kaum fünfundzwanzig, doch seine Stellung als oberster Sergeant des Königs verdankte er nicht nur seinem Erbrecht auf dieses Amt. Vor nunmehr drei Jahren hatte er außerdem eine Anfechtung seiner Position vor Gericht so überzeugend abgewehrt, dass seitdem niemand mehr an seiner Befähigung zum königlichen Marshal und an seiner Kampfkraft zweifelte.
"Ich werde mich darum kümmern, Mylord", entgegnete Ralph mit bleicher Miene und verkniffenen Lippen.
"Das will ich hoffen." John FitzGilbert richtete seinen Blick bereits auf den nächsten Eintrag. Dort war die Anzahl der Brote aufgeführt, die an die königliche Meute verfüttert worden waren. Für gewöhnlich hätte er diese Prüfung solcher Listen einem seiner Untergebenen überlassen. Aber da er dem Hof längere Zeit hatte fernbleiben müssen, um nach dem Tod seines Vaters die Belange seines Besitzes zu ordnen, hielt er es nun für geboten, als Bestätigung seiner Macht dem Amt erneut seinen Stempel aufzudrücken. Ganz so wie man ein Siegel in warmes Wachs presste.
"Herr im Himmel, wie viele Laibe frisst eigentlich so ein Hund?" Als ein Schatten auf das Schriftstück fiel, hielt John inne und hob den Kopf. "Mylord?"
"Lasst es für heute gut sein, FitzGilbert." Mit verschränkten Armen stand Robert FitzRoy vor dem Tisch und ließ sich seine blutrote Tunika von der Sonne wärmen. "Kommt lieber mit nach draußen. Dieses Schauspiel dürft Ihr Euch nicht entgehen lassen."
Insgeheim seufzte John. Es war zwecklos, dem Earl of Gloucester erklären zu wollen, dass er die Abrechnung lieber bis zum Ende durchsehen wollte, ehe er sich anderen Dingen zuwandte. Robert FitzRoy, Earl of Gloucester, war als König Heinrichs ältester Sohn zwar von unehelicher Geburt, verfügte aber dennoch über größten Einfluss am Hof. Es lag also in Johns eigenem Interesse, sich gefällig zu zeigen; außerdem war Robert of Gloucester sein Bundesgenosse, Freund und Förderer.
Er erhob sich. Gloucester war hochgewachsen, aber John überragte ihn noch um die Länge eines Zeigefingers. Die massige Gestalt des Earls machte den Vorsprung allerdings wieder wett, sodass beide Männer gleich groß wirkten. Wortlos nahm John seinen Hut von der Bank, zog ihn durch den Gürtel - und fand sich insgeheim damit ab, dass die Abrechnungen vermutlich bis nach dem abendlichen Mahl warten mussten.
"Mein Cousin Stephan hat ein neues Pferd."
John steckte seinen Umhang zusammen und kam hinter dem Tisch hervor. "Bringt alle diese Schriftstücke in mein Gemach", rief er Ralph über die Schulter zu. "Außerdem will ich die Liste der Einnahmen der Armee während der Monate meiner Abwesenheit sehen. Und bis spätestens morgen Mittag möchte ich hören, was aus dem vierbeinigen Hundefutter draußen im Stall geworden ist."
"Ja, Mylord." Als sich sein Stellvertreter verbeugte, standen ihm winzige Schweißperlen auf der Stirn.
Mit langen energischen Schritten eilte John hinter Gloucester her.
"Sie bekommen zu spüren, dass Ihr wieder da seid", bemerkte Robert of Gloucester mit verstohlenem Grinsen.
Um die Lippen des Marshals spielte ein sarkastisches Lächeln. "Das will ich meinen."
"Und habt Ihr schon größere Missstände aufgedeckt?"
Johns Lächeln wurde breiter. Dabei zeigten sich erste feine Linien auf seinen Wangen, die sich in späteren Jahren als harte Falten eingraben würden. "Außer ein paar fragwürdigen Rössern im Stall und Hunden, die offenbar Weizenbrote in Massen verschlingen, gibt es nichts, was ich nicht im Griff hätte."
"Und wie steht es mit den Frauen?"
"Für sie gilt dasselbe", bemerkte John trocken.
Robert lachte laut und legte John seinen Arm um die Schultern.

Autorenportrait:

Elizabeth Chadwick lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Nottingham. Sie hat inzwischen 15 historische Romane geschrieben, die allesamt im Mittelalter spielen. Vieles von ihrem Wissen über diese Epoche resultiert aus ihren Recherchen als Mitglied

8,95* EUR