Leseprobe:
„Mein Columbus steht schon seit ein paar Jahren im Weideschuppen und rostet vor sich hin.“ Dass mir dieser Satz aus Franks Mund lange Zeit später noch schlaflose Nächte bereiten würde, war mir, als wir am Mähdrescher vorbeigingen, zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst gewesen. Neben zwei Fendt-Schleppern, mehreren Anhängern und anderen Gerätschaften für einen funktionierenden Bauernhof mit weniger funktionierenden zwei- und vierbeinigen Mitbewohnern, hielt ein 8350er Fendt-Mähdrescher Winterschlaf. Mit Kennerblick steuerte Frank auf das Schneidwerk zu, welches auf einem extra Fahrgestell stand, und schritt es der Länge nach ab. „Acht Meter?“, fragte er. „Sieben sechzig“, gab ich zur Antwort, während der Mann, der sich eigentlich mehr um seinen Mitarbeiter hätte Gedanken machen müssen, schon die sieben Stufen erklommen hatte, um in der Kabine Platz zu nehmen. „350 PS?“, „Joh!“; „Sechs Schüttler?“ , „Acht!“; „Klimaanlage?“, „Joh!“ … … Hätte das Telefon in der Werkstatt nicht geklingelt, wäre das Frage-und-Antwort-Spiel wohl noch einige Zeit weitergegangen.
Kurzbeschreibung:
Der Autor beschreibt das Leben des selbstfahrenden Erntehelfers Columbus von CLAAS Baujahr 1959.Nach über vierzig Jahren mühevoller Ackerei auf verschiedenen Bauernhöfen waren seine Tage gezählt und er wurde aufs Abstellgleis geschoben.Im komatösen Zustand, ohne Pflege und Zuwendung dämmerte der zum Alteisen gewordene Veteran in einem alten Weideschuppen in Bokeloh am Steinhuder Meer vor sich hin. Kälte, Feuchtigkeit, Dreck und Ungeziefer waren seine einzigen Mitbewohner … bis zum Jahr der Olympischen Spiele in Athen.