Vorwärts und vergessen!

Kader, Spitzel und Komplizen: Das gefährliche Erbe der SED-Diktatur

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Die DDR ist vor zwanzig Jahren untergegangen. Und doch will sie nicht verschwinden – das Gedankengut und die Ideale des sozialistischen Staates leben im vereinten Deutschland in beängstigender Weise fort. Uwe Müller und Grit Hartmann zeigen, wie die mangelnde Aufarbeitung der SED-Diktatur dazu beigetragen hat: Der Rechtsstaat war unfähig, die Staatsverbrechen der DDR zu ahnden, nur vierzig Täter wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die politischen Häftlinge hingegen haben nie eine angemessene Entschädigung erhalten. Gleichzeitig nehmen ehemalige SED-Funktionäre, CDU-Blockflöten und Stasi-Spitzel wieder Schlüsselpositionen in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Medien ein. Der friedlichen Revolution ist eine stille Restauration gefolgt.
Der Westen weigert sich standhaft, seine Komplizenschaft mit dem SED-Staat aufzuklären. Weil man peinliche Enthüllungen fürchtet, lehnt es die Politik ab, die Verstrickungen früherer Bonner Abgeordneter mit dem DDR-Geheimdienst untersuchen zu lassen. So wirkt das Erbe der SED-Herrschaft auf fatale Weise fort: Die Linke, die als Nachfolgerin der Diktaturpartei erneut Gleichheitsideale propagiert, feiert Wahlerfolge im ganzen Land – und der Westen droht zu verosten. Eine schockierende Bilanz nach zwanzig Jahren Einheit.
Portrait
Uwe Müller, geboren 1957 in Wiesbaden, studierte Volkswirtschaft und Soziologie in Frankfurt am Main und begann seine journalistische Laufbahn als Redakteur bei der Düsseldorfer Verlagsgruppe Handelsblatt. 1990 wurde er Ostdeutschland-Korrespondent der Tageszeitung "Die Welt", für die er seit 2002 als Reporter tätig ist. Uwe Müller lebt in Leipzig und Berlin.
Grit Hartmann, geboren 1962, studierte Journalistik in Leipzig und arbeitete bis zum Ende der DDR beim Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 1990 war sie Mitbegründerin des Forum Verlags Leipzig. Seit 1994 arbeitet sie als freie Journalistin und war u.a. an der Aufklärung der Skandale um die Leipziger Olympiabewerbung beteiligt. Mehrere Buchveröffentlichungen, darunter „Goldkinder. Die DDR im Spiegel ihres Spitzensports“ (1997).
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Paperback
Seitenzahl 315
Erscheinungsdatum 02.05.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-87134-623-1
Verlag Rowohlt Berlin
Maße (L/B/H) 219/141/32 mm
Gewicht 410
Auflage 1
Buch (Paperback)
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Unbewältige Vergangenheit: DDR-Opferentschädigung
von Werner Jaroschek aus Duisburg am 07.07.2009

Die Wiedervereinigung traf die Bundesrepublik weitestgehend unvorbereitet. Vorbereitet war man aber auf die Bestrafung derer, die ihren Mitbürgern Unrecht in der DDR zugefügt, selbst aber auf sich Schuld geladen hatten. Das Buch der beiden Autoren lässt beim Leser Zorn aufsteigen, denn wie man nach 1945 vielfach über Unrechtstaten... Die Wiedervereinigung traf die Bundesrepublik weitestgehend unvorbereitet. Vorbereitet war man aber auf die Bestrafung derer, die ihren Mitbürgern Unrecht in der DDR zugefügt, selbst aber auf sich Schuld geladen hatten. Das Buch der beiden Autoren lässt beim Leser Zorn aufsteigen, denn wie man nach 1945 vielfach über Unrechtstaten vieler Schuldiger hinweg gegangen ist, so wiederholt sich das nun nach 1989 wieder im Hinblick auf die Täter der DDR. In dem Buch wird deutlich: Wieder einmal gehen die Opfer leer aus. Brandt hatte recht mit seinem Wort: „Nun wächst zusammen, was zusammen gehört.“ Aber das Zusammenwachsen wird erschwert und wird länger dauern, wenn Wunden offen bleiben und ehemalige Täter nicht nur nicht belangt werden, sondern wieder führende Positionen einnehmen. Es ist ein nötiges Buch gegen das Vergessen. Für ehemalige BRDler ist es wichtig, kompetent daran erinnert zu werden, wie Parteien und führende Persönlichkeiten allmählich den Gedanken an Wiedervereinigung aufgaben, ja, das Reden davon sogar als ‚politische Umweltverschmutzung’ bezeichneten, wie einzel-ne Bundesländer die Zahlungen für die Zentrale Erfassungsstelle in Salzgitter einstellten. Nicht alle, die sich heute rühmen, sich für die Wiedervereinigung eingesetzt zu haben, haben dazu ein Recht. Die Informationen dieses Buches geben den ehemaligen DDRlern reichlich Material für ihre Forderungen nach Gerechtigkeit und gerechter Entschädigung.. Kapitelüberschriften wie ‚Ein Staat vergeht, das Un-recht bleibt’, ‚Das Überleben der Eliten’. Ehrenpensionen für Stasi-Minister’ regen zum Nachdenken an. Heute neigen alle Parteien zur Politik des ‚Schwamm drüber’, aber so kann man Vergangenheit nicht auf-arbeiten. Die 68er rühmen sich, hier in der BRD seinerzeit ein Umdenken ausgelöst zu haben, müssen die DDRler nun auf die ‚2019er’ warten? Man sollte das Buch nicht nur lesen, sondern auch manchen Politi-kern auf den Schreibtisch legen.

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