Kollegen sind auch nur Menschen. Bis auf Schmoltke ...<br />
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<br />Willkommen im Büroalltag. Wer kennt sie nicht, die endlosen Weiten der Sinnlosigkeit und die tiefen Abgründe der Inkompetenz. Am besten überlebt man Schmoltkes Kleinkariertheit mit etwas Anarchie - und einer großen Portion Humor. Davon gibt es reichlich, sei es im Kampf um die letzten Käselaugenbrötchen oder gegen wild wuchernde Birkenfeigen, beim Date mit der langmähnigen Chefsekretärin oder bei der Strafversetzung ins Callcenter, wo man es mit der ungeliebten Spezies namens »Kunde« zu tun bekommt. »Die beste Satire entsteht, wenn Insider nur genau hinsehen«, sagt Oliver Uschmann.<br />
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Kollegen sind auch nur Menschen. Bis auf Schmoltke ...§Willkommen im Büroalltag. Wer kennt sie nicht, die endlosen Weiten der Sinnlosigkeit und die tiefen Abgründe der Inkompetenz. Am besten überlebt man Schmoltkes Kleinkariertheit mit etwas Anarchie und einer großen Portion Humor. Davon gibt es reichlich, sei es im Kampf um die letzten Käselaugenbrötchen oder gegen wild wuchernde Birkenfeigen, beim Date mit der langmähnigen Chefsekretärin oder bei der Strafversetzung ins Callcenter, wo man es mit der ungeliebten Spezies namens "Kunde" zu tun bekommt. "Die beste Satire entsteht, wenn Insider nur genau hinsehen", sagt Oliver Uschmann.§
Alle Jahre wieder §Keine Ahnung, wie das bei Ihnen abläuft, aber in unserer Firma haben Weihnachtsfeiern den entscheidenden Nachteil, dass bereits vor den eigentlichen Festivitäten gefeiert wird. Und zwar vom kompletten Vorstand, der sich vor dem gemütlichen Teil mit platten Sprüchen und billigen Floskeln erst einmal stundenlang selbst zelebriert. Man könnte glatt meinen, die Herren hätten sich vor ihrer Show gnadenlos betrunken - zumindest, wenn man sie nicht schon kennen würde und wüsste, dass sie eigentlich immer so sind. Dummerweise bleibt dem Fußvolk während dieses äußerst anstrengenden Teils der Veranstaltung der Zugriff auf alkoholische Getränke verwehrt.§Der Vorstandsvorsitzende selbst ist heute Abend übrigens nicht zugegen. Er sei angeblich immer noch im Erholungsurlaub. Deshalb obliegt es nun seinem Stellvertreter, Herrn Dr. Dreyfuß, dem "Vorstand für sonstige extrem wichtige Angelegenheiten", das vergangene Jahr nochmals rückblickend aus der Vogelperspektive zu betrachten.§Gelangweilt blicke ich mich um und begrüße halbherzig einige meiner Kollegen. Von rechts winkt Herr Schmoltke ungelenk zurück. Schmoltke ist Buchhalter, und exakt so sieht er auch aus: rundliche Statur, nickelbebrillt und stets mit zu kurz geratenen Anzügen aus der Vorvorvorjahreskollektion bekleidet. Angeblich wohnt er immer noch bei Mutti. In der Rangliste meiner persönlichen Lieblingskollegen ist er ungefähr so weit von Platz eins entfernt wie einst Eddie "The Eagle" Edwards von einer olympischen Medaille im Skispringen. Im Gegensatz zu Schmoltke hatte Eddie The Eagle aber wenigstens Sinn für Humor. Zudem trug er meines Wissens keine Motivkrawatten.§Etwas weiter links, unmittelbar vor dem bereits fertig aufgebauten Buffet, nickt mir Uschi Blamayer beiläufig zu. Die Leiterin Unternehmenskommunikation, die sich am heutigen Abend für einen mit silbernen Dreiecken gemusterten Hosenanzug entschieden hat, unterhält sich gerade angeregt mit Herrn Dworschak aus dem Marketing, als mein cholerischer Vorgesetzter sie plötzlich unsanft beiseiteschiebt. Dass Chef sich bereits vorab den ihm seiner Meinung nach zustehenden Teil der Buffets sichern will, ist wieder einmal typisch. Doch dabei hat er die Rechnung ohne Frau Wetzlaff gemacht. Die kratzbürstige Facility-Managerin schafft es tatsächlich, ihm das Lachs-Kanapee in letzter Sekunde zu entreißen und selbigem somit ein jämmerliches Ableben zwischen seinen sabbernden Lefzen zu ersparen. Ein großes Mundwerk allein reicht eben nicht immer.§Die aufmerksame Minderheit der Belegschaft erfährt unterdessen von Herrn Dr. Dreyfuß, dass es erneut ein "super Geschäftsjahr" gewesen sei und wir alle - bis auf wenige Ausnahmen - wieder einmal "exzellent performt" hätten.§Ich bin allerdings ein wenig geschockt, als das Auge des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden beim Begriff§"Ausnahmen" ausgerechnet auf mich fällt. Einerseits ist es zwar eine Ehre, mittlerweile selbst auf höchster Ebene wahrgenommen zu werden, andererseits scheint unser Vorstand jedoch immer noch nicht in der Lage, qualitativ hochwertige Arbeit zu erkennen und entsprechend zu würdigen.§Vielleicht war der Blickkontakt also nur ein Zufall - oder ich werde langsam paranoid. Was in diesem Saftladen wirklich kein Wunder wäre. Wenn ich nur an die endlosen Querelen mit Schmoltke denke. Oder an den Geburtstag des Vorstandsvorsitzenden. Oder an die Sache mit dem FLUX-SWAT-Benchmarking.§Aber wer wird so kurz vor Weihnachten ernsthaft nachtragend sein?§Dreyfuß' Rede dauert an ("... effizient derivatives Kompressionsartefakt ..."), und an ("... demaskiert der Consumer-Markt ein bodenständig isomorphes Wirtschaftswachstum .") und an ("... inkonsistent implizierte Hybridisierung des Aktienkurses ...").§Die Eröffnung von Buffet und Bar rückt mit jeder Worthülse in immer weitere Fernen.§Ich versuche der mit dem substanzlosen Geseire zwangsläufig einhergehenden Müdigkeit entgegenzuwirken und lasse das abgel
"Krauleidis lacht kaputt, was ihn kaputt macht. Kathartisch." Oliver Uschmann
Raymund Krauleidis, Diplom-Kaufmann, war Senior-Analyst bei der debitel AG in Stuttgart. Vorher war er dort im Vertriebscontrolling tätig. Heute ist er Referent beim Energieversorger EnBW AG. Krauleidis ist nicht nur ein erfolgreicher Sachbuchautor, er ist darüber hinaus auch seit vielen Jahren als Satiriker für diverse Online-Magazine (ZYN!, Frankfurter Magazin, kolumnen.de, Glasauge) tätig.
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