Kurzbeschreibung:
Über die hohe Kunst gekonnten Jammerns
Über irgendetwas kann man immer jammern: das Wetter, die Wirtschaft, Schatzi... Trotzdem! Ein Happy End ist möglich, wenn wir unsere leidenschaftliche Lust zu jammern knacken, bevor wir geknickt werden. Machen Sie mit? Jammerlappen beherzt ergreifen, kräftig ausdrücken - und an die frische Luft hängen.
Rezension:
Wir Deutschen haben ja im Hirn nicht nur den Stirnlappen und den Schläfenlappen, wir haben da auch noch den Jammerlappen. Ute Lauterbach sagt endlich Ja zum Jammerlappen. Statt ihn halbherzig auszuwringen, haut sie ihn uns mit der ganzen Absurdität des Daseins um die Ohren, bis die Tränen fließen - vor Lachen. Endlich ein weiblicher Watzlawick. Humor hilft heilen." Dr. Eckart von Hirschhausen
Leseprobe:
Läuft alles immer so, wie du dir das wünschst? Schatzi treu, Picknick bei Sonnenschein, Zufriedenheit, Erfüllung, freie Straßen, toller Job, wohlgeratene Kinder, freundliche Nachbarn, liebe Freunde? Natürlich nicht. Und wenn du sicherheitshalber aufgehört haben solltest zu wünschen, bleibt die Frage: ob das dein Wunsch war? Oder doch eine Notlösung?
Nehmen wir an, es läuft grad nicht so, wie du willst. Wie reagierst du dann? Ärgerst du dich? Leidest du? Freust du dich über die Gelegenheit, deine Flexibilität unter Beweis stellen zu können? Ist das Unerwünschte einfach eine Herausforderung, die du annimmst? Widerwillig oder freudig? Wahrscheinlich ist die Antwort: "Mal so, mal so." Schließlich kommt es doch darauf an, welchen Schweregrad die aktuellen Unbilden haben. Und ob sie wunde Punkte berühren.
Manche Situationen sind unerwünscht, verdammt unangenehm und vielleicht sehr schmerzlich. Da schrauben wir nicht dran rum. Leid auszudrücken, ist Zeichen der Selbstehrlichkeit und kann der Beginn sein, sich zu befreien. Wie leidest du, wenn du leidest? Jammerst du? Und wie? So?
Das große Ojemine
Ojemine! Was soll nur werden? Nee, nee, nee, die Zukunft ist nicht mehr, was sie mal war. Und die guten alten Zeiten sind auch futsch.
In der Welt ist ein Wurm.
So ein großer Wurm! Ach je, so eine Zeit, so eine Welt, so ein Wurm. Das wünschst du deinem ärgsten Feind nicht.
Was ist das nur für ein Wurm? Wo kommt er her? Warum ist er hier? Kannst du ihn jemals loswerden? Nee, so ein Elend.
Mal eine andere Frage: Ist es wirklich ein Wurm? Oder doch eine verzauberte Königin? Die Wurmkönigin. Weißt du, so ähnlich wie der Froschkönig. Musst du den Wurm auch an die Wand werfen - wie den Frosch -, damit 'ne Königin rausgeschossen kommt? Oder musst du draufbeißen?
Was!! Du findest, das ist Quatsch? Dann guck dir den Wurm mal genau an. Er hat nämlich ein ganz kleines Krönchen auf! So und jetzt verrate ich dir ein Geheimnis: Die Wurmkönigin ist in Wirklichkeit die Frau vom Froschkönig. Du kannst sie erlösen, indem du den Wurm wie ein Ringelchen um deinen kleinen Finger wickelst. Es dauert gar nicht lang und schon bist du eine Königin.
Das glaubst du nicht? Dann probieren wir es nachher einfach aus.
Das Jammern
Im Nachschlagwerk finden Sie: jammern (Verb, Tuwort), streng zu unterscheiden von weinen, wehklagen, Zähne knirschen und nölen.
Der Jammeranlass ist ein Leid oder Missstand. Und dann geht sie los - die Jammerei. das gemeine Hausjammern wird als Ventil zwar gern genommen, aber die Nachteile überwiegen: das banale Jammern auf niedrigem oder hohem Niveau löst keine Not, sondern verfestigt sie. Unterm Strich schwächt diese Art des Jammerns. Wer beharrlich jammert, wird irgendwann zum Jammerlappen (Nomen, Hauptwort).
Jammerlappen brauchten bisher keine spezielle Qualifikation. Sie jammerten einfach - einerlei ob sich jemand für ihre Not interessierte oder nicht. Und je jammer, desto weniger attraktiv der Lappen. Irgendwann jammern sie ganz allein, so still oder weniger still vor sich hin. Wenn sich die Jammerlappen irgendwann ganz festgejammert haben, ist niemand mehr da, der sich für sie begeistert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie unqualifiziert jammern. Sie könnten sich freijammern anstatt festzujammern.
Jammern ist grundsätzlich weder für den Jammerer noch für sein Gegenüber besonders erquicklich. Es ist einerlei, ob du als Frau oder Mann jammerst. Unerotisch bleibt es auf alle Fälle. Tatsächlich ist es so, dass alle Geschlechter wild durcheinander jammern. Gelingt es, so richtig frisch zu jammern, dann kann das Jammern sogar einen Jammergewinn (Nomen, Hauptwort) abwerfen. Voraussetzung ist, dass wir das Jammern weder auf Biegen und Brechen vermeiden, noch darin aufquellen. Stattdessen lassen wir uns wahrhaftig darauf ein. Dann wirft es einen echten Jammergewinn ab.
Der unechte Jammergewinn sieht so aus: Die anderen trösten dich, sie fühlen mit und engagieren sich für dich. Meistens nur anfangs. Wenn sie dann deine Platte kennen und merken, dass sich nichts ändert, müssen sie schon ein handfestes Helfersyndrom haben, um bei der Stange zu bleiben. Eine gewisse sumpfige Gemütlichkeit im jammerigen Selbstmitleid ist nur ein vorübergehender Jammergewinn für besonders Gestresste.
Der echte Jammergewinn liegt vor, wenn mich das Jammern mit mir selbst vertraut macht:
> Es deckt Wünsche auf.
> Es macht mir meine Werte bewusst.
> Auch meine Grenzen.
> Mein Kampf gegen die Realität wird aufgedeckt.
> Ebenso der Kampf gegen mich selbst. Wenn wir diesen Jammergewinn nicht einsacken, wird alles schlimmer. Die seelische Weichenstellung geschieht von selbst - ohne Anstrengung -, wenn wir das Jammern als Türöffner zur eigenen Befindlichkeit erleben. Nicht mehr: Ich will so nicht sein (= hadern). Sondern: Ach so bin ich (= akzeptieren). Also Innehalten bei sich selbst. Nicht mehr blöd gegen sich ankämpfen, sondern eher Gas geben, damit der Jammergewinn schön reich ausfällt. Wie? So:
> den Jammeranlass unmäßig übertreiben
> das Selbstmitleid ebenfalls
> schließlich den Vorteil am Nachteil sehen
> Ansprüche und Werte ins Gegenteil kehren
> sich ganz dem Gefühl der Missbefindlichkeit hingeben, anstatt es zu vertexten
> diese Missbefindlichkeit so lang ganz genau beschreiben - bis sie sich auflöst.
Als Metaregel formuliert: Nicht wegschieben, nicht hadern, nicht verdrängen, sich nicht überspringen, sondern sich tiefer dem stellen, was im Innern passiert. Bleiben anstatt rennen.
So laden wir die Paradoxie der Verwandlung ein. Veränderung geschieht von selbst, wenn wir sie NICHT forcieren, sondern uns einfach uns selbst so total wie möglich stellen und ausliefern.
Die hohe Kunst, sich professionell freizujammern, ist weitgehend unbekannt. Niemand braucht sie zu lernen. Lassen Sie jammern. Lesen Sie einfach weiter. Das genügt vollständig.
Strengt Verwandlung an?
Schon als Kinder hören wir immer wieder, dass aus uns etwas werden soll. Aber was? Was ist das höchste Ziel oder höchste Gut unseres Lebens? Ich antworte im ewig aktuellen Sinne mit Aristoteles: Das höchste Gut ist das, weswegen du den ganzen Rest machst. Das höchste Ziel ist also eins, hinter dem nicht noch ein Ziel kommt. Denn das wäre ja höher als das zuvor genannte.
Beschreibung:
Über die hohe Kunst gekonnten Jammerns
Über irgendetwas kann man immer jammern: das Wetter, die Wirtschaft, Schatzi... Trotzdem! Ein Happy End ist möglich, wenn wir unsere leidenschaftliche Lust zu jammern knacken, bevor wir geknickt werden. Machen Sie mit? Jammerlappen beherzt ergreifen, kräftig ausdrücken - und an die frische Luft hängen.
Autorenportrait:
Ute Lauterbach, geb. 1955, war Studienrätin für Philosophie und Englisch, bevor sie 1984 in den philosophisch-therapeutischen Bereich einstieg. 1993 gründete sie das »Institut für psycho-energetische Integration« in Altenkirchen/Westerwald. Die Autorin auflagenstarker Bücher bietet ein umfangreiches Seminar- und Vortragsprogramm sowie Coaching und Firmenberatung an.
Kurzbeschreibung:
„Wir Deutschen haben ja im Hirn nicht nur den Stirnlappen und den Schläfenlappen, wir haben da auch noch den Jammerlappen. Ute Lauterbach sagt endlich Ja zum Jammerlappen. Statt ihn halbherzig auszuwringen, haut sie ihn uns mit der ganzen Absurdität des Daseins um die Ohren, bis die Tränen fließen - vor Lachen. Endlich ein weiblicher Watzlawick. Humor hilft heilen."