Viele Jahre sah es aus, als würde Judith vor den Augen der Angehörigen langsam verhungern. Ihre Mutter, die Linzer Autorin Brigitte Reifetzhammer, verarbeitet in dem Buch ihre ganz persönlichen Erfahrungen - ihre Tochter Judith war selbst lange Jahre magersüchtig und hat die Krankheit endlich besiegt.
Das "Mut-Machbuch", wie Reifetzhammer ihr Erstlingswerk nennt, soll dazu beitragen, die Angehörigen, die sich mit Schuldgefühlen quälen, zu entlasten. "Am wichtigsten ist es, das Eis des Schweigens zu brechen. Über die Krankheit zu reden, fällt magersüchtigen Menschen - und ihren Angehörigen - unheimlich schwer. Die Krankheit lebt und nährt sich von der Verschwiegenheit. Die Betroffenen wünschen sich Hilfe und Halt, können diese aber nicht einfordern und gehen dabei sowohl an ihre körperlichen als auch seelischen Grenzen", so Reifetzhammer zur Intention ihres Buches.
Nicht nur Brigitte, auch ihre Tochter Judith kommt in dem Buch zu Wort. Ihre zutiefst bewegenden Tagebucheinträge und Zeichnungen schaffen einen authentischen Einblick in die Gefühlswelt einer Betroffenen - vom jahrelangen Wüten der Krankheit und der unerfüllten Sehnsucht nach einem befreiten, lustvollen Leben - das sich Judith letztlich in einem unglaublichen Kraftakt wieder zurückerobert. Durch die Überlagerung der beiden Sichtweisen ergibt sich eine völlig neue Perspektive.
Das Buch ist stellenweise brutal, traurig und für Außenstehende, die mit der Krankheit noch nicht konfrontiert waren, schwer nachvollziehbar. "Das liegt in der Natur der Sache und des Themas. Ich will mit meinem Buch aufrütteln und gleichzeitig sagen: Es ist hart, aber du kannst es schaffen", so Reifetzhammer.
Dieses Buch soll ein Mut-Mach-Buch für Betroffene, Eltern, Angehörige, Freunde, Pädagogen und Interessierte von Bulimie-Erkrankten sein. Stellenweise muss man das Buch zur Seite legen, weil es gleichzeitig brutal und unsagbar traurig ist, hautnah mitzuerleben, wie Seele und Körper langsam zerstört werden. Die Original-Tagebucheintragungen der Tochter beschreiben das jahrelange Wüten der Krankheit, aber auch die unerfüllte Sehnsucht nach einem lustvollen, freien Leben. Insofern ist es vor allem ein Buch über die Hoffnung, über das schrittweise Zurück-Erobern des Lebens. Es soll dazu beitragen, die Angehörigen, die sich mit Schuldgefühlen und der Frage quälen Was habe ich nur falsch gemacht? zu entlasten, Mut machen, das Gespräch zu eröffnen, damit das Eis des Schweigens brechen kann. Über das innere Grauen zu reden, fällt magersüchtigen Menschen unheimlich schwer und doch ist es ihr größter Wunsch, dass jemand kommt und sagt: "Vertrau mir, ich helfe dir!" Die autobiografische Erzählung verschafft dem Leser einen einzigartigen und authentischen Blick in die Gefühlswelt von Mutter und Tochter. Faszinierend ist die unverblümte Ehrlichkeit, mit der Judith Einblick in das Leben einer magersüchtigen Frau gibt. Ein Buch, das den Leser herausfordert und bestärkt: "Es ist hart, aber du kannst es schaffen!"
€ 14,50