Kurzbeschreibung:
Die im gesamten Mittelmeerraum gefürchteten muslimischen Korsaren wurden im 16. und 17. Jahrhundert von den Ordensrittern der Malteser bekriegt und später sogar von den Elitesoldaten des US Marine Corps bekämpft, bevor ihrem Treiben erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Ende gemacht werden konnte. Auch auf christlicher Seite machten sich die Malteser- und Stephansritter jedes Frühjahr zu Kaperfahrten an die jenseitigen Ufer des Mittelmeers auf, von denen sie oft mit reicher Beute zurückkehrten. Doch waren die Korsaren anders als gemeine Piraten keine Gesetzlosen, denn das Kaperwesen, zu dem auf beiden Seiten auch die Sklavenjagd gehörte, wurde staatlich kontrolliert. Zwar spielten die Kaperflotten beider Seiten eine wichtige Rolle in den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen, doch europäische Freibeuter machten auch vor Schiffen unter christlicher Flagge nicht halt.
Leseprobe:
"DIE KORSAREN - EIN VERGESSENES KAPITEL IN DERGESCHICHTE DES MITTELMEERS
Er war voller Hoffnung, der Fleischhauergeselle Hans Nicol Fürneisen aus Geschwenda, einem kleinen Ort im Thüringer Wald, als er sich im Mai 1712 ins ferne Spanien aufmachte, "um dort mein Glück zu versuchen". In Hamburg schi ff te sich der Einundzwanzigjährige ein und hatte nach einigen Wochen die spanische Küste schon fast erreicht - wie er selbst in dem erst über 100 Jahre später, 1845 in Arnstadt gedruckten Büchlein Der Türkensklave berichtet -, als "plötzlich zum Schrecken der ganzen Schi ff smannschaft ein algerischer Seeräuber von 36 Kanonen auf die Seefahrer stieß". Im Handumdrehen brachten die Korsaren das Segelschi ff in ihre Gewalt. Die gesamte Mannschaft und alle Reisenden an Bord wurden in die Sklaverei geführt. Für den jungen Mann aus Geschwenda begann eine leidvolle Odyssee, die ihn nach Algier, Smyrna und Istanbul führen sollte. Erst sieben Jahre später konnte er in seine Heimat zurückkehren.
Was Fürneisen geschah, wurde drei Jahrhunderte lang - von der Zeit Martin Luthers bis nach dem Ende der Herrschaft Napoleons - zum Schicksal von Abertausenden Menschen, die auf ihren Schi ff en oder aus ihren Dörfern von Korsaren entführt und in die Sklaverei verkauft wurden. Korsaren kreuzten im gesamten Mittelmeer und verschonten keine Küste. Als hätte ihnen das nicht genügt, bedrohten muslimische Freibeuter in diesen Jahrzehnten selbst die Küsten der Britischen Inseln und drangen im Jahr 1627 sogar bis nach Island vor, um dort auf Sklavenjagd zu gehen. Für ihre Opfer und die Chronisten waren diese Männer schlicht Piraten, Seeräuber, Gesetzlose ohne jeden Skrupel, und was sie taten ein verdammungswürdiges Verbrechen. Objektiv betrachtet aber waren ihre Taten - das Aufbringen gegnerischer Sc
Inhaltsverzeichnis:
Aus dem Inhalt:
Einleitung von Ekkehard Eickhoff
Die Korsaren - ein vergessenes Kapitel in der Geschichte des Mittelmeers
I. DIE BARBARESKEN
Die Entstehung der Barbareskenstaaten
Die Barbareskenkorsaren und das Osmanische Reich
Die europ ä ischen Staaten und die Barbaresken
Das Ende der Barbaresken
II. CHRISTLICHE KORSAREN
Die Ritterorden: Malteser- und Stephansritter
Kaperfahrer auf eigene Rechnung
Die letzten Korsaren
Korsarenkrieg zwischen Europ ä ern
III. FLOTTEN UND MANNSCHAFTEN
Die Schiffe der Korsaren
Besatzung und Rudermannschaften
Die Hölle an Bord
IV. GEFECHTE AUF SEE UND BEUTEZÜGE AN LAND
Die Korsaren: Schrecken des Mittelmeers
Landungsaktionen der Ritterorden auf muslimischem Gebiet
Verteidigungsanlagen und Wehrt ü rme an den europ ä ischen K ü sten
V. KAPERWIRTSCHAFT, SEEHANDEL UND SKLAVEREI
Aufteilung der Prise
Ökonomische Bedeutung der Kaperei
Kaperei und Seehandel
Sklaven auf beiden Seiten des Mittelmeers
Wege in die Freiheit
ANHANG
Nachwort zur deutschen Ausgabe
Literaturverzeichnis
Bild- und Kartennachweis
Personenregister
Autorenportrait:
Salvatore Bono, geboren 1932 in Tripolis, ist Professor für die Geschichte und Institutionen der asiatisch-afrikanischen Welt am Institut für politische Wissenschaften der Universität Perugia. Er ist Leiter der Société internationale des Historiens de la