Kurzbeschreibung:
Vom Großmeister des Medizinthrillers!
Deborah und Joanna, zwei junge Harvard-Absolventinnen, stellen sich als Eizellenspenderinnen zur Verfügung. Als sie später erfahren wollen, was aus ihren Eizellen geworden ist, kommen sie in der Bostoner Wingate-Klinik einem grauenhaften Szenario auf die Spur. Und geraten ins Visier eines skrupellosen Ärztepaares ...
Rezension:
Das Furchterregendste an Robin Cooks Thrillern: Alles scheint plausibel! Los Angeles Times
Leseprobe:
6. April 1999
Haben Sie es bequem?", fragte Dr. Paul Saunders seine Patientin Kristin Overmeyer. Sie lag unter ihm auf dem betagten Operationstisch und war nur mit einem Flügelhemd bekleidet.
"Ich glaube schon", erwiderte Kristin, obwohl sie sich ziemlich unbehaglich fühlte. Inmitten medizinischer Geräte war ihr immer ein wenig mulmig zu Mute; nicht, dass ihr dieses unwohle Gefühl wirklich zu schaffen machte, aber es war nun einmal da, und der Raum, in dem sie sich befand, war besonders unangenehm. Man hatte sie in einen altmodischen Operationssaal geführt, dessen Ausstattung absolut nichts von dem sterilen, zweckmäßigen OP einer modernen medizinischen Einrichtung hatte. Die Wände waren in schäbigem Grün gehalten, von den Bodenfliesen waren viele gesprungen und mit dunklen Flecken übersät, die vermutlich von Blut stammten, das in die Fugen getropft und dann angetrocknet war. Eigentlich erinnerte der Raum eher an eine Szenerie aus einem im neunzehnten Jahrhundert spielenden Gruselfilm als an einen OP, in dem tatsächlich Eingriffe vorgenommen wurden. Besonders eigenartig fand Kristin, dass der Raum über diverse Sitzreihen für Besucher verfügte, die sich jenseits der Reichweite der Beleuchtung befanden, die über dem OP-Tisch angebracht war, und die sich dem Blick des Patienten entzogen. Zum Glück waren die Plätze allesamt unbesetzt.
">Ich glaube schon< klingt ja nicht gerade überzeugend", stellte Dr. Sheila Donaldson fest. Sie stand Dr. Saunders gegenüber auf der anderen Seite des Operationstischs und lächelte zu Kristin hinab, die jedoch nur ein paar Lachfältchen um die Augen erkennen konnte; ansonsten war Dr. Donaldsons Gesicht hinter einem Mundschutz und unter einer OP-Haube verborgen.
"Ich wünschte, ich hätte es schon hinter mir", brachte Kristin hervor. In diesem Augenblick wünschte sie sich nur eins: dass sie sich nicht freiwillig für die Spende gemeldet hätte. Natürlich würde ihr das Geld ein Maß an finanzieller Unabhängigkeit gewähren, von dem die meisten ihrer Kommilitonen von der Harvard University nur träumen konnten, doch im Augenblick schien ihr das nicht mehr so wichtig. Sie tröstete sich damit, dass sie bald schlafen und von dem kleinen Eingriff, der ihr bevorstand, nichts mitbekommen würde. Als man sie vor die Wahl gestellt hatte, den Eingriff unter Vollnarkose oder bei örtlicher Betäubung durchzuführen, hatte sie sich, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, für die erste Variante entschieden. Bewusst mitzuerleben, wie man ihr eine dreißig Zentimeter lange Punktionsnadel in den Bauch schob, war wirklich das Letzte, was sie wollte.
"Ob wir wohl irgendwann mal anfangen können?", wandte sich Dr. Saunders mit sarkastischem Unterton an den Anästhesisten Dr. Carl Smith. Dr. Saunders hatte an diesem Tag ein volles Programm, und er hatte für den bevorstehenden Eingriff lediglich vierzig Minuten eingeplant. Angesichts seiner langjährigen Erfahrung mit dieser Art von Eingriffen und seinem geschickten Umgang mit den Instrumenten hielt er vierzig Minuten für durchaus großzügig bemessen, doch immer wieder war es Dr. Smith, der alles verzögerte. Der Eingriff konnte erst beginnen, wenn die Patientin eingeschlafen war, und die kostbaren Minuten verstrichen erbarmungslos.
Dr. Smith antwortete nicht. Er kannte diese Sprüche. Seiner Meinung nach war Dr. Saunders permanent in Eile. Statt ihn zu beachten, konzentrierte Dr. Smith sich darauf, das Präkordial-Stethoskop ordnungsgemäß auf Kristins Brust zu befestigen. Die Infusion lief bereits, die Blutdruckmanschette und die EKG-Ableitungen waren angelegt und das Pulsoximeter an Ort und Stelle. Als er mit den abgehörten Körpergeräuschen seiner Patientin zufrieden war, griff er nach dem Beatmungsgerät und zog es näher an Kristins Kopf heran. Es konnte losgehen.
"Okay, Kristin", wandte er sich an die Patientin. "Wie ich Ihnen vorhin bereits erklärt habe, verabreiche ich Ihnen jetzt ein bisschen von meiner>Amnesiemilch<. Sind Sie bereit?"
"Ja", antwortete Kristin matt. Wenn es nach ihr ging, wollte sie lieber früher als später wegdämmern und nichts mehr mitbekommen.
"Dann schlafen Sie gut", sagte Dr. Smith. "Wenn wir das nächste Mal miteinander reden, sind Sie bereits im Aufwachraum."
Mit diesen Worten pflegte sich Dr. Smith immer von seinen Patienten zu verabschieden, bevor er ihnen das Narkosemittel verabreichte, und normalerweise war so auch der Lauf der Dinge. Doch dieses Mal sollte es anders kommen. Ohne sich auch nur im Geringsten des drohenden Desasters bewusst zu sein, griff Dr. Smith nach dem Infusionsständer mit dem bereithängenden Narkosegemisch. Mit geübtem Griff stellte er die Zufuhr auf eine für die Patientin vorher exakt bestimmte und ihrem Gewicht genau angepasste Dosis ein, wobei er sich wie immer am unteren Grenzbereich der empfohlenen Verabreichungsmenge orientierte. Die Wingate Infertility Clinic verfuhr nach dem Grundsatz, ambulante Narkose-Patienten stets der geringst möglichen Narkosemitteldosis auszusetzen. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die Patienten noch am gleichen Tag entlassen werden konnten, denn für eine stationäre Aufnahme war die Klinik nur sehr begrenzt ausgestattet.
Während das Propofol in Kristins Körper einsickerte, überwachte Dr. Smith aufmerksam seine Monitoring-Geräte und Instrumente. Es schien alles in Ordnung zu sein.
Dr. Donaldson lachte unter ihrer Maske. "Amnesiemilch" war Dr. Smith' humorvolle Bezeichnung für das Anästhesiemittel Propofol, eine weiße Flüssigkeit, die tatsächlich aussah wie Milch. Seine Wortwahl brachte sie immer wieder zum Schmunzeln.
"Können wir anfangen?", fragte Dr. Saunders und verlagerte nervös sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er wusste sehr wohl, dass es noch nicht losgehen konnte, doch er wollte seinen Kollegen unbedingt wissen lassen, wie ungeduldig und ungehalten er war. Am besten hätte man ihn gar nicht erst herbeigerufen, bevor alles so weit war. Seine Zeit war zu wertvoll, als dass er untätig herumstehen und dem Anästhesisten dabei zusehen konnte, wie dieser an seinen zahllosen Instrumenten und Geräten herumhantierte.
Dr. Smith ignorierte die gereizte Stimmung seines Kollegen und konzentrierte sich auf Kristins Bewusstseinszustand. Als er zufrieden war, injizierte er ihr das Muskelrelaxans Mivacurium, das er aufgrund seiner exakten Dosierbarkeit und seiner sofort nachlassenden Wirkung gegenüber etlichen anderen Mitteln bevorzugte. Er wartete einen Augenblick, bis das Mivacurium wirkte, und schob seiner Patientin dann mit geübtem Griff einen Endotrachealtubus in die Luftröhre. Auf diese Weise stellte er sicher, dass er ihre Atmung unter Kontrolle hatte. Danach setzte er sich hin, schloss das Beatmungsgerät an und bedeutete seinem Kollegen Dr. Saunders, dass die Patientin für den Eingriff bereit war.
Autorenportrait:
Robin Cook hat lange Jahre in der medizinischen Forschung und als HNO-Arzt gearbeitet. Inzwischen widmet er sich ganz dem Schreiben seiner Bestseller, von denen mehrere für das Fernsehen verfilmt wurden. Robin Cook sagt von sich, dass er die Leser mit sei