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Die Rache des Kaisers
 
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Die Rache des Kaisers

Roman von Gisbert Haefs (buch)

Der grosse Mittelalterroman des ErfolgsautorsJakob Spengler ist erst 15 Jahre alt, als er vom Waldrand aus zusehen muss, wie Söldner sein Dorf zerstören und alle Bewohner ermorden - darunter seine gesamte Familie. Die Gesichter der vier Anführer brennen sich für immer in ... weiterlesen
  • ISBN-10:3-442-20301-5
  • EAN:9783442203017
  • Erscheinungstermin:12.10.2009
  • Verlag:Page & Turner
  • Einband:gebunden
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  • Sprache:Deutsch
  • Seiten:411
  • Gewicht:585 g

Kurzbeschreibung:

Der grosse Mittelalterroman des Erfolgsautors


Jakob Spengler ist erst 15 Jahre alt, als er vom Waldrand aus zusehen muss, wie Söldner sein Dorf zerstören und alle Bewohner ermorden - darunter seine gesamte Familie. Die Gesichter der vier Anführer brennen sich für immer in sein Gedächtnis. Reisende Fremde nehmen ihn mit, zuerst als Pferdeburschen und Dolmetscher, später als vertrauten Gefährten. Fünf Jahre lang begleitet er sie von Koblenz bis Kiew, von Nowgorod bis London. 1524 kehrt er als Zwanzigjähriger zurück an den Rhein. Jakob hatte sich geschworen, die Mörder seiner Familie eines Tages zu finden und zur Strecke zu bringen, aber nach all den Jahren ist die Fährte erkaltet, und eine lange Jagd beginnt.


Die Suche nach den Mördern führt ihn in die Wirren des Bauernkriegs, nach Rom, wo er Zeuge der Plünderung durch deutsche und spanische Truppen wird, ins von den Türken belagerte Wien, durch Frankreich und Navarra nach Andalusien, mit den Welsern nach Venezuela und schließlich zurück nach Europa. Auf seinem weiten Weg erlebt er Krieg und Liebe, erringt und verliert Reichtümer, leidet und lacht mit Bauern, Dirnen und Söldnern. Bis zu dem Tag, an dem er dem letzten seiner Feinde gegenübersteht - dem Mann, der einst alles angeordnet hatte ...


Pressestimmen:

"Gisbert Haefs bietet eine rechte Labsal auf der Wanderung durch die Berge historischer Romane. Also bitte, nickt man anerkennend, das kann man mit dem Genre also auch anstellen. Überaus einfallsreich." (Die Zeit)

Zusatzinformationen (Autorenportrait):

Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges zuständig. Zu eigenem schriftstellerischen Erfolg gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke »Hannibal«, »Alexander« und »Troja«. Mit »Raja« hat Gisbert Haefs ein grandioses Werk vorgelegt, das einmal mehr seinen Ruf als Meister des historischen Romans bestätigt.
Jakko hatte kaum Erfahrung mit Feuerwaffen und überlegte einige Momente, was dieses ferne Geräusch bedeuten mochte. Dann erinnerte ich mich an die Soldaten des Kurfürsten, an die Vorführung ihrer neuen Hakenbüchsen, und ich lief los, denn die Schüsse kamen vom Tal her. Vom Dorf, wo die anderen waren, die Eltern und die Geschwister ... Ich dachte nicht mehr. Etwas wie schwerer, klumpiger Brei schien mich auszufüllen, wollte in die Kehle steigen; ich würgte es hinunter, und ohne nachzudenken wußte ich, daß es Angst war. Der Tau auf den Moosflächen, eben noch köstlich frisch zwischen den Zehen, schnitt eisig in die bloßen Füße.
Am flachen Stein unter der Eiche hielt ich an, um die beiden Körbe mit Pilzen und Beeren zu den Schuhen, der Jacke und der kleinen Armbrust zu stellen. Vorhin, beim Ausziehen der Schuhe und der Jacke, hatte ich noch an das teils vorwurfsvolle, teils belustigte Lächeln der Mutter gedacht, als sie die herbstliche Kälte im Wald erwähnte. "Zieh dich wärmer an, Jakko, und zieh nicht gleich wieder alles aus, wenn ich dich nicht mehr sehe." Die Mutter. Der Vater. Die beiden Schwestern. Der kleine Bruder. Die hundert anderen Männer, Frauen und Kinder im Dorf. Ich unterdrückte das Keuchen und lauschte. Schüsse, kein Zweifel. Waffengeklirr. Und Schreie.
Wieder mußte ich schlucken, mehrmals. Ich schnappte nach Luft und rannte weiter, zum Waldrand oberhalb des Dorfs. Der rechte Fuß verfing sich in einer Ranke, und ich schlug lang hin.
Der Sturz brachte mich zu Bewußtsein. Ohne den Efeu und den Fall wäre ich aus dem lichten Gehölz aufs Feld gerannt, zum Dorf, sagte ich mir. Wozu? Um mit bloßen Händen Kugeln zu fangen und Säbel stumpf zu machen?
Um mit den anderen zu sterben, ohne ihnen helfen zu können.
Ich lag wenige Schritte vom Waldrand entfernt im Gesträuch. Langsam, vorsichtig kroch ich in den Farn, bis ich eine Stelle erreicht hatte, von der aus ich zwischen den Wedeln ins Tal sehen konnte.
Ich erinnerte mich an den letzten Blick zurück, vorhin, eben erst. Das Gutshaus noch halb im Schatten, die Häuser, Ställe und Schuppen des Dorfs davor, in Form eines Hufeisens angelegt. Bauern auf dem Weg zu Äckern und Feldern, hier und da die Rauchsäule eines Herds oder Kamins.
Inzwischen stand die Sonne höher, das Gutshaus war nicht mehr halb im Schatten, sondern ganz unter einer Wolke. Aus dem Dach leckten Flammenzungen, als wollten sie den Rauch kosten. Den Rauch verschlingen, sich von dem Rauch nähren, den sie selbst schufen. Auch die meisten anderen Häuser brannten. Zwischen ihnen liefen kleine schwarze Gestalten umher, und immer, wenn ich einen Schuß hörte, fiel eine von ihnen um.
Drüben, jenseits des Dorfs, rannte jemand den Feldweg hinauf, der zum östlichen Wald und den Köhlerhütten führte. Ein Reiter folgte ihm. Etwas blitzte im Morgenlicht auf, und der Fliehende fiel.
Männerstimmen wie fernes Poltern von Stiefeln auf Bohlen. Ein langes Kreischen: der Flug eines entsetzten Vogels, und der Vogel löst sich auf und läßt den Flug, den Schrei, jäh ins Nichts stürzen. Es gab viele Frauen und Mädchen im Dorf, aber in allen Schreien, die ich hörte, waren nur die Stimmen der Mutter und der Schwestern.
Ich weiß nicht, wie lange ich dort gelegen und gestarrt und lautlos geweint, wie oft ich die Tränenschleier zerrissen und verwischt habe, um das Grauen sehen zu können. Sehen zu müssen. Ich weiß auch nicht mehr, wer der Junge war, der dort lag und zitterte. Ein Fremder, dessen lange Verwandlung zu dem, was ich heute bin, in diesen Momenten begann.
Vielleicht dachte dieser fünfzehn Jahre alte Fremde an den Wall, der das Dorf nicht hatte schützen können. Ein immer wieder ausgebesserter Erdwall mit Mauerstücken und Palisaden. Oben lag das Gutshaus, dessen Erdgeschoß nach außen keine Fensteröffnungen hatte. Am unteren - von dort, wo ich lag, linken - Ende des Hufeisens das Tor, nachts und bei Gefahr verschlossen. Morgens wurde es geöffnet, und niemand hatte etwas von einer Gefahr gewußt. Abends hatten wir dort die Pilger eingelassen, drei müde Männer, die zu den Gebeinen der Drei Könige nach Köln unterwegs waren, in Erfüllung eines Gelübdes. Wahrscheinlich habe ich, um nicht an die anderen zu denken, an sie gedacht, deren Pilgerfahrt zu einem blutigen Ende gelangt war.
Immer noch stiegen Rauchsäulen von den Gebäuden auf, aber nicht aus Herden oder Kaminen, und sie wurden dünner. Im Gutshaus, das fast ganz aus Stein gebaut war, hatte das Feuer das Dach gefressen, dann keine weitere Nahrung gefunden und war erloschen.
Niemand schrie mehr. Es gab Bewegungen dort unten, aber keine Hast oder gar Flucht. Männer stiegen auf Pferde, andere trugen Gegenstände aus halbzerstörten Häusern zu
Karren, und vom Herrenhaus her schwankten Gestalten unter aufgetürmten Lasten.
Die Sonne stand noch nicht im Zenit. Mittlerer Vormittag; Brandschatzung und Gemetzel mochten etwas mehr als zwei Stunden gedauert haben. Ich fragte mich, wo diese zwei Stunden geblieben waren; es kam mir so vor, als hätte ich mich eben erst in den Farn gelegt.
Ist es möglich, dachte ich, inwendig so zu gefrieren, daß die Zeit stillsteht? Gibt es zwei Zeiten - eine innere, die gefrieren kann, während die andere, die äußere weiterfließt? Ich konnte mich nicht einmal erinnern, vor diesem Gedanken einen anderen gedacht zu haben. Es war, als höbe ich den Kopf aus einem langen, zähen Strömen des Entsetzens, um nach Luft zu schnappen.
Die Männer dort unten hatten wahrscheinlich ein paar Karren und Packtiere mitgebracht; sie würden alle nutzbaren Tiere und Fuhrwerke des Dorfs mit Plündergut beladen -und die übrigen? Was sollte mit den Tieren geschehen, die sie nicht mitnahmen?
Ich schloß die Augen. Warum dachte ich jetzt an Kühe, Schweine und Gänse? Um nicht an die Toten zu denken, sagte ich mir. Ich muß an die Toten denken. Ich will an die Toten denken. Ich möchte ...
Plötzlich füllte ein dumpfes Dröhnen das Tal, eine Welle, die zu mir emporbrandete und dann verebbte. Ich öffnete die Augen und starrte hinunter, sah aber nichts, was diesen Ton hätte verursachen können.
Wie eine wunde Glocke, dachte ich. Die kleine Kirche!
Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges zuständig. Zu eigenem schriftstellerischen Erfolg gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke »Hannibal«, »Alexander« und »Troja«. Mit »Raja« hat Gisbert Haefs ein grandioses Werk vorgelegt, das einmal mehr seinen Ruf als Meister des historischen Romans bestätigt.
Gisbert Haefs:
Gisbert Haefs, Jahrgang 1950, lebt in Bonn. Er ist Autor u.a. von den historischen Romanen Hannibal, Troja und Caesar, sowie Übersetzer und Herausgeber von Jorge Luis Borges und Georges Brassens.
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„Ein historischer Roman ”

13.05.2010

von einer Kundin oder einem Kunden

Im Deutschland des Jahres 1519 liegt in der Nähe der Stadt Koblenz ein kleines Dorf. Der 15jährige Junge Jakob Spengler will nach Hause gehen. Vom Waldrand aus sieht er, wie das Dorf niedergebrannt wird. Die Söldner kennen kein Erbarmen und töten grausam alle Einwohner. Warum mussten sie sterben? Der Junge ahnt, dass seine Familie ein Geheimnis hat.
Fünf Jahre reist Jakob durch halb Europa, um die Mörder seiner Familie zu finden. Es ist schwierig für ihn, denn seine Welt ist gefährlich. Der deutsche Kaiser kämpft gegen den König von Frankreich. Die Türken stehen von den Toren von Wien. Der junge Mann sucht nach den Mördern und kann sich noch ganz gut an die Gesichter und die auffälligen Körpermerkmale der Soldaten-Anführer erinnern.
Jakob will Rache und wird erst ruhen, wenn alle Mörder seiner Familie tot sind. Aber zuvor will er wissen, wer den Männern den Auftrag gab, das friedliche Dorf niederzubrennen.
Der Autor schildert packend und realistisch Kampfszenen dieser Zeit und zeigt, dass die einfachen Menschen die Grausamkeiten der Soldaten mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Ein packendes und spannendes Buch, mit dem jeder Leser in die vergangene Zeit eintauchen kann.

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„Eines meiner Lese-Highlights 2009”

15.11.2009

Rezension von anushka aus Berlin

Als 15jähriger muss Jakob Spengler vom Waldrand aus mitansehen, wie sein gesamtes Dorf von Söldnern ausgelöscht wird. Zu den Toten gehören auch seine Eltern und Geschwister. Fünf Jahre später kehrt er zurück und macht sich auf die Suche nach den Anführern, deren Gesichter und auffällige Körpermerkmale er sich damals eingeprägt hat. Nun will er wissen, was damals der Auftrag der Söldner war und wer ihn erteilt hat und er will Rache nehmen. Zudem scheint seine Familie Geheimnisse gehabt zu haben, denn Jakob kann sich erinnern, dass sie zuvor aus Koblenz in das Dorf fliehen mussten. Doch warum?

Lange Zeit ist auch dem Leser nicht klar, was das Geheimnis der Familie sein könnte, denn er erfährt nur Jakobs Sicht der Dinge. Doch gerade diese Perspektive macht die Geschichte so spannend. Das ein oder andere Mal mag sich der Leser entscheidende Fragen auch vor dem Protagonisten stellen, doch wird er durch die Ereignisse schnell wieder davon abgelenkt.
Auf seiner Suche nach den Verantwortlichen und der Rache, die zeitweise zum einzigen Inhalt seines Lebens wird, reist Jakob quer durch ein von Kriegen zerrüttetes Europa: die Bauernaufstände in Deutschland, das sacco in Rom, die Belagerung Wiens durch die Türken und zahlreiche Scharmützel zwischen deutschem Kaiser, französischem König und Papst. Dabei ergeht sich Haefs nie in unnötig bildhaften Schilderungen von Grausamkeiten, sondern stellt diese sachlich und prägnant dar, und beschreibt dadurch die Zustände im Europa des 16. Jahrhunderts sehr prägnant und glaubhaft. Auch anderen Kampfszenen wird kein unnötiger Detailreichtum gewidmet, sondern sogar im Gegenteil werden die Gefühle des Protagonisten zum Geschehen dargestellt, der zwar selbst zum Söldner wird, aber doch mit den unschuldigen Zivilopfern mitfühlt und angesichts der gesehenen - dem Leser aber nicht bildhaft geschilderten - Grausamkeiten oftmals Übelkeit empfindet.
Insgesamt ist es dem Autor sehr gut gelungen, den zu Beginn seiner Reise 20jährigen Jakob sympathisch und vor allem reflektiert darzustellen. Dabei legt Haefs einen überaus gewandten Sprachstil an den Tag. Er spielt regelrecht mit den Worten, erfindet unglaubliche Metaphern und legt den Protagonisten seinen zynischen Humor in den Mund. Seine Sprache wirkt intelligent und elaboriert und bedient sich keiner der üblichen Klischees, die im Genre des historischen Romans so gängig sind.

Als überzeugter Fan von Bernard Cornwells Uhtred aus der Sachsen-Saga habe ich "Die Rache des Kaisers" voll genossen, den Humor geliebt und die Gefühle des Protagonisten nachempfunden. Traurig macht mich lediglich, dass am Ende des Buches die Geschichte von Jakob Spengler abgeschlossen scheint und kaum auf eine Fortsetzung hoffen lässt.

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