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Milla und Emilia 03 - Freundinnen und andere Ungeheuer. cbj Hardcover

von Miriam Cordes, Patricia Schröder (Buch)

  • ISBN:3-570-13798-8
  • EAN:9783570137987
  • Veröffentlichungsdatum:Februar 2010
  • Gewicht in g:335
  • Reihe:cbj Hardcover
  • Seiten:176
  • Altersangabe:10

Kurzbeschreibung:

Klasse Mädchenunterhaltung mit Herz


Stress pur für Milla & Emilia: Nach einem Super-Riesen-Krach hatte Emilia einen Unfall und liegt jetzt mit gebrochenem Kiefer im Krankenhaus - absolutes Redeverbot! Als dann auch noch überraschender Wochenend-Besuch auftaucht und sich bei Milla einquartiert, wird Milla das ganze Gefühls-Chaos zu viel und sie zickt jeden an, der ihr über den Weg läuft. Zum Glück kann sie sich zumindest mit ihrer allerbesten Landei-Freundin auch ohne große Worte wieder versöhnen. Denn jetzt braucht sie Emilia dringender denn je ...


Für beste Freundinnen - und alle, die es noch werden wollen.



Leseprobe:

Ich glaube, ich bleibe hängen«, sagt Emilia.
»Hä? Was?«, frage ich, denn ich bin mit meinen Gedanken gerade ganz woanders.
»Jetzt tu mal nicht so, du hast mich sehr gut verstanden«, erwidert sie.
Ich bleibe stehen und sehe Emilia an. Ihre dunklen Augen glänzen mit ihren schwarzen Haaren um die Wette, und die fast schulterlangen Perlenohrringe, die farblich überhaupt nicht zu ihrem geometrisch gemusterten T-Shirt, dafür aber umso besser zu ihren bunt bemalten Chucks passen, baumeln an ihren abstehenden Ohren.
»Du bleibst nicht sitzen«, sage ich aus tiefster Überzeugung.
Dabei weiß natürlich auch ich sehr gut, dass Emilia nicht nur in Geschichte, sondern auch in Chemie und Physik ziemlich auf der Kippe steht. Es ist einfach nur so: Ich kann mir partout nicht vorstellen, dass meine herzallerbeste Landeifreundin mal irgendetwas nicht schafft. Emilia ist zwar der chaotischste Mensch unter der Sonne, und sie hat sich zugegebenermaßen auch schon einige Male gründlich verpeilt, aber bisher ist sie nie wirklich gescheitert. Niemand ist so voller Energie und Ideen wie sie. Und niemand ist dermaßen verrückt. Und deshalb bin ich ganz sicher, dass sie die Sache mit den schlechten Noten noch irgendwie hinbiegen wird. Und wenn es auf den letzten Drücker ist.
»In Physik schreiben wir nur noch eine einzige Arbeit«, eröffnet sie mir. »Eben«, sage ich.
»Die versemmel ich, das ist schon mal klar«, orakelt Emilia.
Es klingt allerdings weniger so, als ob dies ein unabwendbares Schicksal wäre, sondern eher, als ob sie es sich felsenfest vorgenommen hätte.
»Eben nicht«, entgegne ich äußerst entschieden.
»Dann erklär mir bitte mal, wie ich das schaffen soll!«, pflaumt sie mich an.
»Zum Beispiel, indem du dich gut vorbereitest«, schlage ich vor.
»Ha!«, ruft Emilia. »Dazu müsste ich es erst mal kapieren.«
»Jetzt hör aber auf«, sage ich und setze mich wieder in Bewegung.
Mit schnellen Schritten laufe ich über den Schulhof in Richtung Fahrradständer, und es ist mir völlig egal, ob Emilia mitkommt oder nicht.
»Jetzt warte doch mal!«, ruft sie. »Warum rennst du denn auf einmal so?«
»Vielleicht weil sie sich vor dir in Sicherheit bringen will«, ruft Maggie, die mit ihren Co-Freundinnen Madlon, Sarah, Elly und Larissa an der Seitenwand des Unterstandes lehnt.
»Halt die Klappe!«, fahre ich sie an.
»Spiel dich nicht so auf«, kontert sie.
Ich gehe einen Schritt auf sie zu, sehe ihr geradewegs in die Augen und sage: »Das kannst du haben. Du musst Emilia und mich bloß in Ruhe lassen.«
»Vergiss es«, schnaubt Maggie und pustet sich ihre grüne Haarsträhne aus der Stirn. »In diesem Land herrscht Rede- und Meinungsfreiheit.«
»Oh«, höhne ich. »Hast du in Politik etwa ausnahmsweise mal aufgepasst?«
Madlon, die es noch weniger erträgt als die Maggie-Bossin selbst, dass ich seit Emilias Party keinen Schiss mehr vor ihnen habe, reckt mir ihre Faust entgegen. »Pass bloß auf!«
Ich stöhne laut, verdrehe theatralisch die Augen und wende mich dann meinem Klapperesel zu. Emilia hat mich inzwischen eingeholt. Schweigend hebt sie ihr Rad aus dem Ständer und schiebt es langsam auf den Ausgang zu. Ich werfe Maggie & Co noch einen abfälligen Blick zu und folge ihr zügig.
»Du solltest die nicht unterschätzen«, meint Emilia, als wir den Bürgersteig erreicht haben.
»Und du solltest sie nicht so wichtig nehmen«, erwidere ich.
»Ich kenne sie länger und besser als du.«
»Das weiß ich, Emilia«, sage ich genervt. »Und ich habe auch nicht vergessen, wie gemein und brutal diese blöden Zicken sein können, aber außer dich interessiert das hier niemanden mehr. Sobald die uns noch einmal anfassen, kriegen sie es mit der ganzen Klasse zu tun. Wenn nicht sogar mit der ganzen Schule.«
»Schule ist da«, sagt Emilia und deutet über ihre Schulter zurück. »Hier steht dir niemand mehr bei.«
»Ach so ist das«, sage ich mehr zum Scherz. »Auf dich kann ich mich also auch nicht mehr verlassen?«
Ich registriere noch ihren wütenden Blick und wie sie auf das Rad springt, dann rast sie bereits wie vom Teufel verfolgt die Straße Richtung Ortsausgang hinunter.
Emilia weiß sehr gut, dass ihre Reaktion mehr als blöd gewesen ist, aber sie kann nicht anders. Wenn sie sauer ist, muss sie dieses Gefühl einfach sofort in Bewegung umsetzen, sonst fängt ihr Gehirn an, in seiner eigenen Suppe zu kochen, und am Ende kann sie womöglich für gar nichts mehr garantieren.
Und so tritt sie mit aller Kraft in die Pedalen und erreicht bereits nach rekordverdächtigen fünf Minuten das Ortsausgangsschild.
Es ist ein warmer, sonniger Junifreitag, das ersehnte Wochenende steht vor der Tür und schon bald beginnen die Sommerferien.
Emilia hört auf zu strampeln und rollt die Landstraße hinunter. Die Bäume rauschen an ihr vorbei. Vor ihr liegen die Weinberge, die sich mit ihren tiefgrünen Rebstöcken reizvoll vom blauen Himmel abheben. Emilias Zorn verraucht. Ihr ist klar, dass Milla es nicht so gemeint hat. Und Lust auf Streit mit der Freundin hat sie sowieso nicht. Emilia beschließt, Milla bei der Bushaltestelle abzufangen und sich bei ihr für ihr dusseliges Verhalten zu entschuldigen.
Bereits der Gedanke an die Versöhnung und das bevorstehende Wochenende, an dem sie die Schule einfach mal eine Zeit lang vergessen kann, lässt ihre Laune sprunghaft in die Höhe schnellen. Emilia nimmt die Füße von den Pedalen und spreizt die Beine weit ab. Sie legt den Kopf in den Nacken und stößt einen lauten Jauchzer aus.
Plötzlich gibt es einen Rums. Emilia hört ein lautes Knirschen, dann fliegt sie durch die Luft. Der graue Asphalt der Landstraße und das Grün des Seitenstreifens drehen sich vor ihren Augen, und sie sieht, wie ihr Fahrrad auf den Lenker kippt und schließlich laut scheppernd zu Boden kracht. Dann schlägt auch sie auf.
Für ein paar Sekunden wird es stockfinster um sie herum. Emilia vernimmt ein leises Stöhnen. Aber das kümmert sie nicht. Ihr ist alles egal. Sie will einfach nur in Ruhe hier liegen bleiben, den bauschigen Wolken hinterherschauen, die sich allmählich aus der Dunkelheit herausschälen und so leicht und sorglos über den Himmel schweben.
Doch leider ist da einer, der ihr die Ruhe nicht gönnt und sie mit idiotischen Fragen löchert.

Autorenportrait:

Patricia Schröder, 1960 geboren, wuchs in Düsseldorf auf. Sie studierte Textildesign und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf. Als ihre Kinder zur Welt kamen, zog sie sich in den Norden auf eine kleine Warft zurück. Anfangs vermisste sie den Trubel der

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