Sie kam aus Mariupol

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2017

(11)

"Wenn du gesehen hättest, was ich gesehen habe" - Natascha Wodins Mutter sagte diesen Satz immer wieder und nahm doch, was sie meinte, mit ins Grab. Da war die Tochter zehn und wusste nicht viel mehr, als dass sie zu einer Art Menschenunrat gehörte, zu irgendeinem Kehricht, der vom Krieg übriggeblieben war. Wieso lebten sie in einem der Lager für "Displaced Persons", woher kam die Mutter, und was hatte sie erlebt? Erst Jahrzehnte später öffnet sich die Blackbox ihrer Herkunft, erst ein bisschen, dann immer mehr.
"Sie kam aus Mariupol" ist das außergewöhnliche Buch einer Spurensuche. Natascha Wodin geht dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nach, die aus der Hafenstadt Mariupol stammte und mit ihrem Mann 1943 als "Ostarbeiterin" nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt beklemmend, ja bestürzend intensiv vom Anhängsel des Holocaust, einer Fußnote der Geschichte: der Zwangsarbeit im Dritten Reich. Ihre Mutter, die als junges Mädchen den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror miterlebte, bevor sie mit ungewissem Ziel ein deutsches Schiff bestieg, tritt wie durch ein spätes Wunder aus der Anonymität heraus, bekommt ein Gesicht, das unvergesslich ist. "Meine arme, kleine, verrückt gewordene Mutter", kann Natascha Wodin nun zärtlich sagen, und auch für uns Leser wird begreifbar, was verlorenging. Dass es dieses bewegende, dunkel-leuchtende Zeugnis eines Schicksals gibt, das für Millionen anderer steht, ist ein literarisches Ereignis.
"Das erinnert nicht von ungefähr an die Verfahrensweise, mit der W. G. Sebald, der große deutsche Gedächtniskünstler, verlorene Lebensläufe der Vergessenheit entriss." (Sigrid Löffler in ihrer Laudatio auf Natascha Wodin bei der Verleihung des Alfred-Döblin-Preises 2015)

Rezension
Wie klein, wie reich so ein Menschenleben ist und wie unrettbar es in die Mühlen der Geschichte gerät, davon erzählt diese zwischen Roman, Recherche, Rekonstruktion und Erinnerung angesiedelte Spurensuche. (...) Die Sprache ist kunst- und schmucklos, aber genau das ist das einzig Angemessene. (...) Das ist, gerade in der dokumentarischen Nüchternheit, ganz große und äußerst wirkungsvolle Kunst. Jörg Magenau, Deutschlandradio Kultur
Portrait
Natascha Wodin, 1945 als Kind verschleppter sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth/Bayern geboren, wuchs erst in deutschen DP-Lagern, dann, nach dem frühen Tod der Mutter, in einem katholischen Mädchenheim auf. Nachdem sie eine Sprachenschule absolvierte, übersetzte sie aus dem Russischen und lebte zeitweise in Moskau. Auf ihr Romandebüt "Die gläserne Stadt", das 1983 erschien, folgten etliche Veröffentlichungen, darunter die Romane "Einmal lebt ich", "Die Ehe" und "Nachtgeschwister". Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, für "Sie kam aus Mariupol" wurde ihr der Alfred-Döblin-Preis und der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Natascha Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 368
Erscheinungsdatum 17.02.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-498-07389-3
Verlag Rowohlt Verlag
Maße (L/B/H) 211/132/31 mm
Gewicht 453
Auflage 6. Auflage
Verkaufsrang 2.268
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Kundenbewertungen


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Ein Stück Geschichte
von einer Kundin/einem Kunden am 24.06.2017

Natascha Wodin geht ihrer Familiengeschichte auf den Grund. Nach vielen Jahren nutzt sie das Internet für ihre Recherchen und findet einige Antworten zur Familiengeschichte ihrer Mutter. Aus gutem Haus stammend, wurde die Familie zerrissen, enteignet, verfolgt von Stalins Anhängern und den Nazis. Ihre Mutter kam als Zwangsarbeiterin nach Deutschland... Natascha Wodin geht ihrer Familiengeschichte auf den Grund. Nach vielen Jahren nutzt sie das Internet für ihre Recherchen und findet einige Antworten zur Familiengeschichte ihrer Mutter. Aus gutem Haus stammend, wurde die Familie zerrissen, enteignet, verfolgt von Stalins Anhängern und den Nazis. Ihre Mutter kam als Zwangsarbeiterin nach Deutschland und kam doch nie an. Aber es gibt Verwandte die aufgespürt werden und so bekommt Natascha Wodin die Tagebücher der Schwester ihrer Mutter in die Hände. Man erfährt das ganze Ausmaß der Unmenschlichkeit jener Zeit.

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Schnörkellos und unsentimental! Unbedingt lesenswert!
von einer Kundin/einem Kunden am 16.05.2017

Natascha Wodin will verstehen. Verstehen woran ihre Mutter zerbrach, warum es für sie, die noch so jung war, keinen anderen Ausweg als den Tod gab, ja geben konnte. Und sie nimmt uns mit auf ihre Spurensuche, die in der Ukraine beginnt und uns in die tiefsten Abgründe menschlichen Handelns und... Natascha Wodin will verstehen. Verstehen woran ihre Mutter zerbrach, warum es für sie, die noch so jung war, keinen anderen Ausweg als den Tod gab, ja geben konnte. Und sie nimmt uns mit auf ihre Spurensuche, die in der Ukraine beginnt und uns in die tiefsten Abgründe menschlichen Handelns und einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte führt. Natascha Wodin findet Worte für das, was einem die Sprache verschlägt. Ein Buch gegen das Vergessen.

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Sie kam aus Mariupol
von einer Kundin/einem Kunden am 29.03.2017

Revolution - Bürgerkrieg - Hungerkrieg - Zwangsarbeit - Heimatlosigkeit - Stationen eines Lebens, exemplarisch für Unzählige. Zuviel für ein Menschenleben. Ein Buch, das mir unvergesslich bleiben wird.

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