Kurzbeschreibung:
Leben und Liebe, magische Schönheit und ewige Hingabe ...
Sie wurde geboren mit einem bedeutenden Schicksal: Sie würde zu einer Frau von außergewöhnlicher Schönheit heranwachsen - und das Königreich Ulster und seinen verschlagenen Herrscher Conor zu Fall bringen. Entgegen dem drängenden Wunsch seines Druiden, das Kind zu töten, lässt Conor Deirdre in der Abgeschiedenheit armer Pflegeeltern aufwachsen. Als ihre Schönheit zu voller Blüte erwacht, fühlt sich der König unwiderstehlich zu ihr hingezogen. Aber eher würde Deirdre den Tod wählen, als das Eigentum eines Mannes zu werden. In den Wäldern zu Hause schließt sich das Mädchen mit den magisch-grünen Augen drei jungen, rebellischen Kriegern an, einer von ihnen der gut aussehende Naisi ...
Ein opulenter Roman voller Geheimnisse und Legenden um Deirdre, die tragische Heldin der irischen Mythologie!
Leseprobe:
Herbst
Sie war reines Silber, ein schillernder Bogen, der, einer Sternschnuppe gleich, eine helle Bahn beschrieb. Der Adler schwebte hoch am Himmel, die Schwungfedern gespreizt. Deirdre stellte sich vor, ihr Geist sei ein Netz, das diesen Vogel in einer Schlinge aus glitzerndem Licht fangen würde.
Ihr Körper lag, noch immer in Trance, neben dem Feuer. Sie musste sich sehr konzentrieren, um den Atem ihrer Seele weiter an dem Faden entlangzuschicken, der ihren Geist und ihren Körper miteinander verband. Lass das Licht jetzt herabsinken. Es war die Druidin Levarcham, ihre Lehrerin, die ihr diese Worte ins Ohr flüsterte. Der starke Wille ihrer Lehrerin floss unter ihr dahin wie ein mächtiger Strom, der sie mit sich trug ... nach oben trug.
Levarcham hatte tagelang mit ihr gefastet und gesungen, hatte die Trommel geschlagen, bis deren volltönender Klang durch ihrer beider Körper pulsiert war. Sie hatte die von den Kräutern verursachten Krämpfe und die Übelkeit ertragen, um ihre Energie mit der von Deirdre zu vereinen und ihr diesen kurzen heiligen Flug zu ermöglichen.
Sich gleichzeitig auf die Seelen-Schnur und den Adler zu konzentrieren, war ein äußerst schmerzhaftes Unterfangen, eine Fähigkeit, die sie erst nach monatelangem, qualvollem Üben erlangt hatte. Deirdre war erschöpft. Es wäre für sie leichter gewesen, einfach in ihren Körper zurückzukehren, aber sie würde nicht aufgeben.
Es war die pure Frustration gewesen, die ihr die Kraft verliehen hatte, sich überhaupt aus ihrem Körper zu befreien. Levarchams Wille hatte sie dann nach oben getragen und ihr dabei geholfen, für einen einzigen, langen Atemzug alle Grenzen zu durchbrechen. Da ... plötzlich war da etwas: Sie spürte ausgebreitete Arme, eine seltsame Leichtigkeit der Knochen. Der Schreck lähmte ihre Gedanken. Atme! Atme!, drängte Levarcham sie.
Deirdre sah jetzt durch fremde Augen. Der Wind zerrte an den Schwungfedern, und sie erblickte in der Ferne verschwommene Berge, sah Sonnenlicht und sah Schatten, die über nackten Fels huschten. Plötzlich ging der Adler in den Sturzflug über. Die Erde raste auf sie zu. Der Vogel öffnete den Schnabel und stieß dabei einen verzückten Schrei aus: Freiheit!
Freiheit - das Einzige, was man ihr verweigerte. Das Einzige ...
Ein Krachen riss sie aus ihrer Trance.
Sie lag ausgestreckt in der Binsenstreu auf dem Boden, neben ihr ein umgekippter Schemel und ein Wasserkrug, dessen Inhalt gluckernd in die Streu lief. Einen Moment später durchbohrte ein heftiger Schmerz ihre Stirn. "Deirdre!", hörte sie Levarcham krächzen. Es gelang ihr aber nicht zu antworten. Stattdessen krallte sie sich am Boden fest, der unter ihr bockte und schlingerte, während die Wände ihrer kleinen Hütte sich um sie herum wie wild drehten.
Irgendwann verlangsamte sich der Tanz der Wände, und nach einem Ruck kam der Raum endgültig zum Stehen. Allmählich wurde sie sich wieder ihrer Umgebung bewusst. Da war kein Wind, keine Sonne ... nur flackerndes Licht auf gebogenen Lehmwänden und unter dem niedrigen Rieddach. Knisternde Flammen kämpften gegen die Kälte an, die draußen vor der mit einem Fell verhängten Tür lauerte. Im Raum hing der scharfe
Rauch von verbrannten Kräutern. Levarcham warf gerade wieder ein Bündel Kräuter ins Feuer - reinigende Rote Betonie -, woraufhin die Flammen aufloderten und ihr Licht sich in dem Geschmeide spiegelte, das auf dem Frisiertisch lag.
Im Gegensatz zum Zimmer hatte sich Deirdres Magen jedoch noch keineswegs beruhigt. Sie setzte sich kerzengerade hin, und Levarcham, die jetzt auf der Ofenbank Platz genommen hatte, schob ihr mit dem Fuß wortlos einen leeren Topf zu. Als ihr Mund zu zucken begann, packte sie das Gefäß mit beiden Händen und erbrach die Reste des Kräutertranks. Es fühlte sich gut an, als ihr Magen sich zusammenkrampfte und sich mit heftigem Würgen leerte. Schließlich tastete sie nach einem Tuch, um sich den Mund abzuwischen, bevor sie die letzten Tropfen Wasser trank, die sich noch in dem umgekippten Krug befanden. Dann lehnte sie sich völlig erschöpft an einen Stuhl.
Die Druidin, ihre Lehrerin, war an die Nebenwirkungen der Kräuter gewöhnt und hatte sich deshalb auch schon wieder gefangen. Nur ihre leichte Blässe und ihr mühsamer Atem verrieten sie. Sie bedachte Deirdres Stirn mit einem kritischen Blick, woraufhin Deirdre sich mit zitterndem Finger an den Kopf fasste und Blut an ihren Fingerspitzen spürte.
Levarcham schlug mit ihrem Stab energisch auf den Boden. "Was habe ich dir gesagt, du törichtes Mädchen?"
Deirdre tupfte sich mit dem Ärmel das Blut von der Stirn. "Dass ich mich nicht bewegen soll."
"Nur dein Geist soll mit dem des Vogels verschmelzen - und nicht dein Körper. Und was machst du? Ich spüre, wie du die Konzentration verlierst, und als ich die Augen öffne, wedelst du mit den Armen in der Luft herum und schwebst nach oben!"
Deirdre biss sich auf die Unterlippe, um angesichts dieser Vorstellung nicht laut loslachen zu müssen. "Hmm."
Der Stab krachte wieder auf den Boden. Levarcham beugte sich ein Stück nach vorn. Jeder Rest von Trance war jetzt aus ihren durchdringenden, grauen Augen verschwunden. "Was wäre gewesen, wenn du abgestürzt wärst und dich verletzt hättest? Oder wenn du ins Feuer gefallen wärst?"
Deirdre holte tief Luft. "Du hast allen Grund, mich zu tadeln." Als Levarcham die Augenbrauen daraufhin so weit nach oben zog, dass sie beinahe in ihren Haaren verschwanden, lächelte Deirdre. "Könnten wir nicht so tun, als hättest du mich bereits zurechtgewiesen und ich mich daraufhin ausgiebig entschuldigt, und einfach weitermachen?" Sie rappelte sich mühsam auf die Knie und verhakte ihren Zeigefinger mit dem von Levarcham, verband sich auf diese Weise mit ihr, wie sie auch im Flug miteinander verbunden gewesen waren. "Diesmal habe ich den Adler tatsächlich gespürt."
In Levarchams langem, ernsten Gesicht kämpften sichtlich Stolz und Strenge miteinander. Schließlich siegte doch Letzteres. Ihr Mund wurde schmal, während sie Deirdres Finger noch einmal fest drückte, bevor sie ihn losließ. "Ich habe dir drei Dinge eingeschärft. Es kommt mir jedoch so vor, als hättest du eines dieser Dinge vergessen. Wiederhole sie!"
Deirdre grinste und gab sich geschlagen. Sie setzte sich mit überkreuzten Beinen und nach oben gerichteten Handflächen hin. "Das Band zwischen Körper und Geist stärken. Mir meiner selbst bewusst bleiben.
Autorenportrait:
Die junge Engländerin Julie Watson wuchs in Australien auf. Seit ihrer Heirat mit einem Schotten arbeitet sie als freischaffende Journalistin und PR-Managerin in England. Doch ihre große Leidenschaft gilt der Archäologie, der wenig dokumentierten Geschich