Kurzbeschreibung:
Die Uhr läuft ab: Nicholas Flamel in der Stadt seiner Feinde!
Mit Müh und Not konnten Nicholas Flamel und die Zwillinge Josh und Sophie aus Paris entkommen - bevor ihr erbitterter Widersacher Dr. John Dee die Stadt verwüstet und Notre Dame in Trümmer gelegt hat. Nun sind die Freunde in London, der Stadt ihrer Feinde. Nie waren sie den dunklen Mächten so nah, und ohne den CODEX wird Flamel schwächer und schwächer. Auch die Zwillinge dürfen ihre immer stärker werdenden magischen Kräfte nicht offenbaren. Flamels geliebte Perenelle - die mächtige Zauberin - ist noch immer weit entfernt. Und so muss Flamel allein einen Weg finden, die Zwillinge in der dritten magischen Kraft auszubilden: in der Wassermagie. Aber der Einzige, der sie darin schulen kann, ist völlig unberechenbar: Es ist Gilgamesch, der uralte König, zerrissen vom Wahnsinn.
Der dritte Band der furiosen Fantasyreihe rund um die Geheimnisse des berühmtesten Alchemisten aller Zeiten.
Rezension:
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 15.03.10
Der dritte Teil der Fantasy-Saga ist der beste. Und das obwohl Band 1 und 2 schon überragend gut waren. Hier jagt ein Abenteuer das nächste. Diesmal schlägt der Leser Purzelbäume vor Freude darüber, dieses Buch lesen zu dürfen.
Leseprobe:
Ich bin müde jetzt, so müde.
Und ich werde rasch älter. Meine Gelenke sind nicht mehr so beweglich, ich kann nicht mehr gut sehen, und ich merke, dass ich genau hinhören muss, um alles zu verstehen. In den vergangenen fünf Tagen war ich immer wieder gezwungen, meine Kräfte einzusetzen, was meinen Alterungsprozess nur beschleunigt hat. Seit letzten Donnerstag bin ich um schätzungsweise zehn Jahre gealtert - wenn nicht noch mehr. Wenn ich weiterleben will, muss ich Abrahams Buch der Magie finden und kann - darf - mich meiner Kräfte nicht mehr bedienen.
Aber Dee hat den Codex, und ich weiß, dass mir nichts anderes übrig bleiben wird, als weiter auf meine schwindende Aura zurückzugreifen.
Jetzt erreichen wir London. Ich fürchte diese Stadt mehr als alle anderen, weil es Dees Stadt ist, die Stadt, in der seine Macht am größten ist. London hat Wesen des Älteren Geschlechts von überall her angezogen; hier leben mehr von ihnen als in jeder anderen Stadt auf der Welt. Erstgewesene und Ältere der nächsten Generation bewegen sich frei und unerkannt auf den Straßen und mir sind auf den britischen Inseln mindestens ein Dutzend Schattenreiche bekannt. Als Perenelle und ich das letzte Mal hier waren - es war im September 1666 -, hat der Magier die Stadt beinahe in Schutt und Asche gelegt bei dem Versuch, uns gefangen zu nehmen. Seither sind wir nicht zurückgekehrt.
Doch hier im Land der Kelten laufen ungewöhnlich viele Kraftlinien zusammen, und ich hoffe inständig, dass wir mit den neu geweckten Kräften der Zwillinge in der Lage sein werden, über diese Linien nach San Francisco zurückzukehren - zurück zu meiner Perenelle.
Und hier lebt auch König Gilgamesch, der älteste Unsterbliche dieser Welt. Sein Wissen ist unermesslich und allumfassend. Es heißt, dass er einst der Wächter des Codex war, dass er sogar den legendären Abraham kannte, der das Buch geschaffen hat. Gilgamesch hat das Wissen um alle Zweige der Elemente-Magie, aber rätselhafterweise besaß er nie die Macht, diese Magie zu nutzen. Der König hat keine Aura. Ich habe mich oft gefragt, wie das wohl ist: sich so vieler unglaublicher Dinge bewusst zu sein, Zugang zum Wissen der Urväter zu haben ... und nicht in der Lage zu sein, dieses Wissen anzuwenden.
Ich habe Sophie und Josh gesagt, dass ich Gilgamesch brauche, damit er sie in der Magie des Wassers unterweist und eine Kraftlinie für uns ausfindig macht, die uns nach Hause bringt. Was die Zwillinge nicht wissen: Es ist ein Glücksspiel, auf das ich mich aus Verzweiflung eingelassen habe. Falls der König sich weigert, sitzen wir fest - genau im Zentrum von Dees gewaltiger, dunkler Macht.
Und ich habe ihnen auch nicht gesagt, dass Gilgamesch vor allem eines ist: verrückt, vollkommen verrückt.
Aus dem Tagebuch von Nicholas Flamel, Alchemyst Niedergeschrieben am heutigen Tag, Montag, den 4. Juni, in London, der Stadt meiner Feinde
MONTAG, 4. Juni
Der junge Mann in dem grünen Parka, der direkt unter der riesigen runden Uhr im Bahnhof St. Pancras stand, nahm das Handy vom Ohr und betrachtete ein verschwommenes Bild auf dem Display. Der englische Magier hatte es laut Sendedaten vor zwei Stunden geschickt: 4. Juni 11:59. Die Farben waren verwaschen und blass, die Aufnahme war körnig, und es sah aus, als sei sie von einer über Kopf angebrachten Überwachungskamera gemacht worden. Sie zeigte einen älteren Herrn mit kurzem grauen Haar in Begleitung von zwei blonden jungen Leuten, wie sie gerade einen Zug bestiegen.
Der junge Mann stellte sich auf die Zehenspitzen und schaute sich nach dem Trio um, das er erspäht hatte. Einen Augenblick lang fürchtete er, er hätte die drei in der Menge verloren. Aber selbst wenn das der Fall gewesen wäre, wären sie nicht weit gekommen. Eine seiner Schwestern stand am Fuß der Treppe und eine zweite wartete auf der Straße und beobachtete den Eingang zum Bahnhof.
Wohin waren der ältere Herr und die beiden jungen Leute jetzt nur gegangen?
Der junge Mann mit der schmalen Nase blähte die Nasenflügel und schnupperte sich durch die zahllosen Gerüche im Bahnhof. Er identifizierte den Geruch zu vieler Humani und ging sofort darüber hinweg, genauso wie über die Myriaden unterschiedlicher Parfüms und Deodorants, die Gels und Cremes, den fettigen Geruch von Gebratenem aus den Bahnhofsrestaurants, das vollere Aroma von Kaffee und den scharfen, ölig-metallenen Geruch der Loks und Wagen. Die Nasenflügel unnatürlich aufgebläht, schloss er die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Die Gerüche, die er suchte, waren älter, ursprünglicher, hatten nichts mit der modernen Zivilisation zu tun ...
Da!
Pfefferminze: lediglich ein Hauch. Orange: nur eine ungefähre Ahnung. Vanille: wenig mehr als eine Spur.
Er öffnete die hinter einer Sonnenbrille mit kleinen rechteckigen Gläsern verborgenen blauschwarzen Augen weit, schnupperte erneut und folgte dann den nur andeutungsweise vorhandenen Aromen durch den riesigen Bahnhof. Jetzt hatte er sie!
Der grauhaarige Herr von dem Bild auf seinem Handy kam in schwarzen Jeans und einer abgewetzten Lederjacke durch die Bahnhofshalle direkt auf ihn zu. In der linken Hand trug er einen kleinen Koffer. Und genau wie auf dem vor zwei Stunden aufgenommenen Foto kamen die beiden blonden jungen Leute hinter ihm her; sie waren sich ähnlich genug, um Bruder und Schwester sein zu können. Der Junge war größer als das Mädchen und sie trugen beide Rucksäcke.
Der junge Mann machte mit seiner Handykamera rasch ein Foto und schickte es an Dr. John Dee. Auch wenn er für den Magier nichts als Verachtung empfand, wäre es unklug gewesen, ihn sich zum Feind zu machen. Dee war Agent eines der gefährlichsten dunklen Wesen des Älteren Geschlechts.
Er zog sich die Kapuze seines grünen Parkas über den Kopf und wandte sich ab, als das Trio näher kam. Dann wählte er die Nummer seiner Schwester, die am Fuß der Treppe wartete. »Es ist eindeutig Flamel mit den Zwillingen«, murmelte er in sein Handy. Er sprach die uralte Sprache, aus der sich irgendwann das Gälische entwickelt hatte. »Sie gehen in deine Richtung. Wir schnappen sie uns, wenn sie rauskommen auf die Euston Road.«
Autorenportrait:
Michael Scott ist einer der erfolgreichsten und profiliertesten Autoren Irlands und ein international anerkannter Fachmann für mythen- und kulturgeschichtliche Themen. Seine zahlreichen Fantasy- und Science-Fiction-Romane für Jugendliche wie für Erwachsen