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Der Knochensammler

von Imke Walsh-Araya, Matt Hilton (Buch)

  • ISBN:3-453-43425-0
  • EAN:9783453434257
  • Veröffentlichungsdatum:Juni 2011
  • Gewicht in g:311
  • Reihe:Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
  • Seiten:384
  • Stilrichtung:Thriller

Rezension:

"Hat mich von Anfang an gefesselt." Simon Kernick

Kurzbeschreibung:

Sein Zorn ist grenzenlos


Tubal Kain, genannt »der Knochensammler«, ist der grausamste lebende Serienmörder der USA. Immer auf der Suche nach neuen Opfern für seine Sammlung durchstreift er das Land. Er ist ein Mann, mit dem man sich besser nicht anlegt. Doch genau das tut der Engländer Joe Hunter, der auf der Suche nach seinem verschollenen Bruder ist. Denn dieser befindet sich in der Gewalt des Knochensammlers.



Leseprobe:

Jubals's Hollow. Klingt nett, was? Sie stellen sich bestimmt ein idyllisches Städtchen in den Appalachen mit Fachwerkhäusern und Holzzäunen vor, wo das Leben seinen beschaulichen Gang geht. Wo die Menschen im Halbschatten auf ihrer Veranda vor einem Krug selbst gemachter Limonade sitzen, die so kalt ist, dass das Glas beschlägt. Wahrscheinlich hören Sie im Geiste schon das Säuseln der Zweige über den gemächlich dahinfließenden Wassern eines Flüsschens und das Rascheln der Wildtiere im hohen Gras. Wirklich sehr nett.
Leider hat dieses Bild nichts, aber auch gar nichts mit der Realität zu tun.
Wie wär's stattdessen hiermit: nichts als Gestrüpp, Sand und nochmals Sand. Gluthitze am Tag, eisige Kälte in der Nacht. Schroffe Felsformationen, die aus dem ausgetrockneten Boden ragen. Hier gibt es kein Leben.
Hier haust nur der Tod. Allgegenwärtig. Lauernd, geduldig wartend.
Sehen Sie genau hin. Der Sand ist von Knochen übersät. Manche davon sind versteinerte Überreste von Wesen, die im Schlamm prähistorischer Sümpfe lebten, andere stammen aus neuerer Zeit: die Knochen von Vögeln und Kleintieren, die auf der vergeblichen Suche nach Wasser hier verendet sind.
Gelegentlich gibt der Sand Knochen frei, die erkennbar menschlichen Ursprungs sind.
Angeblich wurde ein Trupp konföderierter Soldaten bei Waynesborough in Georgia von Jubal Anderson Earlys Division getrennt, die dort gegen die Yankees kämpfte, und flüchtete nach Westen in die Wüste. Es sollen ihre Knochen sein, die der Wind gelegentlich zutage fördert.
Aber das ist nicht die einzige Erklärung für den Namen. Das Alte Testament kennt einen Jubal, der ein Sohn des blinden Lamech war und Stammvater aller wurde, die Zither und Schalmei handhaben: der erste Musiker. Dieses Tal ist der richtige Ort, um seiner zu gedenken.
Jubal's Hollow ist ein natürliches Amphitheater, das für seine eigenartige Akustik bekannt ist. Der Wind klingt hier wie das klagende Lied des Dudelsacks bei einer Beerdigung. Es ist die übernatürliche Musik der Toten.
Aber trotz seines Namens ist dies nicht nur der Ort des Jubal. Er sollte auch wegen Jubals Bruder bekannt werden, Tubal-Kain, der das erste Messer schmiedete; Tubal-Kain, der diesen Ort mit den Knochen der Menschen füllte.
Knöcheltief im Sand stehend, unter der Sonne der Mojave-Wüste, die seinen Schatten über die Ödnis warf wie eine Drohung, sann der Mann über diesen Ort nach. Das Klagen des Windes, das kaum wahrnehmbare Rasseln und Klacken der ausgeblichenen Knochenfragmente umgaben ihn.
"Ich muss es wissen. Ich habe sie ausgebeint. Ich habe die Knochen hier abgelegt. Ich bin Tubal-Kain."
Schmerz und Furcht sind allumfassend und kennen keine Grenzen. Es ist völlig egal, wo man ist. New York, London, Paris, Moskau - die Parallelen bleiben. Bei allen Unterschieden in Sprache, Kultur und Rechtssystem liegt jeglicher Zivilisation eine Wahrheit zugrunde: Die Schreie der Opfer klingen überall auf der Welt gleich.
Als ich in der schwülen Hitze, die auf Floridas tropische Gewitter folgt, aus dem Flugzeug stieg, gellten mir diese Schreie noch in den Ohren. Irgendwie ahnte ich, dass die Jagd nach John Telfer noch mehr Schmerz und Leid bringen würde. Als hätte ich davon nicht schon genug erlebt.
Schwer zu sagen, wo diese Geschichte beginnt.
War es in meiner Zeit bei den Special Forces, als ich die Tyrannen und Terroristen dieser Welt zur Strecke brachte? Oder nach meinem Abschied vom Militär, als ich die Schläger, Kriminellen und Mafiosi ins Visier nahm, die über jeden herfielen, der schwächer war als sie? Ich weiß es wirklich nicht.
Vielleicht begann meine Geschichte erst, als ich am Miami International Airport aus der Boeing 737 stieg. Ich sollte John Telfer in den Vereinigten Staaten finden, aber unter Umständen, die meine Fähigkeiten auf die härteste Probe stellten. Und wieder sollten mir die Schreie der Opfer in den Ohren gellen.
Obwohl meine Suche in der tropischen Hitze ihren Anfang nahm, war sie durch einen Vorfall veranlasst, der sich zwei Tage zuvor und einen Ozean entfernt ereignet hatte. Auch dabei hatte es Schreie gegeben.
Es war wie in alten Zeiten. Ich tat wieder das, was ich am besten konnte. Der Durchgang, in dem ich in Deckung gegangen war, war mit Abfall und Glasscherben übersät. In der Nähe rumpelte ein Zug in Richtung Manchester Piccadilly, und im Rinnstein flatterte die Zeitung von letzter Woche. Es stank erbärmlich nach Urin und Fäkalien.
Eine grauenhafte Umgebung.
Jennifer Telfers Vorhänge bewegten sich.
Sie hatte Angst. Verständlich, denn sie wusste nur allzu gut, warum ich hier war.
Übrigens hatte sie nicht vor mir Angst.
Manche meinen, ich übe Selbstjustiz. Von mir aus. Ich sehe mich eher als Problemlöser. Wenn die Kinder alleinstehender Mütter bedroht werden, ist das ein Fall für Joe Hunter.
Am Ende der Straße verlangsamte ein schwarzer BMW das Tempo.
Es ging los.
Der Wagen hielt vor dem Wohnblock. Aus der Stereoanlage dröhnte Gangsta Rap. Die Musik war genauso brutal und aggressiv wie die Typen im Wagen, die durch den dichten Cannabisnebel kaum zu erkennen waren. Sie waren zu dritt. Genau, wie ich es erwartet hatte.
Als Erster erschien ein großer Glatzkopf, der Lederhandschuhe überzog. Aus dem Fond stieg ein ebenso hochgewachsener Mann, der im Gegensatz zu seinem Kumpan dünn und schlaksig war. Gemeinsam marschierten sie auf Jennifers Haus zu.
Die Rap-Musik übertönte meine Schritte. Der Fahrer war so damit beschäftigt, sich einen Joint zu drehen, dass er mich erst bemerkte, als ich die Tür öffnete.
"Was zum ..." Mehr brachte er nicht heraus.
Ich zielte auf den Sinusnerv und traf ins Schwarze. So ein Schlag kann tödlich sein. Da ich ein weiches Herz habe, schlug ich nur so fest zu, dass er das Bewusstsein verlor.
Der Innenraum des BMW hätte jede Gesundheitsbehörde alarmiert. Überall lagen benutzte Spritzen herum, und das war noch das Wenigste. Ich beugte mich über den Fahrer und griff nach dem Sitzgurt. Er gab eine gute Schlinge ab, die ich fixierte, indem ich den Rest des Gurtes um die Kopfstütze wickelte und in die Tür klemmte.
Ich holte die anderen ein, bevor sie den Wohnblock erreicht hatten.
Mit gebeugtem Rücken, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, näherte ich mich ihnen. In meinen verdreckten Klamotten, garniert mit künstlichem Erbrochenen, sah ich aus wie irgendein harmloser Penner.

Autorenportrait:

Matt Hilton wurde in Schottland geboren und wuchs in Carlisle auf. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für Kriminalromane und begann, selbst zu schreiben. Er arbeitete lange Zeit für eine private Sicherheitsfirma und als Polizeibeamter, wo er an vo

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