Â"Die Lektüre von Marko Martins Büchern erzeugt einen Sog, dem sich Leser nur schwer entziehen können.Â"  Hans Christoph Buch Motivisch verbundene Geschichten aus Teheran, Prag, Mexico-City, Nizza, Israel, dem Kongo und anderswo: Liebe, Sex und Leben in einer globalisierten Welt. Junge Männer aus der iranischen Upper-Class, die sich aus der Enge einer geschlossenen Gesellschaft in eine nicht weniger formierte Privatexistenz flüchten; junge Israelis, die sich plötzlich in die Realität von Terroranschlägen und zweiter Intifada katapultiert sehen; ein homosexueller Museumsführer aus Berlin, der seine traumatische DDR-Vergangenheit Jahr für Jahr in zwei glamourösen Urlaubswochen an der CÃ'te dÂAzur vergessen will: Marko Martins Erzählungen demonstrieren eine hierzulande seltene Welthaftigkeit und eine unerschöpfliche Neugier, die aus der Faszination des Erotischen nicht das geringste Geheimnis macht. Selten dominierte sie ein Buch mit solch souveräner Selbstverständlichkeit: Liebe ist Liebe, ob in England, in Mexiko, in Israel oder in Deutschland, im Glück, im Unglück. Keine der Amouren, die so unterschiedliche und bunte Gesellschaften durchdringen, schließt sich in abgeschiedenen Zirkeln ein: im Gegenteil, sie öffnen die Fremde - auch dank des mitreißenden Temperaments der Sprache Marko Martins.
Cocaine (...) Denen in Berlin hatte er nichts davon erzählt, sie sollten nicht neidisch werden. Wenn sie hinter seinem Rücken tuschelten, gut. Nur Neid musste er vermeiden, das hatte ihn schon einmal aus der Bahn geworfen, diese missgünstige Aufmerksamkeit, unter der er jedesmal hilflos zu zappeln begann wie ein eingefangenes Tier. Nicht, dass sie ihn wieder in eine Zelle sperren würden. Das war vorbei. Aber weniger Führungen würde es geben, weniger Geld, und Geld war der Passierschein, den er jetzt benötigte. Darüber gab es nichts zu klagen. Wann zuvor, sagte er sich, wäre es denn schon einem wie ihm vergönnt gewesen, jedes Jahr zwischen diesen ausladend verzierten, schneeweissen Balkonen und den kleinen Palmen- und Zypressengarten hinunter in Richtung Meer laufen zu dürfen, hinein in eine winzige Gasse namens Rue Spinetta' Keiner in Berlin wusste von ihrer Existenz, geschweige denn, was er sich hier ansah. Weder die Mitarbeiter in ihren hellbraunen Blousons, die ihn damals mitgeschleppt hatten, hochgezogen von dem Tisch vor der Toilette, an dem er saß und doch nichts weiter getan hatte, als zu rauchen, noch seine jetzigen Arbeitskollegen, die es damals besser oder ungleich schlimmer erwischt hatte, so dass sie nun auch viel klügere Führungen machen konnten - niemand, kein einziger ahnte etwas von den Geheimnissen der Rue Spinetta. Norbert Karuseit versuchte zu lächeln, hinein in den Trommelwirbel aus der DJ-Ecke, der den Rhythmus bestimmte, unter dem sich jetzt Rotkäppchen breitbeinig auf dem Bühnenstuhl bewegte und unter Seufzern mit einem aus dem Publikum herausgezogenen Jüngelchen den Anschein des Kopulierens erweckte. Er hasste seinen Namen. Weder ließ er sich fremdländisch aussprechen, so dass er eleganter geklungen hätte, noch schamhaft abkürzen. Wie eine Fo
Marko Martin, geboren 1970 in Burgstädt/Sachsen, erhielt aus politischen Gründen in der DDR Hochschulverbot. Im Mai 1989 Ausreise in die Bundesrepublik aus. Ab 2000 Veröffentlichungen.
€ 32,00