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von Thea Dorn Richard Wagner (buch)
Kurzbeschreibung:
Beschreibung der Redaktion:
Pressestimmen:
Zusatzinformationen (Autorenportrait):
Rezension von Michael Lehmann-Pape Top-100 Rezensent
Dies ist ein Buch, in dem du nicht gewarnt wird vor dem Deutschen.
Und: Wir machen uns keine Sorgen, dass Deutschland sich abschafft. Wir sehen nur, dass es sich herunterwirtschaftet, sein Gedächtnis verliert.
Zwei Sätze aus dem Vorwort, die Atmosphäre und Stil des Buches durchaus zutreffend vorweg beschreiben. Die deutlich machen, dass in positiver, würdigender Weise die beiden Autoren sich jenem Gedächtnis verhaften, dass in ihren Augen verloren zu gehen droht. Was dieses Land eigentlich ist, jenseits von lexikalischer Auskunft, von nüchternen Fakten.
Wie also stellt sie sich dar, die deutsche Seele? Der die Autoren in vielfacher Hinsicht, alphabetisch in den Themenbereichen geordnet, essayhaft nachgehen.
Abendbrot und Arbeitswut finden sich neben Bierdunst und Dauerwelle. Doktor Faust muss ja erwähnt werden, aber auch der Fußball und die Gemütlichkeit. Gründerzeiten werden betrachtet, die Neigung zum Kitsch ebenso aufgegriffen wie das Mutterkreuz, das deutsche Pfarrhaus. Aber auch der Schrebergarten findet sich neben dem Sozialstaat wieder, Winnetou hat seinen Auftritt, der Vater Rhein fließt langsam durch die Zeilen und die Wanderlust lässt ihren Tritt erschallen.
Mithin gelingt es den Autoren, eine große Breite der Darstellung aufzunehmen, von Hochkultur über gesellschaftlich prägende Epochen, von der deutschen Gemütlichkeit hin zum Stammtisch, von Krieg und Frieden bis zur Landschaftsbetrachtung. Kitsch, Spießigkeit, Bürgertum, intellektuelle Weite und verengtes Leben, ganz erstaunlich ist es, diese Vielfalt zu lesen und in jedem einzelnen abschnitt Wiedererkennungserlebnisse zu erhalten. Das alles gehört tatsächlich dazu, das ist die erste Essenz der Lektüre.
Zudem gelingt es beiden Autoren tatsächlich, den positiven Grundton durchweg beizubehalten, ohne undifferenziert in Formen von Volksromantik abzugleiten.
Im Kapitel über den Bergfilm findet sich so durchaus das Kritische, das Verherrlichende, das Riefenstahl Syndrom, aber eben nicht als den eigentlichen Tenor des Essays. Welche Sehnsucht diese Filme zu Zeiten erfolgreich machte, welche Werte mit transportiert wurden in den einfachen Aussagen, wie der Wunsch nach Harmonie sich darin darstellt und wie es hinter den Fassaden aussieht unter den Filmschaffenden selbst, das ist schon gut und informativ zu lesen. Oder die Würdigung der vier Mütter des Grundgesetzes, aber auch der intelligente Blick auf die Verfasstheit, welche die Verfassung in den Raum zu setzen hatte lesen sich hoch interessant gerade auf der Blaupause des Nationalsozialismus. Hier räumen die Autoren durchaus auf mit dem Vorurteil, die deutsche Kultur ist nationalsozialistisch.
Das Buch bildet eine gut zu lesende, fundierte, gehaltvolle und ausgewogene Mentalitätsgeschichte der deutschen Kultur und bildet damit ebenso die Gegenwart mit ab. Jedes der Essays hellt dabei in sich ein stückweit auf, wie Mentalitäten entstanden sind, worin sie sich ausdrücken und wie diese das Heute der Gesellschaft in großer Vielfalt prägen.
Es steht eben Volksmusik neben Goethe, Schrebergarten neben intellektueller Weite, Kleinstaaterei und geistige Enge neben der Kulturnation, Bierdunst neben Forschungsreisen. Interessant zu lesen in dieser Form und dieser Zusammenstellung.
Rezension von Werner Jaroschek aus Duisburg
Dorn: Die deutsche Seele
Ein wunderbares Lesebuch
Der Leser ist gespannt, was die beiden Autoren wohl über seine deutsche Seele aussagen wollen. In 64 Essays von sehr unterschiedlicher Länge- von 3 bis 40 Seiten - wird ein überraschendes Kunterbunt von Themen angeschnitten. Schon die Auswahl überrascht. Da geht es von Abendrot über Freikör-perkultur und Spargelland schließlich bis zur Zerrissenheit. Beim Lesen ist man dann fasziniert über die Breite und Tiefe der historischen, kulturgeschichtlichen, gesellschaftskritischen Kenntnisse, die ihm hier dargeboten werden. Oft ist die Sprache wissenschaftlich geprägt, ab und zu heiter, manchmal auch von sanfter Ironie. Die Autoren empfehlen, dieses Buch nicht unbedingt von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen, sondern sich von den Überschriften und dem sehr umfassenden Register der wichtigsten Personen, Begriffe und Orte anregen zu lassen. Und vier Seiten Literaturempfehlungen ermuntern zur noch tieferen Beschäftigung mit einzelnen Themen. Manches Kapitel verlangt vom Leser geistiges Bemühen. Aber die wunderbaren Bilder bieten immer wieder Gelegenheit zum erholsamen Ausruhen. Das Bauch ist mit seinen 550 Textseiten ein recht dicker Wälzer, aber wer darin liest, wird immer wieder freudig überrascht sein über den Wissensgewinn, den man daraus zieht. Schließlich wird man gut unterhalten. Immer wieder verführt es, um ein bisschen darin herumzuschnuppern.
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