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Gefürchtet

von Imke Walsh-Araya, Meg Gardiner, Tamara Rapp (Buch)

  • ISBN:3-453-43322-X
  • EAN:9783453433229
  • Veröffentlichungsdatum:Mai 2011
  • Gewicht in g:375
  • Reihe:Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
  • Seiten:464
  • Stilrichtung:Thriller

Kurzbeschreibung:

Evan Delaney wird mitten in der Nacht zu einer Party gerufen. Eine junge Frau soll vom Balkon die Klippen hinuntergestürzt sein. Die Polizei kann zunächst keine Leiche entdecken, doch kurz darauf findet sich eine Tote. Die Polizei identifiziert sie als Evan Delaney. Offenbar wurde ihre Identität gestohlen. Um sich zu retten, muss Evan einem Netzwerk aus Betrügereien entkommen, das nicht nur sie selbst, sondern auch ihren Freund Jesse zu zerstören droht ...



Rezension:

"Der neue Stern am Krimi-Himmel." Brigitte

Leseprobe:

Its only Rock 'n Roll, sagt man. Was für ein Unsinn.
Jeder, der schon einmal in den Armen seines Liebsten gelegen hat, während das Autoradio wehmütige Musik spielte, weiß es. Jeder, der zu dröhnenden Riffs seiner Wut oder seinem Kummer Luft gemacht hat. Jeder, der auf der Gitarre einen Akkord anschlägt und die Menge toben hört. Wir wissen es. Musik ist Glanz, Sehnsucht und Erfüllung. Musik ist Unsterblichkeit.
Doch als ich durch das winterliche Unwetter fuhr, während der Regen auf die Windschutzscheibe prasselte und düstere Rhythmen aus den Lautsprechern drangen, sollte ich herausfinden, dass das nicht alles war. In jener Nacht brachte Musik den Tod.
Ich bog gerade in die Einfahrt, als ein brennendes Sofa wie ein orangefarbener Lichtblitz direkt vor meiner Motorhaube auf die Straße fiel. Ich stieg auf die Bremse. Durch den Aufschlag löste sich ein brennendes Polster und kullerte über den Beton. Trotz des eisigen Wolkenbruchs loderten die Flammen hoch auf. Die Leute auf der Straße jubelten. Studentinnen tanzten im Feuerschein. Im Haus wurde gejohlt und gebrüllt. Dann flog ein Bierfass vom Balkon. Es prallte neben der Couch auf und versprühte in hohem Bogen Bier. Die Mädchen kreischten und ergriffen die Flucht.


Freitagnacht in Isla Vista.
Ich hatte ein ganz schlechtes Gefühl. Um elf Uhr abends mitten im Februar hatte mich das Telefon aus dem Schlaf gerissen. Können Sie kommen? Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Er hatte Ihre Telefonnummer in der Tasche.
Die Semesterprüfungen waren vorbei, da ging es in Isla Vista hoch her. Fünfzehntausend Studenten in Verbindung mit einer gehörigen Prise Testosteron und Äthylalkohol ergaben so etwas wie den Herrn der Fliegen mit den Top 40 der Charts als Soundtrack. Ich fuhr mein Fenster herunter, um die Adresse zu überprüfen. Del Playa Drive, das hatte ich mir zu Studentenzeiten schon finanziell nicht leisten können. Und cool genug war ich dafür auch nicht gewesen. Der Wind frischte auf und peitschte mir den Regen ins Gesicht. Ich rieb mir das Wasser aus den Augen, setzte zurück und parkte den Explorer auf der Straße. Die Adresse stimmte.
Das Haus thronte auf der Seeseite der Straße, der teuersten Lage von Isla Vista, auf der Steilküste über dem Pazifik, aber die Farbe blätterte von den Wänden. Mit eingezogenem Kopf steuerte ich durch den Regen auf die Tür zu. Es roch nach Salzluft und beißendem Qualm. Ein junger Mann wankte um das Haus herum, das vom Feuerschein gelb erleuchtet war. Drei Meter von mir entfernt öffnete er seine Militärhose und pinkelte gegen ein Auto.
"He!" Ich wandte das Gesicht ab. "Das ist kein Wettbewerb für das peinlichste Homevideo. Behalt dein Ding gefälligst in der Hose!"
Der Regen und das sprühende Bier löschten das Sofa. Als ich auf die Tür zuging, hinter der die Musik dröhnte, fragte ich mich, wie es so weit hatte kommen können.
Ich klopfte.
Es ergab einfach keinen Sinn. Natürlich lag der Hang zum
Alkohol in der Familie, und er hatte in den letzten Jahren eine Tragödie nach der anderen erlebt. Trotzdem stimmte da was nicht. Es konnte sich nur um einen Irrtum handeln. Oder wollte ich es einfach nicht wahrhaben?
Die Tür öffnete sich, und aus der Stereoanlage drang ohrenbetäubende Musik. Der Mann mir gegenüber war älter, als ich erwartet hatte. Anfang dreißig, mein Alter.
"Evan Delaney?" Seine Haut war gegerbt wie bei einem langjährigen Surfer. "Ich bin Toby. Danke fürs Kommen." Er ließ mich herein. "Auf der Party scheint ihn keiner zu kennen, und ich wusste nicht, was ich tun soll."
Im Wohnzimmer vibrierte der Boden unter den Füßen der tanzenden Studenten. Es roch nach Tortillachips und Tequila. Wir bahnten uns einen Weg durch die Menge.
"Wo ist er?", fragte ich.
"Er hat sich im Bad eingeschlossen. Ich versteh ja, wenn jemand Probleme hat, aber die Leute müssen zur Toilette."
"Wenn sie nicht draußen an die Autos pinkeln wie eben."
Stirnrunzelnd führte er mich durch einen Gang in den hinteren Teil des Hauses. "Wer ist der Typ überhaupt?"
Ein starker Mensch, der mit seinen Dämonen ringt.
"Mein Lebensgefährte."
Vor einer Tür hielt er an und klopfte.
"Verpisst euch", knurrte eine Männerstimme von drinnen.
"Evan ist hier", rief Toby. "Schließ bitte auf." "Haut ab."
Toby schaute mich an und zeigte mir eine Haarklammer. "Damit kriege ich das Schloss auf. Ich wollte ihn nur nicht mit Gewalt aus dem Bad zerren und eine Schlägerei riskieren. Soll ich aufmachen?"
Ich nickte wortlos.
Toby lehnte sich gegen die Tür. "Blackburn. Sie kommt jetzt rein." Er steckte die Haarklammer ins Schloss und drehte. Dann warf er mir einen mitfühlenden Blick zu. "Viel Glück."
Damit stieß er die Tür auf.
Das Bad roch nach alten Socken und Schimmel. Er saß in der Badewanne und hatte den Kopf in die Hände gestützt. Das dunkle Haar fiel ihm ins Gesicht.
Er drehte sich zur Wand. "Mach wieder zu. Ich will nicht, dass die mich anglotzen."
Ich schloss die Tür hinter mir und senkte die Lider, um das Brennen in meinen Augen loszuwerden. Aber ich sah ihn trotzdem vor mir: die breite Gestalt, die attraktiven Züge, die blauen Augen. Erleichterung überkam mich. Gott sei Dank. Ich ließ mich gegen den Türrahmen sinken.
Er war es nicht. Natürlich nicht. Wie hatte ich das jemals glauben können? Ich schämte mich dafür, dass ich auch nur die Möglichkeit in Betracht gezogen hatte.
"Komm, ich bring dich nach Hause", sagte ich.
Er hob abwehrend die Hand. "Ich kann da nicht rausgehen."
"Warum nicht?" Ich hockte mich neben die Wanne. "Was ist los?"
"Versprich, dass du nichts erzählst." "Steckst du in Schwierigkeiten?" "Du darfst es ihm nicht sagen." "Wem?", fragte ich, obwohl ich es schon wusste. "Meinem Bruder. Der dreht sonst durch. Versprich mir, dass du Jesse nichts sagst."
Ich legte ihm die Hand auf den Arm. "PJ?"
Für einen Moment erwiderte er meinen Blick, dann schaute er wieder weg. Mit einem Schlag war meine ganze Erleichterung verflogen, als hätte jemand einen Stöpsel gezogen. Den Ausdruck in seinen Augen kannte ich von früher, von jenem furchtbaren Tag vor vielen Jahren.

Autorenportrait:

Meg Gardiner wuchs mit zwei Schwestern und einem Bruder im kalifornischen Santa Barbara auf. Nach dem Abschluss des Jurastudiums an der Stanford Law School praktizierte sie zunächst als Anwältin, bevor sie ihren Beruf aufgab und nach England übersiedelte.

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